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Gastbeitrag : Abschied vom Kampf der Geschlechter

  • -Aktualisiert am

Kristina Schröder Bild: dpa

Wer heute etwas über Frauenpolitik wissen will, findet eine breite Auswahl an Lesestoff. Gut so! Doch wer sich für die männliche Seite interessiert, kann lange vergeblich blättern. Vor lauter Frauenpolitik haben wir die Männer vergessen.

          Ist es Zufall oder perfektes Timing? Während Deutschland über Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten debattiert, wirbt ein Kosmetikartikelhersteller mit der Frage „Schatzi? Bärchen? Hengst? Wann ist ein Mann ein Mann?“. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet eine Werbekampagne für Deo und Duschgel die Schieflage in der aktuellen gleichstellungspolitischen Diskussion illustriert: Wer heute etwas über Frauenpolitik lesen will, findet eine breite Auswahl an Artikeln, Reportagen, Interviews und Kommentaren in Tages- und Wochenzeitungen, Wirtschafts- und Frauenmagazinen. Gut so!

          Wer sich für die männliche Seite im Wandel des Geschlechterverhältnisses interessiert, kann lange vergeblich blättern und landet im Moment mit großer Wahrscheinlichkeit als Erstes bei einer Anzeige für Männerkosmetik. Das ist bitter - und zwar nicht in erster Linie für die Männer, sondern für die Frauen. Denn es zeigt, wie wenig ausgeprägt das Bewusstsein dafür ist, dass Männerpolitik erheblich zum Erfolg moderner Gleichstellungspolitik und damit zu fairen Chancen für Frauen insbesondere im Beruf beitragen kann.

          Beispiele für die Verengung der gleichstellungspolitischen Argumentation auf die frauenpolitische Perspektive gibt es jedenfalls mehr als genug. Wir haben uns so sehr an den Monopolanspruch der Frauenpolitik auf alle Belange der Gleichberechtigung gewöhnt, dass der Gedanke, Jungen und Männer stärker in die Gleichstellungspolitik einzubeziehen, im besten Fall ignoriert und im schlechtesten Fall als Verrat an den Zielen der Frauenbewegung gebrandmarkt wird. Dieses Denken ist geprägt vom Feminismus des vorigen Jahrhunderts, der zum Geschlechterkampf blies und Frauen- und Männerpolitik nicht selten gegeneinander ausspielte. „Wenn wir wollen, dass es unsere Töchter einmal leichter haben, müssen wir es unseren Söhnen schwermachen“, hieß es 1986 in der Zeitschrift „Emma“.

          Reflexhafte Abwehrhaltung

          Auch heute noch nährt die reflexhafte Abwehrhaltung gegenüber einer speziell auf die Bedürfnisse männlicher Kinder und Jugendlicher zugeschnittenen Jungenpolitik den Verdacht, dass manche Altfeministinnen vor allem den Benachteiligtenstatus der Frau verteidigen wollen - zum Beispiel gegen die heute erwiesenermaßen überwiegend männlichen Bildungsverlierer. Schon das Anliegen, die unterschiedlichen Bedürfnisse von Mädchen und Jungen stärker in den Blick zu nehmen und bestimmte Verhaltensweisen als typisch für Jungen zu akzeptieren, stößt bei Vertreterinnen des gleichstellungspolitischen Mainstreams häufig auf Skepsis.

          Die Initiative des Familienministeriums für mehr männliche Erzieher in Kitas provozierte Widerspruch bei denen, die darin einen Angriff auf weibliche Erzieherinnen sehen wollten. Doch sowohl Mädchen als auch Jungen profitieren, wenn sie in den Jahren, in denen sie ihre geschlechtliche Identität entwickeln, weibliche und männliche Rollenvorbilder erleben. Deshalb ist es ein wichtiges gleichstellungspolitisches Ziel, den Anteil männlicher Fachkräfte in Kindertagesstätten - er liegt gegenwärtig bei 2,4 Prozent - deutlich zu erhöhen.

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