http://www.faz.net/-gpf-75dvc
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 28.12.2012, 16:11 Uhr

Förderprogramm Niedersachsen zahlt Zuschüsse für künstliche Befruchtung

Ungewollt kinderlose Paare müssen in Niedersachsen nur noch ein Viertel der Kosten für eine künstliche Befruchtung selbst tragen. Den Rest zahlen wie bisher die Kassen.

von , Berlin
© dpa Das große Glück: Sozialministerin Aygül Özkan am Freitag in Hannover

Paare, die ungewollt kinderlos sind, bekommen vom neuen Jahr an in Niedersachsen einen staatlichen Zuschuss zu den Kosten der künstlichen Befruchtung. Das hat die Landesregierung am Freitag mitgeteilt. Niedersachsen hat sich damit als erstes Land einem Förderprogramm der Bundesregierung angeschlossen. Künftig tragen Bund und Land dort ein Viertel der Kosten, ein Viertel bleibt bei den Paaren. Den Rest zahlen wie bisher die Kassen.

Andreas Mihm Folgen:

Eine ähnliche Regelung werde mit Sachsen und Sachsen-Anhalt angestrebt, sagte der Sprecher von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU). Mit den Regierungen, die eigene Förderprogramme für ungewollt Kinderlose unterhalten, seien die Gespräche weit gediehen. Drei weitere Länder, die ungenannt bleiben wollten, seien interessiert.

Seit 2004 zahlen gesetzliche Krankenkassen nur noch die Hälfte der Kosten einer künstlichen Befruchtung, und dies auch nur für die ersten drei Versuche. Die andere Hälfte und die Kosten für einen vierten, in aller Regel letzten Versuch, müssen die Paare selbst zahlen. Die Kosten dafür werden auf 6000 bis 10.000 Euro beziffert. Seit 2004 war die Zahl der nach einer künstlichen Befruchtung geborenen Kinder laut Familienministerium um etwa die Hälfte auf 8000 zurückgegangen.

Schröder: jedes zehnte Paar ungewollt kinderlos

Die Neuregelung helfe Paaren mit Kinderwunsch, sagt Niedersachsens Sozialministerin Aygül Özkan (CDU). Die Förderung sei sinnvoll angelegtes Geld. Erfahrungen zeigten, dass bei einer finanziellen Entlastung der Paare die Zahl der Befruchtungen zunehme und mehr Kinder geboren würden. Bund und Land trügen künftig ein Viertel der Kosten für die ersten drei und die Hälfte der Kosten für eine vierte künstliche Befruchtung. Voraussetzung sei, dass das Paar verheiratet sei, die Frau zwischen 25 und 40, der Mann nicht älter als 50 Jahre und die Befruchtung in einer medizinischen Praxis in Niedersachsen vorgenommen werde. Für das Programm gebe das Land jährlich 1,7 Millionen Euro aus.

Bundesfamilienministerin Schröder sagte, beinahe jedes zehnte Paar zwischen 25 und 59 Jahren sei ungewollt kinderlos. Man müsse sich „darum kümmern, dass aus den vorhandenen Kinderwünschen auch öfter Wirklichkeit wird“.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
AfD in Sachsen-Anhalt Jetzt erst rechts

In Sachsen-Anhalts AfD ist der Rechtskurs von André Poggenburg kein Streitthema. Einzig die Frage, wer welchen Posten bekommt, bringt die Mitglieder in Wallung. Mehr Von Reinhard Bingener, Eisleben

22.05.2016, 17:01 Uhr | Politik
Indien Frau wird mit 70 Jahren zum ersten Mal Mutter

Eine 70 Jahre alte Inderin ist zum ersten Mal Mutter geworden. Mithilfe künstlicher Befruchtung gebar Daljinder Kaur Mitte April einen Sohn. Sie fühle sich nicht zu alt dafür, sagte sie in einem Interview. 2008 hatte in Indien bereits eine 72 Jahre alte Frau nach künstlicher Befruchtung Zwillinge zur Welt gebracht. Mehr

12.05.2016, 16:53 Uhr | Gesellschaft
Lebensmittel Wird Spargel so teuer wie seit zehn Jahren nicht mehr?

Spargel wird auch in diesem Jahr wieder teurer werden, obwohl die Erntemengen steigen. Ein Grund ist der Mindestlohn, der die Produktion verteuert. Mehr

12.05.2016, 15:24 Uhr | Finanzen
Brexit-Abstimmung Thema Einwanderung spaltet die Briten

Im Brexit-Wahlkampf in England spielt das Thema Einwanderung eine zentrale Rolle. In einer Umfrage gab etwa die Hälfte der Briten an, die Frage sei für sie wahlentscheidend. Im mittelenglischen Peterborough ist das Lager derjenigen besonders stark, die einen Austritt aus der EU befürworten. Die Region hat aber auch eine lange Einwanderungstradition. Mehr

30.04.2016, 16:41 Uhr | Politik
Umweltbonus für Ladenhüter So bekommen Sie die Prämie für Ihr E-Auto

Das Bundeskabinett hat am Mittwoch eine Prämie für Elektroautos in Höhe von 4000 Euro beschlossen. Doch wie kommen Verbraucher an die Prämie? Und für wen lohnt der Kauf wirklich? Mehr

18.05.2016, 10:34 Uhr | Finanzen

Kein Rabatt für Erdogan

Von Nikolas Busse

Die EU ist zwar auf den türkischen Präsidenten angewiesen, ihre Verhandlungsposition hat sich aber verbessert. Es besteht kein Anlass, Erdogan nachzugeben, einem Mann der eine andere Auffassung von Demokratie und Rechtsstaat hat als wir. Mehr 0