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Frankfurter Oberbürgermeister Ein weißes Blatt

 ·  Der Name Peter Feldmann stand zunächst nicht zur Debatte, als sich die SPD einst auf die Suche nach einem Kandidaten für die Frankfurter Oberbürgermeisterwahl machte. So ist sein Sieg auch für die eigene Partei eine Überraschung.

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Vor einigen Monaten konnten nur Eingeweihte mit dem Namen „Peter Feldmann“ etwas anfangen. Jetzt ist dieser Unbekannte in einer Stichwahl gegen den hessischen CDU-Innenminister Boris Rhein zum Oberbürgermeister von Frankfurt am Main gewählt worden - mit einer deutlichen Mehrheit von knapp 58 Prozent. An einen solchen Sieg hatte selbst Feldmann im Traum nicht geglaubt. Am Abend seines Triumphs sprach er im Frankfurter Rathaus Römer denn auch von einer „absoluten Überraschung“.

Eine Überraschung war schon die Nominierung des 1958 in einer Hochhaussiedlung im Frankfurter Stadtteil Bonames geboren Politologen und Sozialbetriebswirts, der ein Ausbildungs- und Jugendzentrum geleitet hat und zuletzt Chef eines Altenhilfezentrums war, zum SPD-Kandidaten. Der Name „Feldmann“ stand nicht zur Debatte, als sich der Frankfurter Parteivorsitzende Gernot Grumbach und Thorsten Schäfer-Gümbel, der Landesvorsitzende der Hessen-SPD, auf die Suche nach einem geeigneten Bewerber machten. Es sollte ein prominenter Kandidat von außen sein, denn in Frankfurt selbst schien es keinen Genossen von Sieger-Format zu geben.

Unbekannt und unterschätzt

Die Fahndung verlief im Sande. Im Dutzend sagten mögliche Kandidaten ab, weil sie keine realistische Chance auf einen Gewinn der Direktwahl sahen. So blieb den Frankfurter Sozialdemokraten nur die Wahl zwischen zwei einheimischen Bewerbern: Michael Paris und eben Peter Feldmann. In einer parteiinternen Urwahl schlug Feldmann zu vieler Überraschung den in Frankfurt stadtweit bekannten Paris. Wie der CDU-Bewerber Rhein hatte Paris den Fehler gemacht, Feldmann zu unterschätzen.

Dieser hat in dem darauffolgenden Wahlkampf nicht nur Standhaftigkeit und Disziplin bewiesen, er hat sich auch in Auftritten und Reden deutlich gesteigert. Dem auf dem linken Flügel seiner Partei angesiedelten Sozialdemokraten gelang es zudem, die in der Vergangenheit oft zerstrittene Frankfurter SPD hinter sich zu versammeln und ihr Siegeszuversicht zu geben.

Fünf Ziele, viele Wünsche

Selbst die Genossen vom rechten Flügel ackerten für den stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden im Römer, der den Begriff „soziale Gerechtigkeit“ in den Mittelpunkt seiner Kampagne stellte und unentwegt fünf Ziele propagierte: Kinderarmut stoppen, bezahlbaren Wohnraum schaffen, ältere Bürger integrieren, Frankfurts internationale Stärken nutzen und ein um zwei Stunden erweitertes Nachtflugverbot durchsetzen.

Diese Themen zwang er im Verlauf seines Wahlkampf auch seinem Konkurrenten Rhein auf. Zu Polemik und Ausfällen ließ sich Feldmann zu keinem Zeitpunkt hinreißen.Gewonnen hat er nicht zuletzt, weil er die Wähler der ausgeschiedenen Kandidaten mehrheitlich für sich gewann.

Anhänger der Piratenpartei, der Linkspartei und auch Fluglärmgegner in den südlichen Frankfurter Stadtteilen votierten größtenteils für den SPD-Mann. Selbst unter den Grünen, die in Frankfurt mit der CDU in einer Regierungskoalition verbunden sind, fand er viele Befürworter. Feldmann war für viele Wähler ein weißes Blatt, auf das jeder seine Wünsche schreiben konnte.

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Jahrgang 1954, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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