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Freie Union Frau Paulis Gespür

 ·  Die frühere CSU- und Freie-Wähler-Politikerin Gabriele Pauli führt jetzt eine eigene Partei: Mit 180 von 185 Stimmen wurde die bayerische Landtagsabgeordnete am Sonntag zur neuen Vorsitzenden der Freien Union gewählt.

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Herr Sommer aus Locktow sucht Anschluss: „Hallo, ist hier noch jemand aus Brandenburg?“ Mit einem Pappschild läuft er durch den Saal, winkt Gästen fragend zu. „Freie Union Brandenburg“ steht auf dem Pappstreifen. Sommer will an diesem Tag Historisches vollbringen. Er möchte seiner zukünftigen Parteichefin Gabriele Pauli helfen, eine neue Partei zu gründen - und vielleicht bald Vorsitzender eines stolzen Landesverbandes werden. Einen weiteren Brandenburger habe er unter den Anwesenden schon gefunden, sagt Sommer.

Als Frau Pauli dann aufs Podium tritt, bricht Jubel aus im Saal des Münchner Hofbräukellers. Rund 400 Gäste wollen mitansehen, wie die einstige Fürther Landrätin ihre Ankündigung wahr macht. Noch am Abend der Europawahl hatte sie verkündet, eine eigene Partei zu gründen. Die Freien Wähler, für die sie als Spitzenkandidatin angetreten war, waren völlig überrumpelt. 2007 hatte sie - damals noch als CSU-Mitglied - den Sturz des bayerischen Ministerpräsidenten Stoiber ausgelöst. Sie wolle Schluss machen mit dem Machtstreben der etablierten Parteien, ruft sie nun in den Saal. „Freie Union“ solle ihre Partei heißen. Eine Satzung soll verabschiedet, ein Vorstand gewählt und Landesverbände gegründet werden.

Auch ein sechsseitiges Programm hat sie ausgearbeitet: Bundeskanzler und Ministerpräsidenten sollten etwa direkt gewählt, Landtage mit Teilzeitpolitikern besetzt werden. Eine Ehe solle nicht mehr automatisch rechtliche Verpflichtungen zur Folge haben. Jeder solle das selbst vertraglich regeln. „Ich habe das niedergeschrieben, was ich in mir gespürt habe“, ruft Pauli. Man hätte natürlich alles noch „ein bisschen mehr in die Tiefe“ ausarbeiten können, aber dafür war keine Zeit. Im September soll die „Freie Union“ bei der Bundestagswahl antreten.

In der Pause wird diskutiert. „Kann man einer Partei beitreten, deren Satzung noch gar nicht verabschiedet ist?“, fragt einer. Die Helfer überlegen, während Frau Pauli, etwas abseits, in ein Mikrofon spricht. Im Vorraum zieht ein Mann wütend an seiner Zigarette: „Dilettantismus hoch hundert.“ Auch Herr Sommer aus Brandenburg macht sich seinen Reim darauf: „Irgendwie ist das alles noch eine große Illusion, aber man muss halt mal damit anfangen.“

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