02.10.2010 · Wo „FSK 12“ draufsteht, ist oft brutale Gewalt drin. Oder Sex. Oder obszöne Sprache. Oder etwas von allem dreien. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hat hundert Filme ab zwölf Jahren bewertet. Und kam dabei in 46 Fällen zu einem anderen Ergebnis als die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmindustrie (FSK).
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Nicht ganz unrecht - aber doch absurd
Wenn man den Artikel aufmerksam liest, geht es der FSK ja nicht darum, Empfehlungen auszusprechen, sondern einen Mindeststandard an Jugendschutz festzulegen. Welcher 12jährige schaut schon freiwillig 'Dogville'?! Da ist die größte Gefahr doch, sich zu total zu langweilen.
Erstaunlich bei den Filmbeschreibungen finde ich (a) dass unter den Autoren kein Filmkritiker der FAZ ist (M. Althen etc.), (b) dass die Autoren einer Konservatismus-Nostalgie huldigen. So wird z.B. zu "Zeiten des Aufruhrs" angemerkt, dass 'der Film in den 60ern spielt und sich deshalb "auf der Sprachebene von Beziehungsfilmen, die in der Jetztzeit spielen, positiv abhebt". Wohl war - aber möchten wir unseren älteren Kindern und Jugendlichen nur noch alte Heinz Rühmann-Kommödien, Nachkriegs-Heimatfilme und Doris-Day-Movies vorsetzen?
Und dazu passt es, wenn der Redakteur V. Zastrow im Nachgang schreibt: "Am Rande ... erzählten wir Roland Koch von unserer Expedition in die Abgründe des Jugendschutzes, von all den miesen, fiesen, grauenhaften Filmszenen, der Fäkal- und Gossensprache, die unsere Freiwilligen Selbstkontrolleure Kindern und Jugendlichen zumuten." Kann es das Ziel des tollen Mediums Kino sein, nur noch schöne Dinge zu zeigen?
genau: in anderen ländern sieht man nicht die notwendigkeit einer restriktion. dort liegt die entscheidung bei den eltern, ansonsten haben kinder die möglichkeit, zu schauen, was sie möchten - was sie auch tun, glauben sie mir. warum also sieht man hier diesen handlungsbedarf? und warum verfällt die FAS in einen reisserischen tonfall, der an die bild zeitung erinnert und vermittelt das gefühl, das kinder sofort in psychische behandlung müssen, wenn sie keinohrhasen oder spider man schauen? und natürlich geben die autoren den anschein, als handele es sich um eine recherche mit folgender expertise, immerhin machen sie konkrete aussagen und geben wertungen bzw. reisserische warnungen ab. die ganze aktion ist im wahrsten wortsinn reaktionär.
@ Michael Punzet & andere, die sich blind auf die FSK verlassen wollen
Erziehung bedeutet Verantwortung. Punkt.
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Natürlich kenne ich den Film nicht, bevor ich ins Kino gehe. Aber was man lesen kann, sollte da mE genügen, um sich ziemlich sicher zu sein. Habe ich ein depressives Kind, sollte ich vielleicht nicht ins düstere Drama gehen, mit dem aufgeweckten historisch interessierten 11-jährigen hingegen kann (und sollte!) ich sehr wohl Schindler's-Liste sehen.
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So wie nicht jedes Kind mit 6 eingeschult wird, nicht jedes mit 16 die Schule abbricht, nicht jedes gerne liest - so wenig nimmt jedes Kind jeden Film gleich wahr. Das überblicken und steuern zu können ist die Kunst der Erziehung. Und das Ergebnis spiegelt sich dann in der Person des Heranwachsenden wider. Entgegen Sarrazin ist da mE nicht die Genetik verantwortlich, aber sehr wohl die Werte, Lebensweise - und auch die Erfahrungen aus Büchern und den richtigen Filmen!
FSK taugt sowieso nichts.
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Aber das ist typisch. Die Verantwortung abschieben und irgendwelche 'Rating'-Agenturen oder -Behörden vorschieben und wenn die dann Mist bauen groß jammern.
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EIGENVERANTWORTUNG!
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Wenn ich schon meinen Kindern Filme vorsetzen würde, dann auch nur die, die ich selber kenne und von denen ich weiss, dass sie auch okay sind. Wenn ich mir noch nicht einmal die Mühe mache, mich über solche Filme zu informieren, dann kann es mit der Erziehung ja wohl auch nicht weit her sein. Dann nützt auch ein FSK-Zertifikat nichts.
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Aber es ist schon gut, dass diese Heuchelei der FSK-Zertifizierung einmal aufgedeckt wird.
Irgendwie ist es interessant, dass als Beispiel für einen falsch eingestuften Film gerade "Das Leben des David Gale" genannt wird, also ein Film, der sich dezidiert gegen die Todesstrafe ausspricht (allerdings wirklich auf eine sehr depressive Weise und mit harten Bildern). Steht dahinter, dass Kinder lieber harmlose Filme, in denen die Guten alle Bösen umbringen (aber natürlich ohne das Blut spritzt und nackte Brüste zu sehen sind), schauen sollen. Ich möchte das garnicht unterstellen, aber doch daraufhinweisen, dass es nicht nur um die Bilder geht (da sind Kinder oft einiges gewöhnt), sondern auch um die Aussage des gesamten Filmes. Und da sind inzwischen manche "harmlosen" Zeichentrickfilmserien, die schon unter 12 Jahren freigegeben sind, eher zweifelhaft. Wenn die Eltern sich nicht richtig kümmern, dann nützen auch bessere oder genauere Freigaben nichts.
Ich habe mich in der Vergangenheit auch schon des öfteren über die FSK-Einstufungen gewundert, allerdings eher bei den Einstufungen ab 16 bzw. 18.
Manchmal kann man sich schon fragen, ob bei den Einstufungen immer die selben Kriterien zu Grunde gelegt werden.
Insbesondere wenn man mit seinem Kind ins Kino gehen will, informiert man sich vorher via FSK Einstufung ob der Film überhaupt für das eigen Kind bzw. ggf. auch Kinder von Freunden und Bekannten geeignet ist. Sicherlich setzt man sich auch vorher mit dem Inhalt auseinander. Da man aber nicht vorher selbst ins Kino geht um den Film vorab "zu checken", wäre es sinnvoll, wenn man sich auf die FSK-Einstufung verlassen kann. Insbesondere in einer Altersklasse, in der das Internet noch nicht eine so große Bedeutung hat.
Interessant wäre sicherlkich auch die Untersuchung auch für die andere FSK-Klassen.
sind Filme, die hier beschlagnahmt sind, mit einem ab 16-Flatschen versehen. Die lachen sich schlapp über solche Diskussionen. Selbst in Österreich kann man sich problemlos mit solchen Filmen versorgen. In Dänemark liegen die Pornofilme in jedem Supermarkt im Zeitungsregal. Schadet das der dortigen Jugend?
Ausserdem halte ich die FAZ-Redaktion nicht für geeignet solche Beurteilungen abzugeben. Denn Filme mit historischem Kontext berichten über geschichtliche Fakten, wie z.B. Schindlers Liste und Defiance, die hier in der Liste auftauchen. Dies muss per Gesetz von der FSK berücksichtigt werden. Desweiteren können Filme, die offensichtlich fiktional sind, wie z.B. Spiderman und auch die Bond-Filme (Superwaffen, Superagenten, etc.) auch mit einer niedrigeren Freigabe bewertet werden. Filme, die hingegen eine realistische Gewalt zeigen und diese womöglich noch verherrlichen, die müssen mit einer höheren Altersfreigabe bewertet werden. Horrorfilme werden in ungekürzter Form meist gar nicht bewertet und sind somit quasi indiziert. Also liebe FAZ, ihr macht euch mehr als lächerlich, aber beim Stammtisch kommts bestimmt gut an.
Das hätte ich von der F.A.S. nicht erwartet
Liebe F.A.S. Redaktion,
was im Himmels Willen hat euch denn hier geritten. Ihr reißt hier Film-Szenen aus dem Zusammenhang um plakative Meinungsmache zugunsten von Zensur und staatlicher Gängelei zu bertreiben.
Das ausgerechnet "Die Geschichte des David Gale" als Beispiel für scheinbar abartige Brutalität angeführt wird, die man 12-Jährigen nicht zumuten sollte, ist besonders schade, insbesondere weil es hier um einen Film handelt, der sich kritisch mit der Tosdesstrafe auseinandersetzt, was im übrigen der Hintergrund für die genannte Szene ist.
Als Vater einer 11-jährigen Tochter und eines 13-jährigen Sohns kann ich nur unterstreichen, daß es wesentlich darauf ankommt, in welchem ethischem und moralischem Zusammenhang Gewalt in Filmen eingesetzt wird. Wie 12-16-Jährige Gewaltszenen empfinden hängt meiner Meinung nach wesentlich von ihrem eigenem Wertesystem ab, welches wiederrum Ergebnis einer aufgeklärten und humanistischen Erziehung sein sollte.
Vor diesem Hintergrund hätte ich in der Tat keinen Problem, die zitierte Szene aufgeklärten und vernünftigen 12-Jährigen zu zeigen. Ich würde es mir aber nicht nehmen lassen, den Film aus Ausgangspunkt für ein Gespräch zum Thema Todesstrafe zu nutzen. Was soll daran verwerflich sein?
'Bei manchem Film in der Liste mag die Einordnung stimmen. Bei anderen dagegen finde ich die Einordnung zu 12 total richtig.
Der Vorleser, der Pianist und andere Filme sind historische "Dokumentationen". Schließen wir jeden Jugendlichen aus, diese zu schauen, bringt das gar nichts - schon heute schauen solche Filme wohl nur interessierte Jugendliche - und das sind solche, die durchaus mit der ein oder anderen "härteren" Szene gut umgehen können. That's life!
Andere Filme wie Million Dollar Baby haben ebenfalls ein weit über die Gewalt hinausgehende Bedeutung. Dieser Film etwa beleuchtet: Ehrgeiz, Erfolg, Glück, Schicksal, Menschlichkeit, ... - so etwas muss nicht jedem grundsätzlich verboten werden. Das kommt einer Unterstellung, alle Jugendlichen seien bloß auf Gewalt aus, gleich.
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Forderungen zu stärkeren FSK-Beurteilungen sind vor allem eins: Das Stehlen von Eltern aus der Verantwortung. Jeder Mensch ist anders - und bis zur Volljährigkeit müssen die Eltern entscheiden, was für welches ihrer Kinder ok ist - und was nicht.
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Wer mit 12 ab-18-Filme gucken will, tut das auch heute schon.
Viele der FSK-Einstufungen sind echt ein Witz. Finde ich. Für meine Kinder. Und somit bleibt es dabei (und wird manchen durch diesen schon interessanten Artikel endlich klar), dass man selber entscheiden muss, welche Filme für die eigenen Kinder geeignet sind. Dazu muss man sich halt mit dem Film auseinander setzen und mit den Kindern evtl. nach dem Film zusammensetzen. Kostet beides Zeit. Aber das sind uns die Kinder doch wert, oder?
Es müssen schöne Zeiten gewesen sein als die Kenntnis der aristotelischen Philosophie im Abendland noch ein Abzeichen von Gelehrsamkeit und Bildung war; und die Unwissenden, statt sich mit ihrer Unkenntnis freudig zu brüsten, noch verschämt geschwiegen haben; doch dies ist lange vorbei – indes: Bei der Beurteilung des Banausentums durch Aristoteles ist Vorsicht geboten, da man heutzutage beim Aussprechen der Wahrheit vorsichtig sein sollte, zumindest wenn man ein bürgerliches Dasein und eine berufliche Anstellung zu verlieren hat; das Schicksal des mutigen Bundesbankvorstandes, der entlassen wurde, weil er von seinem Grundrecht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch machte, da die Ansichten des alten Griechen hierzu eben sehr entschieden sind: „Der Theaterbesucher ist freilich von doppelter Art, der eine frei und gebildet, der andere ordinär, ein Banause und Tagelöhner usw., und man muß auch diesen Leuten Wettkämpfe und Schaustellungen zur Erholung darbieten. Aber bei ihnen ist die natürliche Verfassung der Seele gewissermaßen verbogen, und so gibt es denn auch bei den Harmonien die Abweichungen und bei den Liedern das Angespannte und Kolorierte.“ - dagegen sind die Ergüsse mancher Nichtaußenminister recht harmlos, also Vorsicht!
Eins verstehe ich nur nicht:warum sollten Eltern deren Kindern Nachrichten erklären (weil sie unsere Lebenswelt betreffen!?)und nicht eine Geschichte erklären sollen?In einer geschichte,Gewalt + Brutalität zu erklären ist doch viel einfacher als die Wahrheit.Wer möchte denn schon die Aufgabe haben seinen Kinder über den schrecklichen (Amok)Tot eines verwandten berichten?Und diese Nachrichten kommen im Tagesfernsehen vor.Blut und Gewalt!Aber dafür gibt es keine "Zensur" oder ein dafür passendes FSK.Es wird schlicht alles gezeigt!
Sie wollen mir doch nicht klar machen,dass wenn sie auf der Strasse Gewalt sehen (Prügelei, etc) oder öffentliche Sex-Szenen,dass Sie Ihren Kinder dabei zuschauen lassen?Und es ihnen im Nachhinein erklären?Das ist doch der grösste Schwachsinn überhaupt! genau so ist es mit den Medien.
FSK ist ja nur ein "Ratgaber".Sind sie streng Katholik, dann müsste man ja auch noch dazuschreiben,dass einige Filme nicht für solche Religionen geeignet sind?! Wo soll man denn da eine KLARE LINIE ziehen?UNMÖGLICH!
Deshalb mein Rat: (wenn man Zweifel haben sollte) Vorher sich selber inofrmieren und dann deren Kinder "es" zugänglich machen(wie man es sonst so tun würde wenn man über einen gesunden Menschenverstand verfügt)
Ich finde es überraschend unsachlich, wenn sich eine Autorin der FAZ anmaßt beurteilen zu können, welches Alter angemessen ist. Es liegt in der Natur solcher Entscheidungen, dass es kein richtige oder falsche Altersbeschränkung gibt sondern nur einen Kompromiss unter Abwägung von Zensur und Jugendschutz.
Dies wird auch deutlich, wenn man sich mal anschaut, wie unterschiedlich die Altersbeschränkungen für einen Film in den verschiedenen Ländern oft sind. Bei diesem Vergleich wird man dann außerdem feststellen, dass die Altersbeschränkungen der FSK im Vergleich zu anderen Ländern oft (natürlich nicht immer!) eher restriktiv sind.
Aber obwohl es sich um den Leitartikel handelt, blieb dieser Umstand leider vollkommen unberücksichtigt.
Wie kommen Sie darauf, dass aus einem fehlenden Gesetz zum Jugendschutz folgt, dass die Jugendlichen in diesen Ländern mehr der "fraglichen" Filme konsumiert haben. Ihre Aussage kann doch nur dahin gewertet werden, dass diese Staaten nicht der Auffassung sind, für diese Probleme eine gesetzliche Regelung treffen zu müssen. Daraus folgt aber noch kein freier Konsum, aus dem Sie dann wiederum folgern, dass er nicht schadet.
Auch die Freiheit der Kunst oder die Ausübung einer Zensur steht hier doch gar nicht zur Debatte (wir reden hier über die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmindustrie) -- d.h. ein Gütesiegel.
Von der FAZ-Redaktion erwarte ich "gesunden Menschenverstand". Von der FSK-Redaktion eine höhere Expertise. Die Beispiel zeigen, dass die FAZ in vielen Fällen zu anderen Urteilen kommt (was auch mein subjektiver Eindruck ist). Deshalb ist die Rückfrage, wie kommt die FSK zu ihrer Einschätzung und wie begründet ist dies, berechtigt.
Der Artikel war ein "Selbsttest" und keine Recherche. Filmredakteure hätten mit ihrer Sichtweise das Ergebnis eher verfälscht. Aber vielleicht erfahren wir ja hier zu einem späteren Zeitpunkt mehr über die Auswahlkriterien der FAZ-Redakteure.
Mehrere Anmerkungen zu Herr der Ringe.
1. In "Die Gefährten" gibt es auch noch die Szene wo Gollum gefoltert wird. (Eine Einblende während Gandalf mit Frodo spricht. "Ich weiß nicht wie lange sie ihn gefoltert haben.." und die Szene schwenkt zu den Orks die Gollum foltern und immer wieder die Schreie "Auenland" und "Beutlin" hören.) Die Szene ist IMO härter als der Tod von Boromir.
2. Aus Erfahrung mit zwei 11 Jährigen, die ich im Kino erlebt habe, war das was die an dem Film am meisten gefürchtet haben weder die Szene mit Gollum und auch nicht Boromir's Tod. Was die richtig Erschreckt hat waren die schwarzen Reiter, als sie aus Minas Morgul galloppiert kamen.
Wir brauchen bestimmt nicht noch mehr Zensur - und auch keine Medienartikel, die zu witeren Einschränkungen irgendeiner Freiheit aufrufen. Für die FAZ ist so was peinlich und zeigt abschreckend die negative Bedeutung des Wortes "koservativ".
Es gibt einen Jugendjargon, zu dem diese Wörter gehören, aber hier würde ich immer fragen, wie werden die Wörter gebraucht und welche konkreten Vorstellungen verbinden Jugendliche mit diesen Wörtern. Mir erscheint es nicht abwegig, dass viele 12 bis 14-Jährige keine konkrete Vorstellung mit solchen Wörtern verbinden (s. Jugendstudie Sexualität des BZgA).
Eine völlig andere Frage ist es, Sexualität und Gewalt filmisch darzustellen und diese Jugendlichen ohne Einschränkung vorzusetzen. Verfolge ich den Zweck der Aufklärung, dann muss ich mir darüber Gedanken machen (Kindersoldaten, AIDS in Afrika etc.), aber Spielfilme verfolgen immer andere Zwecke -- zu unterhalten, zu schocken, Grenzen zu überschreiten (z.B. Selbstjustiz) etc. -- Und nicht zuletzt den kommerziellen Zweck, damit Geld zu verdienen.
Deshalb würde ich mir ein FSK12-Redaktion wünschen, die nach klareren Richtlinien und nicht nach schwammigen Vorstellungen über die Bedenkenlosigkeit von Inhalten entscheidet. -- Es steht ja danach noch immer jedem offen, sich eine abweichende eigene Meinung zu bilden und anders zu verfahren.
In den Nachrichten wird über Sex und Gewalt berichtet. Mit ihnen muss man umgehen, weil Sie unsere Lebenswelt betreffen, woraus Eltern die Aufgabe zuwächst, Nachrichten zu erklären.
Die Spielfilmhandlungen hingegen sind frei erfunden. Ein Siegel soll mir die Auswahl erleichtern und mir die Mühe ersparen, mir selbst alles vorher anzusehen. Ein Label, dass diese Dienstleistung nicht leistet, verfehlt seinen Zweck.
Die Frage, ob es Ihnen persönlich (retrospektiv nach zwei Jahrzehnten) geschadet hat, diesen oder jenen Film gesehen zu haben, finde ich irrelevant. Diese "Wirkungslosigkeit" ließe sich von jedem Film behaupten, weil es diesen Wirkungszusammenhang nicht gibt. Hingegen ist sehr wohl untersucht und belegt, wie sich Gewalt im Film negativ auf anschließende Spielhandlungen von Kindern auswirken.
Auch die Argumentation von Herrn Schweiger ist nicht angemessen. Weil das eine oder andere Kind weitreichendere Erfahrungen hat (aus welchen Gründen auch immer), kann doch nicht folgern, dass diese jetzt "allen" als Film unbedenklich zugänglich gemacht werden soll.
Ich wünsche mir ein streng ausgelegtes FSK12 (ohne große Spielräume), auf das ich mich verlassen kann. Und nehme mir die elterliche Freiheit davon abzuweichen.
Es würde mir erheblich leichter fallen, dem Anliegen der Autorin zuzustimmen, wenn durch diesen Artikel nicht deutlich ein Hauch von peinlicher Prüderie wehen würde - was für Kinder mit Sicherheit auch nicht förderlich ist.
Wenn man grundsätzlich die Darstellung von Gewalt und Sex für gleichermaßen schädlich hält, verkennt man m.E. einen wesentlichen Punkt: Sex ist per se mal nichts Negatives, im Gegenteil. Und keine FSK, keine Kontrolle und keine Zensur entbindet Eltern von der Aufgabe, ihren Kindern eine moralisch vernünftige Haltung zu Sex (und Gewaltdarstellung) beizubringen. Das kann aber nur im Gespräch über Filme, Bücher etc. erfolgen und über eine Auseinandersetzung mit dem, was Kinder wahrnehmen und wie sie es sehen - und sehen sollten. Nicht über Sex sprechen ist kein Jugendschutz, Sex nicht zeigen und nicht erwähnen auch nicht, das bringt Kinder keinen Schritt weiter und schützt nur Erwachsene vor ihrer Unfähigkeit, Leitlinien zu geben. Und wenn man es für jugendgefährdend hält, wenn in einem Film das Wort "lecken" genannt wird - au backe.
Ich habe mir diese Liste mal angeschaut und ich muss sagen, dass die Ansicht, diese Filme wären ab 12 nicht geeignet, m. E. nach größtenteils nicht zutrifft.
Florentine Fritzen Jahrgang 1976, Redakteurin in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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