19.04.2006 · Nach dem Überfall auf einen Deutschen äthiopischer Herkunft in Potsdam geht die Polizei zahlreichen Hinweisen nach. In einem Handy-Mitschnitt ist zu hören, wie die mutmaßlichen Täter ihr Opfer als „Nigger“ beschimpfen.
Nach dem Überfall auf einen Deutschen äthiopischer Herkunft in Potsdam hat die Polizei zahlreiche Hinweise erhalten. Wie ein Sprecher der Bundesanwaltschaft am Mittwoch in Karlsruhe sagte, gibt es aber noch keine konkreten Anhaltspunkte zur Ergreifung der Täter. Die Hinweise müßten noch im Detail ausgewertet werden.
Generalbundesanwalt Kay Nehm hatte am Dienstag die Ermittlungen in dem Fall von versuchtem Mord an sich gezogen. Ein Sprecher begründete diesen Schritt damit, daß die Tat „bestimmt und geeignet“ sei, „die innere Sicherheit der Bundesrepublik zu beeinträchtigen“. Sie habe zudem eine „besondere Bedeutung“.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den Überfall am Mittwoch verurteilen lassen. Merkel sei „erschüttert“ über den Angriff, sagte ein Regierungssprecher in Berlin. Er sprach von einer „abscheulichen, brutalen und menschenverachtenden Tat“. Merkel begrüße, daß nunmehr der Generalbundesanwalt in dem Fall ermittelt.
Schönbohm: Keine „voreiligen Schlußfolgerungen“
Unterdessen warnte der brandenburgische Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) davor, „voreilige Schlußfolgerungen“ zu ziehen. „Sicher ist eins: ein Mensch ist in Potsdam angegriffen und schwerst verletzt worden. Er hat schwarze Hautfarbe“, sagte Schönbohm im RBB-Inforadio. Man könne nur vermuten, daß es einen Zusammenhang zwischen dem Aussehen des Opfers und der Tat gebe.
Die Polizei hatte dagegen schon am Ostermontag mitgeteilt, daß der Überfall in Potsdam einen ausländerfeindlichen Hintergrund gehabt habe. Diese These wird auch durch eine Aufzeichnung auf der Mobilbox der Frau des Opfers gestützt, die der Mann angerufen hatte, bevor er zusammengeschlagen wurde. In dem Mitschnitt ist unter anderem zu hören, wie die mutmaßlichen Täter ihr Opfer als „Nigger“ beschimpfen.
Höhere Strafen für Gewalttäter lehnt Schönbohm ab: „Die Gewaltbereitschaft ist nach wie vor hoch. Sie ist häufig ausländerfeindlich oder rassistisch begründet.“ Drei Viertel dieser Taten geschähen spontan und aus Gruppen heraus, 70 Prozent würden unter Alkoholeinfluß begangen. Mit einem höheren Strafmaß könne man diese Entwicklung aber nicht stoppen, sagte Schönbohm.
Opfer als „Nigger“ beschimpft
Der 37 Jahre alte gebürtige Äthiopier mit deutschem Paß war am Ostersonntag von zwei vermutlich rechtsextremen Tätern attackiert und schwer verletzt worden. Das Opfer erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma sowie Verletzungen am Brustbein und den Rippen. Nach Angaben einer Krankenhaussprecherin ist der Zustand des Familienvaters weiter lebensbedrohlich. Der Patient werde noch immer in einem künstlichen Koma gehalten, um Kreislauf und Hirndruck zu stabilisieren.
Der Mitschnitt der Stimmen der vermutlichen Täter, der durch einen telefonischen Hilferuf des Opfers entstand, ist nach Angaben der Potsdamer Polizei auch über die Telefonnummer 0331 / 283 53 777 zu hören. (Internetwache: Direkt zum Mailboxmitschnitt mit den Täter-Stimmen)
Schönbohm
Rene Meyer (matrix1329)
- 19.04.2006, 14:32 Uhr
Obgleich Täter und Hintergrund unbekannt sind ...
K. Peter Luecke (microplan2002)
- 19.04.2006, 15:28 Uhr
Ein Verbrecher ist ein Verbrecher...
Raimund Poppinga (Diplom-Amateur)
- 19.04.2006, 16:57 Uhr
Schönbohm weiß es nicht besser
Jens Hertrich (JensHertrich1980)
- 19.04.2006, 17:22 Uhr
Das kommende Wunder
Klaus Steffen (krs)
- 19.04.2006, 18:34 Uhr