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Gabriele Pauli „Ich trete aus der CSU aus“

22.11.2007 ·  Es wird einsam in der CSU: Edmund Stoiber ist in Brüssel - und Gabriele Pauli kehrt den Christsozialen den Rücken. Die Landrätin tritt aus der CSU aus. Sie wählte einen passenden Schlusspunkt für ihre lange Partei- und steile, aber kurze Medienkarriere.

Von Albert Schäffer, München
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Es wird einsam in der CSU: Edmund Stoiber ist in Brüssel - und Gabriele Pauli kehrt der Partei den Rücken. Gewohnt glamourös inszenierte die Fürther Landrätin am Mittwoch ihren Rückzug aus der Partei. Die Nation erfuhr das Ende einer zuletzt doch recht angespannten Beziehungsgeschichte nicht durch eine karge Pressemitteilung, sondern standesgemäß in einem hochglänzenden Medium, in der Zeitschrift „Vanity Fair“.

Allein der Publikationsort für die Trennungsmitteilung zeugte noch einmal davon, welch mediale Talente in Bayern in der Provinz schlummern. „Vanity Fair“ - der „Jahrmarkt der Eitelkeiten“ - einen schöneren Schlusspunkt einer Parteikarriere hätte sich die Frau aus Fürth nicht suchen können: Da wirkte der Abschied des Franz Müntefering am selben Tag in Berlin doch ein wenig bieder.

Aber brav ist es in der kurzen, aber steilen Medienkarriere Paulis ohnehin nie zugegangen, seit sie mit dem Vorwurf, Stoibers Staatskanzlei habe ihr Privatleben ausspioniert, auf sich aufmerksam machte - und mit ihrer Kritik am damaligen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden zu dessen Sturz beitrug.

Gabriele Pauli: „Ich trete aus der CSU aus“

Da waren ihre Modefotos mit Latexhandschuhen in der Zeitschrift „Park Avenue“, die alle männlichen Konkurrenten wie blasse, in die Jahre gekommene Regensburger Domspatzen erscheinen ließen. Da war das Titelbild der Zeitschrift „Bunte“, auf der Pauli eingehüllt in eine weiß-blaue Fahne den ewigen Widerstreit zwischen Ästhetik und Politik aufhob. Und da war ihr Plädoyer für eine Ehe auf Zeit, das dafür sorgte, dass sogar in fernen Erdteilen die Familienpolitik der CSU ein Begriff wurde.

„Um Neuem Raum zu geben, muss man Altes loslassen“

Nicht zur übergroßen Freude des Parteiestablishments, das erst erleichtert aufatmen konnte, als Frau Pauli auf dem CSU-Parteitag bei der Wahl zum Vorsitz gegen Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer und den letztlich erfolgreichen Erwin Huber ein nur mikroskopisch wahrnehmbares Ergebnis (24 Stimmen) erzielte. Dieses fulminante Scheitern durfte schon als Vorbereitung der Trennungspapiere interpretiert werden, auch wenn die Landrätin zunächst beteuerte, in der CSU bleiben zu wollen.

Medial gesehen war die voradventliche Zeit auch passender für einen großen Abschiedsauftritt, den Frau Pauli jetzt mit der gewohnten Professionalität absolvierte. Besser als in dem Austrittsschreiben an den Parteivorsitzenden Huber hätte es kein Drehbuchschreiber formulieren können: „Um Neuem Raum zu geben, muss man Altes loslassen.“

„Neuem Denken, Kraft verleihen“

Ja, jetzt darf gefiebert werden, wie es in der Pauli-Daily weitergeht; bei der Kommunalwahl tritt sie nicht mehr an. Vielleicht eine eigene Partei gründen? Das sei eine Option, ließ sie wissen: „Ich möchte einen Kreis von Menschen finden, der für eine Politik der Offenheit steht, um einem neuen Denken, das sich viele ersehnen, Kraft zu verleihen.“

Wer wollte da noch sinnieren, warum Frau Pauli erst gar nicht versucht hat, sich als kommunalpolitische Stimme der CSU zu profilieren: Es ging schließlich ums Ganze - ums neue Denken in Latex.

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Jahrgang 1957, politischer Korrespondent in München.

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