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Frankfurt Hessen verbietet zwei Clubs der „Hells Angels“

Zwei Frankfurter Clubs der „Hells Angels“ sind verboten worden. Viele Mitglieder sind wegen Gewalt-, Drogen- oder Waffendelikten polizeibekannt. Innenminister Rhein bezeichnete dies als „Signal“, „dass ein Staat im Staate nicht toleriert wird“.

© dapd Vergrößern Der „Hells Angels”-Club „Westend” in Frankfurt. Das Clubemblem am Gebäude ist abgeschraubt.

Hessens Innenminister Boris Rhein (CDU) hat das von ihm verhängte Verbot von zwei Frankfurter Clubs der Rockergruppierung „Hells Angels“ als „Signal“ bezeichnet, „dass ein Staat im Staate nicht toleriert wird“. Zuvor hatte die Polizei in der Nacht zum Freitag in Frankfurt ein Clubhaus der Hells Angels durchsucht, Beweismaterial sichergestellt und das Clubemblem am Gebäude abgeschraubt. Nach Angaben Rheins verstoßen die beiden Hells Angels Charter „Westend“ und „Frankfurt“ gegen Strafgesetze: „Sie bestehen keineswegs nur aus harmlosen Motorradfahrern, viele Mitglieder sind wegen Gewalt-, Drogen- oder Waffendelikten polizeibekannt“, sagte Rhein. Das Verbot der Vereinsausübung sei in einem „sehr komplexen“ Verfahren „akribisch“ über zwei Jahre vorbereitet worden.

Betroffen davon sind etwa 90 Mitglieder der Hells Angels, die nach den Erkenntnissen der Polizei weite Teile des Frankfurter Rotlichtviertels rund um den Hauptbahnhof mit etlichen Bordellen kontrollieren. Das Verbot erfolgte gut zwei Wochen nach der Veröffentlichung eines von der Polizei mitgeschnittenen und mehreren Medien zugespielten Telefongesprächs zwischen Hells-Angels-Mitgliedern in der Zeitschrift „Der Spiegel“. Darin erwähnte ein Club-Mitglied lobend die Hilfe Rheins bei dessen Besuch im Bahnhofsviertel im März 2010.

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Rhein hatte sich damals noch als Innenstaatssekretär in Begleitung von Journalisten über die Probleme der von rumänischen Banden kontrollierten Straßenprostitution informiert und war dabei auch von einem Bordellbesitzer angesprochen worden, der offenbar den Hells Angels angehörte. Rhein hatte Vermutungen, er pflege Kontakt zu Hells-Angels-Mitgliedern, als „ehrabschneidend“ zurückgewiesen. Der Minister sagte, es gebe keinen zeitlichen Zusammenhang zwischen dem „Spiegel“-Bericht und dem Vereinsverbot. Das Verbot sei „von langer Hand“ vorbereitet.

Hessens Innenminister verbietet Hells Angels © dpa Vergrößern Signalgeber: Boris Rhein in Wiesbaden

Die „finanzielle Basis entzogen“

Nach Angaben Rheins besitzen nur etwa 18 Prozent der Hells-Angels-Mitglieder einen Motorradführerschein und wenige ein Motorrad: „Das ist lupenrein organisiertes Verbrechen.“ Zu den zahlreichen Delikten, die Mitglieder der Frankfurter Hells Angels in den vergangenen Jahren begangen hätten, gehören nach den Worten des Innenministers ein Fall von Totschlag sowie mehrere Fälle von schwerem Raub, schwerer Vergewaltigung und schwerer Körperverletzung. Bei den Razzien in Frankfurt, Limburg und im Rhein-Main-Gebiet wurden nach Informationen dieser Zeitung unter anderen mindestens acht mutmaßlich gestohlene Motorräder, „Softairwaffen“, Messer, Schlagstöcke und „historische Langwaffen“ beschlagnahmt.

Beiden Chartern - eine Art regionaler Club - ist nach der zugestellten Verbotsverfügung jede Tätigkeit untersagt, die Mitglieder dürfen die Kennzeichen der Vereine - etwa „Kutten“ mit dem Totenkopf-Aufnäher und Hells-Angels-Schriftzug - nicht mehr in der Öffentlichkeit verwenden oder verbreiten. Zudem wurden die Internetseiten der Charter gesperrt und das Vereinsvermögen eingefroren. Beide Charter bildeten eine „geschlossene Gesellschaft, in der das Gesetz der omertà“ herrsche, sagte Rhein. Gesellschaftliche Normen würden nicht akzeptiert: „Das manifestiert sich in einem Machtanspruch über andere, der mit der rücksichtslosen Anwendung von Gewalt durchgesetzt wird.“ Beide verbotenen Vereine hätten den Zweck, „in einem bestimmten Gebiet kriminelle Macht zu entfalten“. Die Rocker-Clubs böten ihren Mitgliedern zudem „umfassenden Schutz und Hilfestellung“ bei der Begehung schwerer Straftaten, indem man versierte Anwälte mit der Verteidigung beauftrage und deren Honorare bezahle. Mit dem Verbot sei den kriminellen Rockergruppen jetzt die „finanzielle Basis entzogen“ und ihre Organisation deutlich geschwächt.

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