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Kommentar : Im märkischen Sand

  • -Aktualisiert am

Wowereit gibt seinen Rücktritt vom Aufsichtsratsvorsitz der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH bekannt. Bild: dapd

Es ist gut möglich, dass Wowereit über den Flughafen stolpern wird. Bisher aber haben die Oppositionsfraktionen ihm außer dem Verzicht auf allzu frivole Formulierungen nichts „unausweichlich“ abverlangt.

          Berlin hat schon manchen wackeren Mann zermalmt; nun scheint es Horst Amann erwischt zu haben. Er kam im vergangenen Sommer aus Frankfurt. Ihm ging der Ruf voraus, ein durchsetzungsstarker Mann zu sein. Nun musste der neue, für Technik zuständige Geschäftsführer der Berlin-Brandenburgischen Flughafengesellschaft mitteilen, dass er den offenbar zu komplex angelegten Brandschutz am neuen Flughafen nicht bis zum geplanten Eröffnungstermin im Oktober 2013 in den Griff bekommen kann.

          Schon haben die beruflich mit dem vertrackten Flughafen in Schönefeld bei Berlin Betrauten Mut zum Galgenhumor gefasst. Das ist anders als im Mai, als die kurzfristige Absage der feierlichen Eröffnung für alle überraschend kam und als zutiefst peinlich für Berlin und Brandenburg empfunden wurde. Dass die Schwierigkeiten, einen Großflughafen in den märkischen Sand zu bauen, für Berlin typisch seien, glauben inzwischen nur noch politisch Interessierte, die Elbphilharmonie und Stuttgart 21 sorgen dafür, dass das Berlin-Bashing, das auch unter Berlinern höchst beliebt ist, seine Grenzen fand.

          Wowereit hat die Berliner SPD zu fürchten

          Am Montag hat Wowereit angekündigt, er werde den Vorsitz des Aufsichtsrats der Flughafengesellschaft in der nächsten Woche an Platzeck abgeben, der im Landtag die Vertrauensfrage stellen will. Die Berliner Opposition fühlt sich dadurch zu noch mehr Wucht für ihre Rücktrittsaufforderungen an den Bürgermeister animiert.

          Wie unernst jedoch die Berliner Opposition ihr Ziel verfolgt, die wiederkehrenden Tücken des Flughafenbaus dem Aufsichtsratsvorsitzenden Wowereit in seiner Eigenschaft als Regierungschef anzulasten, zeigt die Parteiführung der Berliner Grünen. Sie sprach vom „unausweichlichen“ Rücktritt Wowereits während die Fraktionen von Grünen, Linkspartei und Piraten noch eine Sondersitzung des Abgeordnetenhauses und ein Misstrauensvotum gegen Wowereit beantragten.

          Es ist gut möglich, dass der Regierende Bürgermeister über den Flughafen stolpern wird. Bisher aber haben die Oppositionsfraktionen ihm außer dem Verzicht auf allzu frivole Formulierungen nichts „unausweichlich“ abverlangt. Zu fürchten hat der pragmatische Wowereit vor allem die Berliner SPD unter ihrer neuen, betont links auftretenden Bewirtschaftung. Und die SPD hätte seinen Rückzug zu fürchten wie sonst nichts.

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