28.12.2011 · Banker genießen inzwischen einen zweifelhaften Ruf - manche nicht zu Unrecht. Der typische Aktienhändler sei männlich, jung und maßlos, heißt es. Einen haben wir durch Frankfurt begleitet.
Von Maximilian Weingartner, FrankfurtRichtlinien für Lesermeinungen
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Welchen Mehrwert produzieren Banken ? Brauchen wir so viele ?
Viele meiner Nachbarn sind Banker und manchmal trifft man sich zu dem
einen oder anderen Glässchen Wein. Natürlich wird dann in
letzter Zeit immer die Bankenkrise, früher oder später, zum
Thema und nach der zweiten Flasche kommt dann auch regelmäßig
der Selbstzweifel zu Tage: Welchen Mehrwert produzieren eigentlich
Banker ? Die Herren (Damen sind leider nicht darunter) haben ja fast
alle auchmal BWL/VWL studiert und kennen die einschlägigen Theorien.
Sie wissen selber besser als all the "Linken", daß die
Realwirtschaft auch mit nur der Hälfte oder auch nur einem Viertel
der Banken kaum schlechter funktionieren würde.
Um Währungen zu tauschen, Exporte abzusichern oder das ene oder
andere Joint Venture zu finanzieren benötigt man keine Heerscharen
an von smarten Investmentbankern, es würde auch mit viel, viel
weniger funktionieren.
Das ist der große und für Banker so frustrierende Unterschied
zur Realwirtschaft.
"Seht her ! An ihrem Tun sollt ihr die Bengel erkennen !"
So heißt es im Buch der Bücher .
Am Interessantesten ist doch der Schluß des Artikels:
.
Per Order "von Ganz Oben" werden den Bengeln Verhaltensregeln
der Demut auferlegt - aber nicht ,weil diese ihr schon ans Proletenhafte
grenzende Verhalten gedanklich überprüft hätten,
.
sondern weil die Bankenführer den seit 3 Jahren arg lädierten
Ruf der "Bank-st-er" (dieser bezeichnende "Name"
schließlich fand sich ja auch erst 2008/2009 ein) nicht noch
weiter und auf ein Neues bestätigt haben möchten.
Es gibt eine Unmenge von BWL und VWL Absolventen, die wohl für ein
Drittel Viertel des Einstiegsgehalts in der Branche anfangen
würden. Und sie würden die Branche auch nicht wechseln, wenn
die Gehaltsteigerungen moderat wären.
Dass jemand mit knapp 30 Jahren über 300T EUR im Jahr verdient,
ohne selber Geschäftsführer oder ähnliches zu sein - ja
das erzeugt auch Neid und ist schwer nachvollziehbar.
Wieso arbeiten bei großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften
Absolventen mit Prädikatsexamen für ein Einstiegsgehalt von
ca. 45T EUR durchaus auch 60 Stunden die Woche (und ein WP oder StB
Examen ist zudem genug Stress) und warum zahlen Banken entsprechend
soviel mehr? Wenn sie günstigere, geeignete Arbeitskräfte
anheuern könnten, es aber großflächig und systematisch
nicht tun, dann wäre das in der Realwirtschaft schlechtes
Management und Verschwendung von Unternehmenseigentum und die HR
Abteilung wäre gefeuert.
Ich verstehe nicht, wie ein Arbeitsmarkt bei der Lohnfinding so versagen kann
Lohnfindung
Vieles lässt sich erklären, wenn man die Lohnfindung weniger als einen Marktprozess und mehr als eine Gruppenprozess versteht. Es steht zu vermuten, dass die Gehaltsverhandlungen hier im wesentlichen innerhalb einer extrem mächtigen, privilegierten Gruppe stattfindet nachdem die Auswahl schon getroffen wurde. Leute, die den Job von der Intelligenz her machen könnten, gibt es mehr als genug. Was noch hinzukommen muss ist die Kompatibilität zu den Werten der Gruppe. Hier ist dann eine ausgeprägte Liebe zu Geld und materiellem Besitz gepaart mit Skrupellosigkeit gefragt - und dann Bedarf es halt noch den Insignien der Geldmacht in Form von geglättetem Auftreten und den üblichen Assesoirs.
Reisebereitschaft und sozialer Gedanke
Wirtschaftsprüfer gelten eigentlich als recht gut bezahlt. Nehmen
wir nicht Wirtschaftsprüfer, denen im Übrigen durchaus eine
Reisebereitschaft von >50% abverlangt wird, sondern
Unternehmensberater, Interne Revisionsabteilungen,
Investitionsgütervertrieb, Controlling, etc. Ich würde einmal
sagen, dass dies alles keine Idealisten sind, die im sozialen Bereich
tätig sind, sondern denen vorrangig das Einkommen wesentlich ist.
Das ist auch in einer Marktwirtschaft völlig in Ordnung.
Die internationale Reisezeit von Unternehmensberater oder Internen
Revisionsabteilungen liegen bspw. teils bei nahezu 100%. Und in
Regionen, die nicht gerade als Hot Spots gelten (im Gegensatz zu
Investmentbanker). Und trotzdem ist in all diesen Bereichen das Gehalt
deutlich geringer.
Ich bin zudem mehr und mehr davon überzeugt, dass ein Versagen des
Managements und der Personalabteilungen vorliegt und auch qualifiziertes
Personal zu 40% des aktuellen Gehaltniveaus gefunden werden kann.
einige gute Punkte
Einige gute Punkte. Man kann für viel Geld hart arbeiten, aber auch
für wenig. Warum Wirtschaftsprüfer für so wenig Geld
arbeiten ist mir auch nicht klar. Vermutlich fasziniert sie die
Komplexität ihres Fachgebietes. Es ist nicht schwer
"Investmentbanker" zu werden, bloss es durchzustehen ist hart.
Im Prinzip steht das Berufsfeld vielen offen. Aber brauch man diesen
Lebensstil? Will man so leben? Da ist es doch einfacher das Geld zu
neiden und das Leben der Anderen zu verachten.
Tja, warum bekommt man nicht ausreichend "Investmentbanker" zu
preiswerteren Gehältern? Vermutlich wie es ein internationales
Geschäft mit international, hohen Gehältern ist. Dann noch
diese Mobilität der Angestellten, die doch tatsächlich gewillt
sind nach Asien zu wechseln. Vielleicht wollen das die
Wirtschaftsprüfer nicht, vielleicht lieben sie das
bodenständige, ihr Häuschen im Grünen...
Ist "Tugend" in diesen Kreisen überhaupt vorhanden?
Es geht einem das Messer in der Tasche auf, wenn dieses (im wörtlichen Sinne) verantwortungslose Verkaufspersonal Wertpapiere im Millionenwert anpreist und verkauft wie Klopapier. - Von dem Abwägen und der Sorgfalt, die der Firmenkundenbetreuer beim Kredit über 100.000 Euro an einen Mittelständler walten lässt, ist da keine Rede mehr - ich habe es persönlich erlebt. - Aber bitte nicht vergessen: (Auch) rot-grüne Politiker haben die ordnungspolitischen Weichen dafür gestellt, und die wortgewaltigen Bank-Vorstände haben nicht nur die Systeme ("neue Finanzprodukte") erfunden, sie haben auch das Verkaufspersonal eingestellt und "ausgebildet" und sie haben dem Ganzen mit maßlosen Bonusregelungen noch einen "Brandbeschleuniger" mitgegeben.
Mein Dad wollte auch mal schnell reich werden. Sein Bericht:
Als in den 1970ern die Vermögenswirksamen Leistungen auch für
Versicherungen geöffnet wurden (SPD/FDP!), schickten diese ihre
Drücker los. Zeitungsannonce, Informationsabend für jedermann.
Da saßen dann schnell mal hundert Leutchen in einem trüben
Tagungszimmer und hörten sich Fragen wie diese an, ob sie in sechs
Monaten auch einen Porsche fahren wollten. Die übliche Pyramide:
jeder habe doch Familienangehörige, Verwandte, Bekannte, Nachbarn,
Sportsfreunde und die hätten auch wieder... so konnte mein Dad mich
schon relativ früh aufklären ;-)
Wer aus einfachem Hause kommt, bestellt keinen 2.000 EUR-Champagner
nur so viel zu diesem Beitrag.
Und leider wurde auch nicht gesagt, dass einige Banken lieber Kredite
zurückfuhren, statt Kapitalhilfen des Staates anzunehmen, wie z.B.
die DEUTSCHE BANK. Ackermann hat klar gesagt, dass er lieber die Bilanz
herunterfährt, als Staatsgelder anzunehmen. Schliesslich wollte er
nicht auf sein dickes Gehalt verzichten.
Und auch die normalen Bankangestellten verdienen, nein besser kriegen
noch mehr, als in anderen vergleichbaren Berufen gezahlt wird.
Lieber Paul Banaschak, leider
neigt gerade der Erfolgsmensch (hierzu gehört auch ein erfolgreicher Banker) aus einfachem Hause beim Feiern zu Exzessen! Musste ich leider immer wieder feststellen!
"Pinocchio" Ackermann hat sehr wohl Geld genommen, zwar
nicht von der Bundesregierung sondern von der Federal Reserve.
Die Nachrichtenagentur Bloomberg musste klagen, damit die FED die
Unterlagen zu den geheimen Stützungsmaßnahmen
veröffentlicht. 13 Billionen flossen über den geheimen Fond an
die Banken (davon 250 Mrd. an die Deutschte Bank), eine gewaltige Summ
im Vergleich zu den offiziellen Rettungspaketen (TARP = 700 Mrd.).
Bedauerlicherweise fanden unsere Medien dies nicht berichtenswert.
ist der Kern? In London wurde ein Bonus von 13 Tsd. € für eine Mio. € verliehenes Geld gezahlt. Fachkenntnisse war gut brauchbar aber unnötig. Auch die Chefs bekamen ihren Teil ab. Letztlich ging es nur noch darum, wer wann wieviele Mio. € unters Volk gebracht hatte. Egal, ob die Kohle mit Zinsen zurückkam. Boni sind keine Erfolgsvergütung. Man braucht als "Banker(t)" Freunde und Freundesfreunde mit hohem Geld-Bedarf, und das Geschäft lief. Bis einestags im Jahr 2007-2008 das große Rad zum Stehen kam, weil es das musste. In Ab- wandlung eines Werbespruchs: Gier macht geil gilt zugleich Gier macht alle kaputt!
So lange solche 30 jährigen Schnösel ohne wirkliche
Verantwortung und
Leistung mehr verdienen als manch ein Geschäftsführer eines mittelständigen
Betriebs, kann man sich nur wünschen, daß die Luft für
diese Typen dünner
wird, durch wirtschaftlichen wie gesellschaftlichen Druck. Für die Realwirtschaft
wird das sicherlich förderlich sein.
Abschöpfung statt Gewinn
wäre das richtige Wort! Die Bank(st)er erwirtschaften keine
gesamtwirtschaftlichen Gewinne, wie bei einem Nullsummenspiel lenken Sie
nur Gewinne der Realwirtschaft in ihre Taschen um!
Und wenn das Zocken schiefgeht, zahlen die sowieso Geschröpften!
Wenn die "Täter" auch haften würden, wären die
revenues nahe Null oder sogar negativ und angemessen!
Alter ist irrelevant..
... in diesem Geschäft.
Erfahrung ist gut. Im Prinzip hat Alter in der Branche aber nicht die
Aussagekraft wie in anderen Industrien.
Die Gehalts-Diskrepanz zur mittelständischen Industrie ist in der
Tat sehr hoch. Die Gewinne der Finanzbranche waren es aber auch. In
sofern waren die Gehälter zu den Revenues "angemessen"....
Erdung nötig! Ja unbedingt
durch entsprechende Gesetzgebung: Trennung von Geschäfts- und Investment- Banking
Diese Menschen haben oft die falschen Werte. Ich habe nach meiner Banker-Ausbildung in Frankfurt Medizin studiert, weil mich der Blick hinter die Kulissen erschreckt hat. Ich habe keinen Porsche, aber einen Beruf, der mir Zufriedenheit gibt. Sich selbst in die Augen sehen zu können mit der Gewissheit, etwas sinnvolles getan zu haben, ist unbezahlbar.
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 29.12.2011 17:50 UhrTobias Freund;
es ist schön, dass Sie Ihren Lebenstraum verwirklichen können!
Ich war ein konservativer Bankkaufmann (vom Auszubildenden bis zum
Direktor) und konnte bis zu meinem 44. Lebensjahr meinen Traum leben;
als ich merkte, dass mir die Freude abhanden kam, suchte und fand ich
meinen 2. Lebenstraum in der Selbstständigkeit!
Ich bin mir sicher, dass auch heute junge, gut ausgebildete Menschen
sich im Beruf des Bankkaufmanns verwirklichen können.
Bankier, Banker, Händler, Bankkaufmann
Intern wurde in Bankkreisen immer unterschieden nach Bankkaufleuten und
Händlern. Der Bankkaufmann repräsentierte den konservativen,
zuverlässigen Dienstleister für den Kunden, der sich unbedingt
von den Händlern abgrenzte. Man kannte sich, grüsste sich,
hatte aber bis auf die Buchhaltung der Bank keine Gemeinsamkeiten!
Diese Grenzen wurden verwischt als Gewinne der Händler mit denen
der Bankkaufleute verglichen wurden.
So wurde Druck auf die anständigen Bankkaufleute aufgebaut, Gewinn
zu maximieren und dieses ging nur durch Hinzuziehen fraglicher Vorgehensweisen.
Mir wurde 1977, als ich mich weigern wollte, für meinen Arbeitgeber
zu lügen, die rethorische Frage gestellt: "Sie haben doch
Familie, haben ein Haus finanziert und sind Alleinverdiener?"
1977 habe ich nach 6 Wochen einen neuen Arbeitgeber mit Dienstantritt
nach 3 Monaten.
Fazit: Wie meistens im Leben stinkt es vom Kopf her; der AR und Vorstand
distanzieren sich vom Händler, lieben und fördern sein Gewinn/
Lebensstil!
Hilfsprojekt "Patenschaften für Banker" bittet um Ihre großzügige Unterstützung!
Der Beruf des Bankers ist traditionell schlecht bezahlt und leidet nun
auch noch unter einem schlechten Image. Dabei tun Banker so viel
für die Wirtschaft und das Gemeinwohl!
Etliche Banker sind mittlerweile auf 400 EUR-Nebenjobs angewiesen -
sonst reicht es nicht für die Villa im Taunus. Selbst ihren
Viertwagen mussten einige dieser Bedauernswerten schon über eBay versteigern.
Hinzu kommt das riesige Integrationsproblem: Nicht einmal Ihre Steuern
werden vom deutschen Staat noch akzeptiert, weshalb sie sich in schierer
Verzweiflung an fremde Völker auf den Kaimaninseln oder den
Bermudas wenden müssen.
Um diesen armen Menschen zu helfen wurde nun die Aktion "Pat a
Banker" gestartet:
Schon 800 EUR reichen für Manschettenknöpfe mit Signatur. Eine
Spende von 2000 EUR ermöglicht einem Banker ein warmes Essen mit
zwei Begleiterinnen. Und ab 5000 EUR gibt es eine Leichtmetallfelge
für den Aston Martin!
Denken Sie an Mitmenschen, denen es nicht so gut wie Ihnen geht!
Druck von oben, Drang von innen. Jugend kennt keine Tugend ;-). Chill out. Volkswirtschaftlich ohne Nutzen, dafür mit Schaden; für die Buntheit der Welt ganz nett.
Es gibt erhebliche Überkapazitäten in der Finanzindustrie!
Die inflationären Homestorys über die "Cityboys"
langweilen, zumal viele Finanzbastarde nur
kosten. International seit Jahrzehnten aufgebaute Weltmarken wie
"Porsche", "Rolex" leiden nicht nur unter diesen
Menschen, sondern diese (Menschen) wissen überhaupt nichts vom Produkt.
Im übrigen sind gesch. 60 - 80 % normale Bankangestellte. Jedes
Kredinstitut wird demnächst selbst entscheiden müssen, wo von
der Ertrags-/ Kostenstruktur die Reise
hingeht. Basel III. kommt!
Doch doch, die Homestorys haben einen Wahrheitsgehalt
Nehmen wir eine x-beliebige Landsparkasse und lassen die Dinge ihren Lauf nehmen. Die Assessment Center für die künftigen Azubis sind so ausgelegt, daß die mit der besten Performance gewinnen. In der Ausbildung dann die Konfrontation mit den Verkäufer-Rennlisten. Nein, nicht die mit den Kreditverkäufen. Sondern die mit den Kickbacks. Wer sich darin etablieren konnte, hatte gute Chancen, übernommen zu werden. Dann der Schreck: das Scoring bei der eigenen Bank reichte nicht für 'nen Autokredit, geschweige denn für den Auszug aus dem Hotel Mama. Die Schnellsten waren aber schon vernetzt - Lehrgänge, Seminare, Fortbildung. Ok, was war daran schlecht? Für die Cityboys in spe nichts, für die sprichwörtliche Oma vom Land konnte es dagegen schon mal trübe enden. Egal. Freiheit für die Cityboys. Bis die Allerschnellsten ihre Bank so ruiniert hatten, daß Oma einspringen mußte. Und der BGH mal wieder (Kickback-Offenlegung). Preisfrage: was war zuerst, die Henne oder das Ei?