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Gastbeitrag : Abschied vom Kampf der Geschlechter

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Die Verengung der Gleichstellungspolitik auf Frauenpolitik, die in der verbreiteten Ablehnung von Jungenpolitik zum Ausdruck kommt, setzt sich fort in der Diskussion über Chancengleichheit im Berufsleben. Ja, die männliche Dominanz in Vorständen und Aufsichtsräten ist völlig inakzeptabel! Ziemlich kurzsichtig aber ist es, ausschließlich von der Benachteiligung von Frauen zu reden. Ein differenziertes Bild ergibt sich mit Blick auf die Ursachen, die dem mit steigender Hierarchiestufe schwindenden Frauenanteil zugrunde liegen.

Familiäre Aufgaben gelten immer noch als Handicap

Zu diesen Ursachen gehört vor allem eine Arbeits- und Unternehmenskultur, in der familiäre Aufgaben als Handicap gelten und in der diejenigen am erfolgreichsten sind, die familiäre Verantwortung weitestmöglich an andere - und das heißt meist: an die Lebenspartnerin - delegieren können. Dadurch wird die traditionelle Rollenverteilung in einer Partnerschaft mit der männlichen Rolle des Familienernährers quasi zur Erfolgsvoraussetzung: Anders könnten Top-Führungskräfte sich dem Diktat der uneingeschränkten Verfügbarkeit in Sechzig- bis Achtzig-Stunden-Wochen nicht beugen. Für das Prinzip „Karriere wird nach Feierabend gemacht“ bezahlen viele Frauen also gleich doppelt: Zum einen mit eingeschränkten beruflichen Aufstiegschancen, wenn sie nach Feierabend nicht Karriere, sondern die Kinder bettfertig machen. Zum anderen mit dem Verzicht auf Unterstützung durch den Ehemann oder Partner, weil Männer, die sich familiäre Fürsorgeaufgaben mit ihrer Partnerin teilen, aus denselben Gründen wie Frauen um die eigene Karriere fürchten müssen. Glücklicherweise gibt es heute immer mehr junge Väter, die trotzdem mehr von ihrer Familie haben wollen als ein Bild auf dem Schreibtisch. Auch sie bezahlen im Moment mit schlechteren Karriereaussichten, wenn sie vorübergehend beruflich kürzertreten.

Frauenförderung allein wird daran nichts ändern. Fördern sollten wir faire berufliche Chancen von Frauen und Männern, die sich Zeit für Verantwortung nehmen. Frauen und Männer, die Zeit für Familie und faire Chancen auf Karriere haben wollen, brauchen vor allem verlässliche Partner. Gemeint sind Lebenspartner, die bereit sind, gemeinsam Fürsorgeaufgaben in der Familie zu übernehmen. Gemeint sind auch Arbeitgeber, die mit familienfreundlichen Arbeitsbedingungen dafür sorgen, dass eine Auszeit nach der Geburt oder vorübergehende Teilzeitarbeit keinen Mitarbeiter - ob weiblich oder männlich - ins berufliche Abseits katapultiert. Zu einer zeitgemäßen Gleichstellungspolitik, die Frauen Freiheit bei der Gestaltung ihres individuellen Lebensentwurfs und faire Chance im Beruf ermöglichen will, gehört deshalb heute neben der Förderung familienfreundlicher Arbeitsbedingungen auch eine Männerpolitik, die es Männern ermöglicht, ihre Rolle abseits von Rollenklischees selbst neu zu definieren.

Auch Männer müssen sich Zeit für Verantwortung nehmen können

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