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Hauptstadtflughafen : Fehlen nur noch die Flugzeuge

  • -Aktualisiert am

Demonstrationen gegen Fluglärm sind in Berlin selten geworden. Bild: dpa

Wie die Angst vor Fluglärm in Brandenburg schon heute den Wahlkampf bestimmt – obwohl der Großflughafen BER noch für Jahre ein sehr stiller Ort sein könnte.

          Es war eine dieser Inszenierungen, wie sie in Wahlkämpfen beliebt sind: Der strenge Herr Politiker besucht einen umstrittenen Ort, und die dort Verantwortlichen tun ihm den Gefallen und benehmen sich seltsam. Christian Görke musste seine Gäste erst vom Neubau in ein Gebäude der Verwaltung umdirigieren und sie dann sogar ganz zurücklassen, als er den Flughafen in Schönefeld bei Berlin und einen künftig lärmgeplagten Anwohner besuchte, um sich über Schallschutz zu informieren. Görke ist Finanzminister von Brandenburg, er ist Spitzenkandidat der Linkspartei und ihr Vorsitzender – und er sitzt im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB), die versucht, den neuen Flughafen BER fertigzustellen.

          Brandenburg wählt am 14. September einen neuen Landtag, und Fluglärm könnte zu den Zutaten gehören, aus denen Siege oder Niederlagen gemacht werden. Denn anders als im Rest des Landes ist in Brandenburg nicht der Immer-noch-nicht-Betrieb des Flughafens ein Skandal, sondern der Lärm, den der Flugbetrieb dereinst den 80.000 Anrainern bescheren wird. Im vergangenen Jahr zeigte sich ein Volksbegehren für längere Nachtruhe am neuen Flughafen so erfolgreich, dass die rot-rote Landesregierung das Anliegen lieber übernahm, als auf das Ergebnis einer entsprechenden Volksabstimmung zu warten. Fluglärm ist seither ein Thema der Landespolitik, und keineswegs eines, das nur in der Region südöstlich von Berlin die Leute erregt.

          Christian Görke zwängte sich also mit seinem Journalistentross in einen viel zu kleinen Raum und ließ Ralph Wagner, den Leiter des Schallschutzes beim Unternehmen FBB, über den – erwartungsgemäß – unbefriedigenden Stand der Dinge berichten. Am Ende löste sich das Rollenspiel des strengen Lehrers mit dem säumigen Schüler in schiere Harmonie auf. Der Minister wünschte den FBB-Mitarbeitern alles Gute für ihr ehrgeiziges Vorhaben, bis Ende des Jahres alle Kostenübernahme-Bescheide an die künftig lärmgeplagten BER-Anrainer verschickt zu haben.

          Eröffnungstermin noch nicht in Sicht

          Beide Haltungen, die Strenge und die Milde, passen zur Lage, in die der Flughafenbau die Brandenburger Politik gebracht hat. Der Bund als Minderheitsgesellschafter (er hält 26 Prozent, Berlin und Brandenburg je 37 Prozent an der Flughafengesellschaft) hält sich raus oder tadelt andere, wenn etwas schiefgeht. Berlin liefert einerseits den Sündenbock für die Pleiten und Pannen – den früheren und jetzigen Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Wowereit (SPD) – und freut sich andererseits, dass immer noch vom nahen, praktischen Flughafen Tegel geflogen werden kann. Brandenburg aber, auf dessen Boden der neue Flughafen liegt, hat nicht nur den Spott wegen der andauernden Baustelle, sondern auch den Protest gegen den zu erwartenden Fluglärm zu ertragen. Noch immer ist nicht einmal ein Eröffnungstermin für BER in Sicht, irgendwann zwischen 2016 und 2018 soll er sein.

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