Ein wirklicher Generationenwechsel wird es nicht, wenn die Jungsozialisten auf ihrem Bundeskongress Mitte Juni in Essen einen neuen Vorsitzenden wählen: Auf die dann 30 Jahre alte Franziska Drohsel, die seit 2007 die Jusos führt, folgt dann - aller Voraussicht nach - der 29 Jahre alte Sascha Vogt.
Überraschungen sind nicht zu erwarten: Der Politikwissenschaftler aus dem Sauerland, der in Düsseldorf für die Studienförderung der gewerkschaftseigenen Hans-Böckler-Stiftung arbeitet, hat ein klares linkes Profil (in seinem Fall ist es geboten, noch das Attribut gewerkschaftsnah anzufügen) und ist ein Vertreter des Establishments der Parteijugend. Schon im Frühjahr hat der bisherige Stellvertreter der Bundesvorsitzenden mit Frau Drohsel über ihre Nachfolge gesprochen.
Man wollte vor der Landtagswahl aber keine Unruhe in den Verband bringen. Sie wird für ihn werben. Dass er dem mitgliederstärksten, dezidiert linken Landesverband angehört, der gemeinsam mit den Bayern die Jusos dominiert, dürfte ihm auch nicht schaden. Vogt will die Arbeit seiner Vorgängerin fortsetzen, aber stärker konkretisieren, was heute links sei. Dass die Mutterpartei inzwischen in der Opposition ist und hier und da Korrekturen eingeleitet hat, dürfte dem Sohn eines GEW-sozialisierten Lehrerehepaares die Sache erleichtern.
Frau Drohsel plant anders als ihre Vorgänger von Gerhard Schröder bis zu Björn Böhning zunächst eine Politikpause. Im Mai hat die Juristin ihr Referendariat begonnen. Zuvor hatte sie ihre Promotion an der Humboldt-Universität abgeschlossen. Thema der verfassungsrechtlichen Dissertation: „Vereinbarkeit von betrieblichen Bündnissen mit der Koalitionsfreiheit“. Conclusio: Betriebsvereinbarungen gegen den Flächentarif sind nicht verfassungskonform. So viel Politik hat die Rechtswissenschaft zu bieten. Man dürfte weiterhin von Frau Drohsel hören.
Es gibt weitere Kandidaten
rums bums (rumsbums)
- 20.05.2010, 21:27 Uhr