12.09.2008 · Für viele in der FDP personifiziert Friedrich Merz eine CDU, die es so nicht mehr zu geben scheint: eine Partei, die für eine freie und soziale Marktwirtschaft kämpft. Auch deshalb wurde sein Auftritt bei den Liberalen mit Spannung erwartet.
Von Peter Carstens, Wiesbaden„Ich komme als Gast und ich gehe auch wieder als Gast“, ruft Friedrich Merz, ehemaliger CDU-Spitzenpolitiker den FDP-Abgeordneten zu. Der Begabte, in den eigenen Reihen ungehört, von der Parteichefin Merkel ins Abseits gedrängt, steht im Wiesbadener Kurhaus unter Kristallleuchtern und soll der FDP-Fraktion erläutern, was seine Welt zusammenhält.
Sein Gastgeber, Guido Westerwelle, hat den einstigen Bonner Studienkollegen eingeladen, bei der traditionellen Spätsommerklausur der FDP-Fraktion zu sprechen. Auch wenn sich nichts dahinter verbirgt, kein Parteiwechsel, keine Neugründungspläne, kokettieren beide Politiker jedoch mit der Besonderheit des Auftritts. Es habe „eine unschuldige Wanderung“ gegeben, erinnert Westerwelle an einen gemeinsamen Sauerland-Spaziergang mit Merz im Sommer, jetzt gebe es ein „gemütliches Abendessen“.
Sozialpolitiker schaffen Probleme statt sie zu lösen
Die Unverbindlichkeit der Rede, die Merz dann dem kameradschaftlich gestimmten Publikum vorträgt, ist jedenfalls nicht geeignet, mehr zu vermuten, als einen politischen Sommerflirt.
Merz personifiziert zumindest für viele FDP-Politiker eine CDU, die es so nicht mehr zu geben scheint: Eine Partei, die für eine freie und soziale Marktwirtschaft kämpft, die das Land liebt und sozialistischen Gespenstern entgegentritt, statt sie in Staatsschleim zu betten. „Ist im Sozialstaat nicht weniger mehr?“, fragt Merz und wirft den Sozialpolitikern seiner und anderer Parteien vor sie schafften „ Probleme, die vorher gar nicht da waren“ um dann im Überbietungswettbewerb mit der Linken Heilungsversprechen abzugeben.
Diese Kritik bedeutet nicht, dass Merz üble Tendenzen nicht sieht. „Die Gesellschaft spaltet sich“, sagt er, es sei eine „Unterschicht“ entstanden, gebe inzwischen „Sozialhilfekarrieren“ in der dritten Generation. Aber denen möchte Merz künftig weniger Staatsgeld zuschustern, sondern weniger und dafür den Kindern mehr: Bessere Bildungschancen lautet Merz' nicht ganz neues Stichwort.
Keine Veränderung in dreißig Jahren
Doch davon reden alle Parteien und gleichwohl trifft wohl zu, was Westerwelle später von seiner Bonner Schule erzählt: Als er dort neulich mal war, hatte er den Eindruck, in den letzten dreißig Jahren habe sich am Gebäude, an der Einrichtung nichts verändert. Dasselbe erzählt Merz von der Bonner Universität.
Solche Geistesverwandtschaften verbinden Westerwelle und Merz, aber auch die Enttäuschung darüber, dass es nicht viele gibt, die sich laut wehren, wenn die soziale Marktwirtschaft als „neoliberal“ diskreditiert wird. Das sei „Filzlatschenliberalismus“, ruft Merz und fordert „um die moralische Überlegenheit unserer Wirtschaftsordnung zu kämpfen“. Dafür gibt es Beifall bei der FDP-Fraktion.
Westerwelle, der wie kaum ein zweiter unter der Achsverschiebung der Union leidet, fordert Merz auf: „Wir wünschen uns sehr, dass Du irgendwann bald Deine Rede auch mal bei der CDU/CSU-Fraktion hälst“. Dann überreicht er Merz ein kleines Abbild des Brandenburger Tors aus Porzellan „Es soll Dich erinnern, es soll Dich mahnen und wer weiß, was noch alles kommt ...“, ruft er in den Saal und Merz lächelt vergnügt. Wenig später eilt Merz alleine aus dem hell erleuchteten Kurhaus hinaus in das Dunkel der Nacht, die sich über die kleine hessische Millionärssiedlung gelegt hat.
..ein Gespräch unter Millionären gleich neben der Spielbank
Paul Rabe (heidelpaul)
- 12.09.2008, 15:02 Uhr
Merz vs. Merkel
Ralf Kowollik (InterNETkobold)
- 12.09.2008, 15:43 Uhr
@ Paul Raabe - Weit unter dem von Ihnen gewohntem Niveau.
Hans-Werner Bender (DRHWB)
- 12.09.2008, 16:03 Uhr
schade das es nur ein Flirt ist
Wolfgang Faßbender (Orwell84)
- 12.09.2008, 16:40 Uhr
Soziale Gerechtigkeit schafft mehr Probleme, als sie vorgibt, lösen zu können.
Karl-Heinz Andresen (khaproperty)
- 12.09.2008, 17:09 Uhr