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Gauck bei der Bundeswehr : „Eine Stütze der Freiheit“

Gauck am Dienstag bei der Bundeswehr in Hamburg Bild: dapd

Mit Hochachtung ist Bundespräsident Gauck am Dienstag den Bundeswehrsoldaten begegnet. Das „freundliche Desinteresse“ der Gesellschaft kritisierte er. Und er sprach über eigene Erfahrungen: die Bundeswehr sei eine „Stütze der Freiheit“.

          Der General weiß, was er seinem Gast schuldig ist. „Freiheit“, intoniert also Generalmajor Achim Lidsba, „Freiheit beruht auf Erkenntnis; diese setzt Bildung voraus.“ Und: Soldaten zeigten die Bereitschaft, persönlich Verantwortung zu übernehmen, um diese Freiheit zu verteidigen. Die Begriffe, mit denen der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr Joachim Gauck begrüßt, Freiheit und Verantwortung, sind es dann auch, um die der Bundespräsident in seiner Ansprache kreist.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Gauck hat sich die Schmiede des Offiziernachwuchses als Ort ausgesucht, um seinen Antrittsbesuch als Bundespräsident bei der Bundeswehr zu machen. Hier eine Rede zu halten hat eine gewisse Tradition. Johannes Rau hat hier als erster Bundespräsident Absolventen eines Generalstabslehrgangs verabschiedet und bei der Gelegenheit seine Vorstellungen über sicherheitspolitische Interessen und Aufgaben Deutschlands zwei Jahre nach den Terroranschlägen von 2001 dargelegt. Horst Köhler rief vor fünf Jahren in einer bemerkenswerten Rede die jungen Offiziere auf, gerne auch in der Öffentlichkeit ihre eigenen Gedanken im Klartext zu vertreten.

          Gauck ging nun auf ein anderes Wort ein, das Köhler geprägt hatte, das „freundliche Desinteresse“ der Gesellschaft an der Bundeswehr. Sie stehe zwar mehr denn je unter Beobachtung der Medien. „Und doch ist sie im öffentlichen Bewusstsein nicht sehr präsent.“ Der Bundespräsident machte als Gründe dafür einerseits äußere Faktoren aus, die räumliche Distanz, die mit immer weiteren Standortschließungen zunimmt. Schon gar die Distanz auch im Vorstellungsvermögen der meisten Zivilisten in Deutschland dafür, wie es im Kosovo oder am Hindukusch zugeht. Andererseits aber kritisierte Gauck „unsere glücksüchtige Gesellschaft“, die es nur schwer ertragen könne, „dass es wieder deutsche Gefallene“ und Kriegsversehrte gebe und daher ein „Nicht-Wissen-Wollen“ vorziehe.

          Zugleich begründete Gauck die Notwendigkeit von Militäreinsätzen mit dem wiederkehrenden Satz: „Freiheit ist ohne Verantwortung nicht zu haben.“ Gerade die Deutschen wüssten, dass Frieden, Freiheit und Achtung der Menschenrechte nicht von allein entstünden, seien es ausländische Soldaten gewesen, die einst „unserem Land die Voraussetzungen dafür schenkten“. Gewalt werde immer ein Übel bleiben. Aber die Welt sei nun einmal „nicht geheilt, sondern tief gespaltenen“, formulierte der Theologe. Und daher könne Gewalt „notwendig und sinnvoll sein, um ihrerseits Gewalt zu überwinden“. Allerdings müssten militärische Einsätze begründet, und es müsse diskutiert werden: „darüber, ob sie die gewünschten Ziele erreichen oder schlimmstenfalls neue Gewalt schaffen, und auch darüber, ob wir im Einzelfall die Mittel haben, die für ein sinnvolles Eingreifen nötig sind.“ Diese Fragen gehörten in die Mitte der Gesellschaft.

          Gauck sprach mit Hochachtung zu den Soldaten, die zur Hingabe bereit seien „in Zeiten, da jeder für sich selbst Verantwortung zu übernehmen hat und zu viele meinen, daran schon schwer genug zu tragen“. Er verwies auf seine Lebenszeit in einem Staat, in dem die „Volksarmee“ nicht dem Volk gedient, sondern es unterdrückt habe. „Es sind keine guten Gefühle, die bei mir hochkommen, wenn ich mich erinnere an die Aufmärsche, an die Militarisierung der Schulen, an die Erziehung zum Hass, ... an die militärische Absicherung einer unmenschlichen Grenze nicht gegen einen Aggressor, sondern gegen das eigene Volk.“ Die Bundeswehr dagegen „ist keine Begrenzung der Freiheit, sondern eine Stütze der Freiheit.“ So sprach Gauck in persönlichen Worten, aber doch vorwiegend über seine eigenen Begriffe und Erfahrungen. Es ist zu erwarten, dass weitere Besuche bei den Soldaten, auch im Auslandseinsatz, folgen.

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