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Veröffentlicht: 01.02.2013, 17:18 Uhr

Flughafen Berlin-Brandenburg In dienender Funktion

Rainer Bretschneider soll als Flughafenkoordinator dafür sorgen, dass der Berliner Großflughafen eines Tages in Betrieb gehen wird. Er hat nur seinen Ruf zu verlieren.

von , Berlin
© dapd Rainer Bretschneider muss sich erst einmal einlesen

Nach seiner ersten Woche im neuen Amt als Flughafenkoordinator in der Potsdamer Staatskanzlei hat Rainer Bretschneider (SPD) am Freitag skizziert, wie er seine Aufgabe definiert. Der 64 Jahre alte Bretschneider war vorher Staatssekretär im brandenburgischen Infrastrukturministerium. Nun leitet er eine zehnköpfige Gruppe, die dem neuen Aufsichtsratsvorsitzenden Matthias Platzeck zuarbeitet. Bevor Ministerpräsident Platzeck im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) Nachfolger von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (beide SPD) wurde, hatte er im Brandenburger Landtag angekündigt, dass er sein politisches Schicksal mit dem Gelingen des Flughafenbaus verbinde. Das sei, so Bretschneider, „nicht ohne Brisanz“. Er selbst habe bei seiner neuen Aufgabe zwar außer seines Rufs „nichts zu verlieren“, doch sei er „sehr ehrgeizig und sehr pflichtbewusst“. Seine Gruppe sei weder eine „Taskforce“ noch eine Sonderkommission, sie habe eine „dienende Funktion“. Keineswegs solle sie den „Sachverstand“ in der Geschäftsführung oder im Aufsichtsrat ersetzen.

Mechthild Küpper Folgen:

Das „Allerwichtigste“ sei, rasch die Geschäftsführung der Flughafengesellschaft handlungsfähig zu machen und die nötigen Personalentscheidungen zu treffen, sagte Bretschneider. Er lehnte es jedoch ab, sich zu einzelnen Personen - etwa dem ehemaligen Fraport-Leiter Wilhelm Bender, der als Leiter der FBB-Geschäftsführung im Gespräch ist - zu äußern. Zum Anforderungsprofil eines jeden FBB-Managers werde jedoch „Kommunikations- und Koordinationsfähigkeit“ gehören: „Die Stimmung ist ja nicht die beste.“ An zweiter Stelle stehe: „den Flughafen ans Laufen bringen“. Und schließlich müsse Geld ausgegeben werden, um den überlasteten Berliner Flughafen Tegel „arbeitsfähig zu halten“.

„Natürlich schaffen wir das, wenn - dann.“

Vorschläge zur Erweiterung des neuen Flughafens BER, wie sie etwa die Berliner IHK kürzlich machte, mochte Bretschneider nicht kommentieren. Es werde den Verantwortlichen vorgeworfen, mit über 300 Änderungswünschen die Fertigstellung des Flughafens verzögert und verteuert zu haben, da könne man nicht mit neuen Änderungswünschen weitermachen. Es werde allerdings überlegt, dem Aufsichtsrat eine eigene Controlling-Gruppe an die Seite zu stellen, sagte er. Einen Beschluss gebe es dazu noch nicht. Der Aufsichtsrat brauche sicher mehr als eine „Ampel“, wie sie in den Berichten der früheren Geschäftsführung genutzt wurde. Die Brandschutzanlage, an der die Eröffnung im Juni und auch die im Oktober 2013 scheiterte, war noch im April 2012 mit einem „Gelb“ beschrieben worden. Doch erweist sich, dass vor allen anderen Baumängeln noch heute der Brandschutz die Eröffnung des Flughafens verhindert.

Im Bauausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses hatte der langjährige Controller des BER kürzlich erklärt, ihm sei nicht gestattet gewesen, im Aufsichtsrat direkt zu berichten, wie es auf der Baustelle stehe. Wowereit bezeichnete dies als Versuch der „Selbstfreizeichnung“, Innensenator Henkel sprach spöttisch von „diesen Konditionalsätzen“, die er im Aufsichtsrat von den am Bau beteiligten Unternehmen gehört habe: „Natürlich schaffen wir das, wenn - dann.“

Noch hält es Bretschneider nicht für absehbar, wann „valide Aussagen“ über den Zustand der Baustelle und die Kosten und die Zeit bis zur Fertigstellung des Flughafens zu treffen sind. Es müsse erst einmal „Grund in die Sache“ kommen: Zunächst brauche man eine Fehleranalyse, dann eine Analyse der erforderlichen Maßnahmen und eine der zusätzlichen Kosten. Danach könne man beraten, ob man die Nordbahn des Flughafens bereits vor seiner Inbetriebnahme saniere, was sicher auch ökonomisch sinnvoll sei.

Informationen müssten an die Stelle von Gerüchten treten

Alle drei Gesellschafter - Brandenburg, Berlin mit je 37 Prozent der Anteile und der Bund mit 26 Prozent - müssten „real und nicht nur verbal“ an einem Strang ziehen. Sie müssten am „Binnenklima“, das „verbesserungswürdig“ sei, arbeiten, die Mitarbeiter motivieren, die unter großem Stress stünden. Nach vielen offiziellen Aussagen über die angeblich bevorstehende Eröffnung des Flughafens stehe die Politik nun vor dem „letzten Versuch“, was die Glaubwürdigkeit angeht. Der Flughafen werde sicherlich eines Tages in Betrieb gehen, doch ob den Äußerungen von Politikern noch geglaubt werde, das ist Bretschneiders Auffassung nach nicht so sicher.

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Ob mit einer besseren Informationspolitik zum Baufortschritt am BER die Zeit der gezielten Indiskretionen zu Ende sei, bezweifelte Bretschneider. Doch müssten „abgesicherte, zutreffende Informationen“ an die Stelle von Gerüchten und Durchsteckereien treten. Während einerseits den offiziellen Äußerungen nicht mehr geglaubt werde, könne andererseits „jeder fast alles behaupten“.

Quelle: F.A.Z.

 

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