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„Freiwillige Wehrpflicht“ Worte und Wirklichkeit

19.08.2007 ·  Über eine freiwillige Wehrpflicht zu spotten, ist leicht. Die Sozialdemokraten schlagen eine solche Regelung vor. Auf den ersten Blick passen Pflicht und Freiwilligkeit nicht zusammen. In der Sache aber ist die Idee folgerichtig. Ein Kommentar von Eckart Lohse.

Von Eckart Lohse
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Über eine freiwillige Wehrpflicht zu spotten, ist leicht. Die Sozialdemokraten schlagen so eine Regelung vor. Auf den ersten Blick passen Pflicht und Freiwilligkeit nicht zusammen. In der Sache aber ist die Idee, junge Männer erst dann mit staatlichem Zwang zur Bundeswehr zu holen, wenn sich nicht genügend Freiwillige melden, folgerichtig. Sie kleidet die Wirklichkeite in Worte.

In den Auslandseinsatz schickt Deutschland ohnehin nur Soldaten, die das wollen. Diesen Willen können sie entweder grundsätzlich bekunden, indem sie Berufs- oder Zeitsoldaten werden, dann entfällt die individuelle Zustimmung zum Einsatz - der Soldat muss gehen. Gehört er nicht zu einer dieser beiden Spezies, ist er Wehrpflichtiger, so kann er ohnehin nur freiwillig, durch Selbstverpflichtung, in den Auslandseinsatz gehen.

Gesunkener Bedarf an Soldaten

Will ein junger Mann gar nicht zur Armee, so hat er es angesichts des gesunkenen Bedarfs an Soldaten leicht, um die Ableistung der Wehrpflicht herumzukommen, auch ohne zu verweigern. Es gibt also längst eine freiwillige Wehrpflicht, die erst wieder zu einer unfreiwilligen wird, wenn Deutschland irgendwann sehr viel mehr Soldaten braucht oder die Jahrgänge noch viel dramatischer schrumpfen.

Damit relativiert sich auch das Argument der Wehrpflichtbefürworter, nur wenn aus der Mitte der Gesellschaft geschöpft werde, könne vermieden werden, dass überwiegend Minderqualifizierte aus Angst vor der Arbeitslosigkeit Soldaten werden. Auch jetzt, wo es informelle Freiwilligkeit gibt, ist das nicht so. Bleibt die berechtigte Frage, ob sich die Wehrpflicht faktisch abschaffen ließe, ohne dass davon der Zivildienst betroffen würde. Die Antwort heißt: vermutlich nicht. Für Krankenhäuser und Altenheime wäre das ein Schlag. Doch so schwer der Verlust auszugleichen wäre, so kann die Frage, ob ein Staat eine Freiwilligen- oder eine Pflichtarmee braucht, davon nicht abhängig gemacht werden.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 19.08.2007, Nr. 33 / Seite 8
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Jahrgang 1963, Leiter des Büros der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

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