http://www.faz.net/-gpf-72azq

Flughafen Hahn : Keine Landebahn in Sicht

Es droht Streit um den Flughafen Hahn. Bild: dapd

Es schien, als könnte der Flughafen Hahn ein Erfolg für den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck werden. Anders als der Nürburgring. Nun wurde bekannt, dass die Flughafen Hahn GmbH im vergangenen Jahr 138 Millionen Euro Schulden gemacht hat - und Beck hat ein weiteres Problem.

          Gerade bei diesem staatlichen Vorzeigeprojekt von Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) sahen die Chancen für eine erfolgreiche Zukunft in den letzten Monaten eigentlich recht gut aus. Während der Nürburgring mit der Fehlinvestition Becks in einen Freizeitpark Pleite ging, schien sich für den Regionalflughafen Hahn eine wirtschaftlich tragfähige Lösung abzuzeichnen. Mit Finanzinvestoren im Hintergrund hatte das Management des früheren amerikanischen Militärflughafens im Hunsrück vor fast einem Jahr in Aussicht gestellt, für 25 Millionen Euro die Mehrheit der Anteile des Hauptgesellschafters Rheinland-Pfalz kaufen zu wollen. Dann wäre der von Beck zu Beginn seiner Amtszeit 1994 als größtes Konversionsprojekt mit einer dreistelligen Millionensumme unterstützte Zivil- und Frachtflughafen wie einst versprochen in privater Hand. Und das vom Bundesverwaltungsgericht bestätigte Nachtflugverbot für den Frankfurter Flughafen ließ die erhoffte Verlagerung von Frachtflügen zu dem 24 Stunden offenen Flughafen Hahn in greifbare Nähe rücken.

          Thomas Holl

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online.

          Doch am Dienstag schreckte ein Bericht der Wirtschaftsprüfer von PriceWaterhouseCoopers und der Alarmruf des Aufsichtratsmitgliedes der Flughafen Hahn GmbH, Jochen Riebel, die noch mit der Nürburgring-Pleite kämpfende rot-grüne Landesregierung auf. „Aus heutiger Sicht ist der Fortbestand der Gesellschaft nach dem 30. März 2013 nur dann möglich, wenn bis dahin weitere Maßnahmen der Gesellschafter und Gläubiger ergriffen werden.“ Die Warnung der Wirtschaftsprüfer beziehen sich auf die jüngsten Geschäftszahlen der Flughafen-Gesellschaft. Danach lagen die Schulden Ende 2011 bei 138 Millionen Euro, während das Eigenkapital der Gesellschafter Rheinland-Pfalz und Hessen nur 44 Millionen Euro beträgt.

          Nach Schätzung des Aufsichtsratsmitglieds und früheren hessischen Bundesratsministers Riebel (CDU) ist das Eigenkapital im März 2013 aufgebraucht, da dann die Rückzahlung eines Kredites fällig ist. Dann drohe dem Flughafen Hahn wie dem Nürburgring die Insolvenz. Obwohl eine weitere Geldspritze des Landes wie am Nürburgring womöglich ein Veto der Wettbewerbshüter der EU provozieren könnte, plädiert Riebel als Notlösung für zusätzliche Finanzhilfen für den Flughafen Hahn von mindestens zehn Millionen Euro: „Die rheinland-pfälzische Landesregierung kann es sich nicht leisten, dass innerhalb kurzer Zeit zwei Landesgesellschaften Insolvenzantrag stellen müssen. Wenn man zwischen Baum und Borke sitzt, muss man jetzt handeln – trotz des Risikos Brüssel“, sagte Riebel dieser Zeitung. Wenn nicht „bald irgendetwas passiert“ sei das Eigenkapital, davon 20 Millionen Euro aus Hessen, „einfach weg“. Die optimistische Einschätzung von Infrastrukturminister Roger Lewentz (SPD) bald einen Investor zu finden, bezeichnete Riebel als „schlichten Unsinn“.

          Warnungen seien „Geschwätz“

          Lewentz wiederum nannte Riebels Warnung „Geschwätz“. Das Eigenkapital von 44 Millionen Euro reiche aus, um den Flughafen in den nächsten Jahren vor einer Zahlungsunfähigkeit zu retten. Es sei „ganz normal“, dass zu bestimmten Terminen Verbindlichkeiten bedient werden müssten. Im „operativen Geschäft“ schreibe der durch die Billigfluglinie Ryan Air bekannt gewordene Flughafen einen Gewinn von sieben Millionen Euro. Als Belastung bei der Suche nach Investoren erweist sich aus Sicht von Lewentz die Infrastruktur aus Straßen, Abwasserleitungen und Gebäuden, die nicht zu den Aufgaben eines Flughafens gehörten. Hier will Lewentz in Gesprächen mit der EU-Kommission durch eine Überführung dieser Lasten in den Landeshaushalt „Ballast“ abwerfen. Dann wäre der Flughafen auch für Investoren interessant.

          Einig sind sich Lewentz und der politische Pensionär Riebel jedoch in ihrer langfristigen Einschätzung der Bedeutung von Hahn. „In wenigen Jahren wird der Flughafen für Frankfurt sehr wichtig, wenn die Frachtgesellschaften und Ferienflieger zusätzliche Kapazitäten nach Übersee brauchen.“ Bis dahin, so empfiehlt Riebel, müsse man die Zeit „mit öffentlichen Mitteln und geschicktes Agieren überbrücken“.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Futuristische Schlafboxen für müde Reisende Video-Seite öffnen

          Warten am Flughafen : Futuristische Schlafboxen für müde Reisende

          Flieger verpasst? Stundenlanges Warten auf den Anschlussflug? Am Flughafen von Mexiko-Stadt können sich müde Reisende in futuristisch anmutenden Schlafboxen erholen. Die warten nicht nur mit Matratze und kuscheliger Bettwäsche auf, sondern auch mit Klimaanlage, Fernsehen, WiFi und USB-Anschluss.

          Eine Bühne, 5 Präsidenten Video-Seite öffnen

          Vereinigte Staaten : Eine Bühne, 5 Präsidenten

          Barack Obama, George W. Bush, dessen Vater George, Bill Clinton und Jimmy Carter waren in College Station in Texas zusammengekommen, um gemeinsam mit Künstlern Geld zu sammeln. Damit soll den Opfern geholfen werden, die durch die verheerenden Stürme der letzten Monate geschädigt wurden, 31 Millionen US-Dollar kamen zusammen.

          Topmeldungen

          Wolfgang Kubicki will sich von der AfD nicht provozieren lassen.

          Bundestag : Kubicki rät zu gelassenem Umgang mit der AfD

          Heute dürfte FDP-Politiker Kubicki zu einem der Vizepräsidenten des Bundestages gewählt werden. Er rät, mit der AfD im Parlament „vernünftig und fair“ umzugehen. Abgeordnete bekräftigen ihre Ablehnung gegen den umstrittenen AfD-Kandidaten Glaser.
          Martin Schulz (rechts) mit dem designierten SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil

          Martin Schulz unter Druck : Vorsitzender auf Abruf

          Die SPD akzeptiert die Personalpolitik ihres Vorsitzenden nur mit Zähneknirschen. Für Martin Schulz wird der Weg bis zum Bundesparteitag im Dezember steinig.
          Pirat an einer Küste Afrikas

          Nigeria : Piraten überfallen deutsches Containerschiff

          Das Schiff einer Hamburger Reederei ist vor Nigeria von Piraten angriffen worden. Die Seeräuber verschleppten sechs Besatzungsmitglieder, darunter ist auch der Kapitän.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.