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Anti-Islam-Bewegung Pegida : Forscher zweifeln an Teilnehmerzahlen der Demos

  • Aktualisiert am

Kundgebung in Dresden - „Wir können nichts über den typischen Pegida-Demonstranten sagen“ Bild: Reuters

Noch ein Forscherteam hat versucht, den typischen Pegida-Demonstranten zu finden - ohne Erfolg. Die meisten Protestler ließen die Wissenschaftler abblitzen. Immerhin zählen konnten sie die Teilnehmer. Und waren überrascht.

          Sozialwissenschaftler um den Soziologen und Protestforscher Dieter Rucht bezweifeln die Angaben der Polizei zu den Teilnehmern der Pegida-Demonstrationen in Dresden und Leipzig. Sie stellten am Montag im Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung vorläufige Ergebnisse ihrer Studie zu Pegida vor. Rucht äußerte sich verwundert über die von der Polizei veröffentlichten Teilnehmerzahlen. Nach Zählungen und Schätzungen seiner Mitarbeiter seien es in Dresden zuletzt 18.000 und nicht 25.000 Teilnehmer gewesen. In Leipzig gingen demnach 2000 statt 4000 Menschen auf die Straße – das ist nur die Hälfte der von der Polizei genannten Zahl.

          Zählen konnten die Wissenschaftler selbst, bei der Befragung der Demonstranten hingegen waren sie auf deren Unterstützung angewiesen. Die war gering: Die meisten Pegida-Protstler ließen die Forscher auflaufen. Die warnten deshalb am Montag gleich mehrmals davor, Aussagen aus ihren Befunden zu verallgemeinern, denn diese seien keineswegs repräsentativ. „Wir können nichts über den typischen Pegida-Demonstranten sagen“, sagte Rucht.

          Für die Studie hatten sich 28 Mitarbeiter der Forscher am 12. Januar zu je zweien in die Demonstration gemischt und Menschen gebeten, an einer anonymisierten und mit einem personalisierten Code geschützten Online-Befragung teilzunehmen. Von insgesamt 3500 Handzetteln, mit denen Demonstranten dazu eingeladen wurden, konnten die Mitarbeiter nur 670 verteilen. Die übrigen Angesprochenen lehnten es ab, die Zettel anzunehmen. Die eigentliche Rücklaufquote lag somit bei nur 18 Prozent. Sie sei so niedrig gewesen wie nie zuvor, sagte Rucht. Lediglich 123 Personen beantworteten später online die Fragen zu persönlichen Lebensverhältnissen und politischen Einstellungen oder die „Sonntagsfrage“: Wen würden Sie wählen, wenn am nächsten Sonntag der Bundestag gewählt würde? Mit der gleichen Methode hatten die Forscher schon Teilnehmer vieler Demonstrationen befragt – etwa gegen den Irakkrieg, Hartz IV oder Stuttgart 21.

          „Irgendwann hat es sich ausspaziert“

          Die wenigen, die sich auf die Befragung einließen, stuften sich selbst in der politischen Mitte (49 Prozent) oder „rechts“ (33 Prozent) ein. Ein Drittel gab an, bei der vergangenen Bundestagswahl die „Alternative für Deutschland“ (AfD) gewählt zu haben, 49 Prozent haben bei der sächsischen Landtagswahl 2014 die AfD gewählt. Auf die „Sonntagsfrage“ erwiderten 89 Prozent: AfD.

          Die „Idee der Demokratie“ unterstützen 57 Prozent „sehr“, doch 28 Prozent der Befragten lehnen den Satz, die Demokratie in der Bundesrepublik funktioniere gut, „völlig“ ab. 41 Prozent lehnen ihn „überwiegend“ ab. Wenig oder kein Vertrauen genießen Parteien, Bundestag und -regierung sowie Medien, Europäische Union und Banken. Das Misstrauen ist am geringsten gegenüber der Polizei (10 Prozent) und Bürgerinitiativen (20 Prozent).

          Auf Nachfragen von Journalisten sagte Rucht, nach seiner Einschätzung werde Pegida in absehbarer Zeit wieder verschwinden. „Wir haben den Höhepunkt von Pegida, gesehen und er ist vielleicht schon überschritten“, so Rucht. „Pegida wird sukzessive an Zulauf verlieren.“ Es handle sich um eine „schnell aufsteigende und ich vermute auch schnell wieder sinkende Bewegung“. Der Sozialwissenschaftler Piotr Kocyba von der Technischen Universität Chemnitz sagte: „Die Dynamik von Pegida ist groß genug, dass die nicht nächste Woche weg sind. Aber irgendwann wird es sich ausspaziert haben.“ Das „Potential“ allerdings, das die Organisatoren für ihre Montagsdemonstrationen zu nutzen verstanden, bleibe und werde sich abermals mobilisieren lassen.

          Die Forschergruppe setzte sich ausdrücklich von der Auffassung anderer Sozialwissenschaftler ab, wonach auf Dresdens Straßen „normale“ Bürger mit Pegida unterwegs seien. Die Zustimmung zu rechtsextremen Positionen sei auffällig hoch, obwohl die Befragten gewiss zum moderaten Teil von Pegida gehörten. Dieser Widerspruch galt einer kürzlich in Dresden vorgelegten Studie.

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