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Aktualisiert: 16.06.2017, 19:43 Uhr

Früherer Bundeskanzler Helmut Kohl ist tot

Der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl ist am Freitagmorgen in seinem Haus in Ludwigshafen gestorben. Der langjährige CDU-Vorsitzende und „Kanzler der Einheit“ wurde 87 Jahre alt.

© Frank Röth Helmut Kohl (1930-2017)

Der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl ist tot. Das bestätigte die CDU auf ihrem Twitter-Account. Auch Kohls Anwalt Stephan Holthoff-Pförtner bestätigte den Tod gegenüber der Deutschen Presseagentur. Zuerst hatte die „Bild“-Zeitung über den Tod des Altkanzlers berichtet. Demnach starb Kohl am Freitagmorgen in seinem Haus in Ludwigshafen im Alter von 87 Jahren. Kohl war von 1982 bis 1998 Bundeskanzler.

Seit einem Sturz und Schädel-Hirn-Trauma 2008 war Kohl schwer krank und saß im Rollstuhl. 2015 hatte sich sein Zustand deutlich verschlechtert, nach monatelangem Klinikaufenthalt kam er aber wieder zu Kräften. Im April 2016 hatte er zuhause in Oggersheim Ungarns Ministerpräsidenten Viktor Orban empfangen.

Vom Provinzpolitiker zum Einheitskanzler Der Kanzler der Einheit © Barbara Klemm Bilderstrecke 

Ein Mann der politischen Rekorde

Als sein größter Erfolg gilt die deutsche Wiedervereinigung. Kohl erkannte nach der friedlichen Revolution in der DDR 1989, dass das Fenster für die deutsche Einheit nur kurz geöffnet sein würde. Unter Hochdruck handelte er mit den Staats- und Regierungschefs der Vereinigten Staaten, der Sowjetunion, Großbritanniens, Frankreichs sowie den Verantwortlichen der Europäischen Union die Modalitäten dafür aus.

© Reuters, afp „Kanzler der Einheit“: Helmut Kohl ist tot

Kohl war ein Mann der politischen Rekorde: Von 1973 bis 1998 war er CDU-Vorsitzender – eine 25-jährige Amtszeit dürfte in der Partei nur schwer noch einmal zu erreichen sein. Bundeskanzlerin Angela Merkel führt die Christdemokraten seit 17 Jahren. Kohl war Anfang der 90er Jahre ihr Ziehvater in Bundesregierung und Partei gewesen. Aber sie war es, die Ende der 90er Jahre als damalige CDU-Generalsekretärin die Partei wegen der Spendenaffäre, in die Kohl maßgeblich verwickelt war, zur Loslösung vom Übervater aufforderte.

Das Verhältnis der beiden blieb bis zuletzt erschüttert. Mehr als 40 Jahre war der geborene Ludwigshafener Parlamentarier, zuerst im Mainzer Landtag und von 1976 an im Bundestag. Sieben Jahre – von 1969 bis 1976 – war Kohl Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz. 1960 heiratete er die Dolmetscherin Hannelore Renner. Das Ehepaar bekam zwei Söhne – Walter und Peter. 2001 nahm sich Hannelore Kohl, die an einer schmerzhaften Lichtallergie litt, das Leben. Sieben Jahre später schloss Kohl seine zweite Ehe mit der 34 Jahre jüngeren Regierungsdirektorin Maike Richter.

Trauer um den Kanzler der Einheit Nachruf auf Helmut Kohl: Trauer um den Kanzler der Einheit © F.A.Z. Interaktiv 

Nach dem Bekanntwerden von Kohls Tod reagierten Politiker aus aller Welt bestürzt auf die Nachricht und würdigten die Lebensleistung des ehemaligen Kanzlers. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigten Kohl als „Glücksfall“ für Deutschland und lobten seine „segensreiche Bereitschaft zur Versöhnung“.

Die EU-Flaggen in Brüssel hängen auf Halbmast. Zahlreiche Fernsehsender änderten ihr Abendprogramm. Der Staatsakt zu Ehren Kohls wird voraussichtlich in seiner Heimat Rheinland-Pfalz stattfinden. Derzeit werde ein Termin mit dem Bundesinnenministerium abgestimmt, teilte die Staatskanzlei Rheinland-Pfalz der Deutschen Presse-Agentur mit. Als Ort seien Speyer oder sein Geburtsort Ludwigshafen im Gespräch.

Quelle: wahlrecht.de
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