Wenn sich an diesem Nachmittag die Pforten der Frankfurter Paulskirche hinter den Festgästen schließen, steht Oberbürgermeisterin Petra Roth zum letzten Mal in ihrer politischen Karriere im Fokus des nationalen Interesses. Nach 17 Jahren an der Spitze der Frankfurter Stadtregierung wird die 68 Jahre alte Kommunalpolitikerin der CDU von annähernd 900 Gästen in einem Festakt offiziell verabschiedet. Kanzlerin und Parteifreundin Angela Merkel wird die Abschiedsrede halten. Beide Frauen schätzen einander: Zu Frau Merkel hatte die Oberbürgermeisterin immer ein gutes Verhältnis; Frau Roth war als langjährige Präsidentin des Deutschen Städtetags oft eine wichtige Ansprechpartnerin in kommunalpolitischen Fragen.
Trotz der Verdienste der scheidenden Oberbürgermeisterin um die Stadt Frankfurt könnte es heute eine Abschiedsfeier mit Missklängen werden. Denn die als Bürgerinitiative organisierten Fluglärmgegner, die sich seit Monaten jeden Montagabend im Frankfurter Flughafen einfinden, um gegen die im Oktober 2011 in Betrieb genommene neue Landebahn und den ihrer Ansicht nach unerträglichen Fluglärm zu protestieren, wollen ihren Unmut vor und während des Festakts deutlich hörbar kundtun. Frau Roth ist Adressatin des Protests, weil sie sich von Anfang an zum Ausbau des Flughafens bekannt hatte.
Überraschungssieg vor 17 Jahren
Die Sicherheitsvorkehrungen rund um den Paulsplatz werden in jedem Fall streng sein. Denn auch Anhänger des sogenannten schwarzen Blocks aus der linksextremen Szene haben sich angekündigt. Dessen Mitglieder sollten „in dunkler und angemessener Kleidung“ auftreten, um die Oberbürgermeisterin „gebührend“ zu verabschieden, heißt es in einem Aufruf im Internet. Auch das kapitalismuskritische Blockupy-Bündnis will der scheidenden „Polizei-Oberbürgermeisterin“ einen „angemessenen Abschied“ bescheren. Die Einsatzkräfte haben sich deshalb nach eigenen Angaben gut auf den Tag vorbereitet.
Petra Roth war 1995 überraschend ins Amt gekommen: Damals gewann sie sensationell die erste Direktwahl um das Amt des Oberbürgermeisters in Frankfurt – gegen den damaligen Amtsinhaber Andreas von Schoeler (SPD). 2001 und 2007 wiederholte sie diesen Triumph gegen andere Gegner. Als größte Stärken werden oft ihre Spontaneität und die Fähigkeit genannt, auf Menschen zuzugehen und sich um sie zu kümmern. Frau Roth gilt als hervorragende Repräsentantin einer Stadt, die gegen ihr schlechtes Image in den vergangenen zwei Jahrzehnte erfolgreich gekämpft hat.
Erfolgreich gegen Frankfurts schlechtes Image
Was die CDU-Politikerin nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt Ende Juni machen wird, steht zumindest für die Öffentlichkeit noch nicht fest. Bekannt ist bislang nur, dass sie Mitglied im Aufsichtsrat des Axa-Versicherungskonzerns mit Sitz in Köln wird. Außerdem wird sie Vorstandsvorsitzende der „Stiftung Schloss Ettersburg“ und damit Nachfolgerin des früheren Bundesumweltministers Klaus Töpfer (CDU). Die Stiftung, die 2008 vom Bauindustrieverband Hessen-Thüringen gegründet wurde, hat sich zum Ziel gesetzt, den demographischen Wandel zu gestalten und sich mit den Folgen des Klimawandels für die Infrastruktur zu befassen. Beide Posten bieten allerdings keine Vollzeitbeschäftigung.
Gescheitert ist Frau Roth mit dem Versuch, die Macht in die Hände eines jüngeren CDU-Politikers zu übergeben. Der hessische Innenminister Boris Rhein, von ihr im kleinen Kreis als Nachfolger an der Stadtspitze auserkoren, verlor die Oberbürgermeisterwahl Ende März gegen den weithin unbekannten SPD-Stadtverordneten Peter Feldmann. Die Stadt steht nun auch deshalb politisch vor einer Zäsur.
@Herr Grell - Natürlich hatte Frau Roth den Flughafenausbau mit zu
verantworten, wenn auch ...
Rüdiger Noll (krn)
- 11.06.2012, 16:07 Uhr
Interessant...
Mark Schumann (Schumark)
- 11.06.2012, 15:08 Uhr
Die Merkel vom Main
Helmut Smith (fmsus)
- 11.06.2012, 14:41 Uhr
Es geht den Protestlern also um Randale, nicht um die Sache, ....
Gerhard Grell (EchtGrell)
- 11.06.2012, 14:00 Uhr