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Gastbeitrag : Abschied vom Kampf der Geschlechter

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Dasselbe gilt im Übrigen für eine zeitgemäße Familienpolitik: Frauen sind heute nicht mehr selbstverständlich bereit, zugunsten familiärer Fürsorgeaufgaben auf berufliche Perspektiven zu verzichten. Wenn die Verantwortungsgemeinschaft Familie in unserer Gesellschaft dennoch weiterhin den hohen Stellenwert haben soll, den wir ihr für den Zusammenhalt der Gesellschaft zuschreiben, müssen auch Männer sich Zeit für Verantwortung nehmen können. Das entspricht ja auch dem Wunsch vieler junger Väter, die für ihre Karriere nicht auf Zeit mit Partnerin und Kindern verzichten wollen. Das Elterngeld ist deshalb eine wichtige Investition in den gesellschaftlichen Wandel. Dank der Partnermonate im Rahmen der Elternzeit sind wir heute so weit, dass sich nach der Geburt eines Kindes mehr und mehr Männer - mittlerweile sind es mehr als 23 Prozent der Väter - Zeit für Familie nehmen und diese Zeit bei ihrem Arbeitgeber auch einfordern. Dadurch etablieren sich neue Karrieremodelle, aber auch neue männliche Rollenvorbilder. Man muss nur genau hinhören: Während man(n) die Partnermonate noch vor drei Jahren als „Wickelvolontariat“ belächelte, bemängelt man(n) heute auf Autobahnraststätten das Fehlen eines Wickeltisches auf der Herrentoilette.

Die Übernahme familiärer Fürsorgeaufgaben durch Männer unterstützt im Übrigen auch die Einführung der Familienpflegezeit, die das Bundeskabinett im März beschlossen hat. Sie ist besonders für diejenigen ein attraktives Angebot, die einen Vollzeitjob mit der Pflege eines Angehörigen vereinbaren müssen - und das sind vor allem Männer, weil Frauen in der relevanten Altersgruppe viel häufiger Teilzeit arbeiten. Insofern trägt die Familienpflegezeit dazu bei, dass auch die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf nicht länger nur als Aufgabe von Frauen wahrgenommen wird.

Jungen- und Männerpolitik fördert die Gestaltungsfreiheit von Männern, die die Gewichtung von Beruf, Familie, Freizeit und Engagement in ihrem Leben gemeinsam mit ihrer Partnerin nach eigenen Vorstellungen austarieren möchten. Wenn am kommenden Donnerstag auf meine Initiative hin erstmals bundesweit der Jungen-Zukunftstag „Boys' Day“ stattfindet, geht es deshalb nicht nur darum, Jungen berufliche Zukunftsperspektiven jenseits sogenannter „typischer Männerberufe“ zu eröffnen. Es geht auch darum, den Blick auf die Bedeutung der Jungen- und Männerpolitik für faire Chancen in unserer Gesellschaft zu lenken und eine zeitgemäße Gleichstellungspolitik zu etablieren, in der sich Frauen- und Männerpolitik gegenseitig stützen.

Dabei erhebt zeitgemäße Gleichstellungspolitik nicht den Anspruch, alte Rollenmuster durch neue Rollenmuster zu ersetzen. Ihr Anspruch ist es, Frauen und Männern Gestaltungsfreiheit über ihren eigenen Lebensentwurf zu geben, und deshalb hängt ihr Erfolg davon ab, ob es gelingt, Frauen und Männer gleichermaßen einzubeziehen. Nur wenn auch Männer die Chance haben, anders zu leben als frühere Generationen von Männern, ist der Weg frei für Gleichberechtigung in Familien und Partnerschaften und damit für die beruflichen Chancen von Frauen.

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