28.11.2007 · In Deutschland werden nicht genügend Kinder geboren, denn für Familien haben sich die Lebensbedingungen und die finanziellen Verhältnisse seit Jahren ständig verschlechtert. In einem Gastbeitrag fordert Christa Müller eine Honorierung der Erziehungsleistungen.
Damit in Deutschland wieder mehr Kinder geboren werden, fordert Christa Müller, die familienpolitische Sprecherin der Partei „Die Linke“ im Saarland, ein „sozialversicherungspflichtiges Erziehungsgehalt“ für alle Familien.
Nur so könnten die meisten Eltern heute den Wunsch nach Kindern und Erwerbstätigkeit miteinander vereinbaren, argumentiert die Ehefrau des Parteivorsitzenden Oskar Lafontaine in einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Für jedes Kind sollten während der ersten drei Lebensjahre monatlich 1600 Euro gezahlt werden; von vierten bis zum achtzehnten Lebensjahr sei ein Betrag von 500 Euro angemessen.
„Honorierung einer Tätigkeit“
Das Erziehungsgehalt ist nach Ansicht von Frau Müller nicht als „Sozialleistung“ sondern als „Honorierung einer gesellschaftlichen notwendigen Tätigkeit“ zu verstehen. „Wenn wir Erzieher, Lehrer und Kinderpsychologen bezahlen, müssen wir aus Gründen der sozialen Gerechtigkeit auch Eltern für ihre Erziehungsleistung honorieren.“
Natürlich müssten Mütter und Väter auch bestimmte „Qualitätsanforderungen“ erfüllen. Für das Wohl des Kindes sollen daher regelmäßige Hausbesuche von “Familienberatern“ und, bei Bedarf, die professionelle Hilfe von Fachleuten oder Institutionen sorgen.
„Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“
Die Höhe des Erziehungsgehaltes sei so kalkuliert, schreibt Frau Müller, dass Familien eine echte Wahlfreiheit hätten, „die beruflichen und familiären Aufgaben so zwischen den Eltern zu verteilen, wie es ihren Bedürfnissen und denen der Kinder entspricht“. So könne sich die Mutter oder der Vater einige Jahre lang ganz oder halbtags der Erziehung der Kinder widmen. Wollten aber beide Eltern berufstätig bleiben, könnten sie mit dem Zusatzeinkommen eine gute professionelle Betreuung finanzieren.
Die Erziehungsleistung der Eltern müsse nach dem Motto “Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ honoriert werden, ob sie nun Ministerin, Rechtsanwalt, Stahlarbeiter oder müsse Verkäuferin seien. Da Bezieher eines niedrigen oder durchschnittlichen Einkommens weniger Steuern zahlten, profitierten sie von dem Erziehungsgehalt mehr als Spitzenverdiener.