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Baumängel bei Flughafen BER : Auf dieser Baustelle kann „alles passieren“

  • -Aktualisiert am

Seit einer Woche ist das Terminal am geplanten Flughafen BER gesperrt. Fünf der 2012 eingebauten Ventilatoren sind schwerer, als es die Dachkonstruktion erlaubt. Bild: dpa

Wieder gibt es Verzögerungen an der Flughafenbaustelle in Berlin, diesmal sind Ventilatoren zu schwer für die Dachkonstruktion. Dabei gab es bereits im vergangenen Jahr eine Anfrage zur Statik – mit einer überraschenden Antwort.

          Wenn an diesem Freitag der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) zusammentritt, erwartet dessen Vorsitzender und Regierender Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD), einen „Sachstandsbericht“ der Geschäftsführung. Seit Freitag vergangener Woche ist das Terminal des Flughafens BER gesperrt. Fünf der 2012 eingebauten Ventilatoren sind schwerer, als es die Dachkonstruktion des Neubaus erlaubt. Die Staatsanwaltschaft Cottbus ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Baugefährdung.

          Im Dezember 2014 fragte der Vorsitzende des BER-Untersuchungsausschusses, Martin Delius (Piratenpartei) nach der Belastung der Terminaldecken – und erhielt die beruhigende Auskunft, es gebe keine Probleme. Er habe damals nicht mehr gewusst als andere, aber „mehr vermutet als andere“, sagte Delius kürzlich der Zeitung „Tagesspiegel“. Bürgermeister Müller hofft, dass das Terminal bald teilweise wieder freigegeben werden kann. Und er will darauf dringen, dass die Flughafengesellschaft Verfahren findet, damit auf Fragen wie die von Delius Antworten „auf der Höhe der Zeit“ gegeben werden können.

          Kapazitätsgrenze wird bereits bei Eröffnung erreicht

          Eigentlich wollte der Aufsichtsrat sich mit Erweiterungsplänen befassen. Zwar hat die Fertigstellung des Neubaus absolute Priorität, doch ist absehbar, dass der BER schon bei seiner Eröffnung an seinen Kapazitätsgrenzen arbeiten wird. Die Zahl der Flüge an beiden Berliner Flughäfen steigt seit Jahren.

          Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) reagierte mit einer Vertrauenserklärung auf die Hiobsbotschaft: „Ich bin fest davon überzeugt, dass die Geschäftsführung des Flughafens auf dem richtigen Weg ist“, sagte er in einer Regierungserklärung vor dem Landtag. Von weiterem Personalaustausch an der Spitze verspricht sich ohnehin niemand etwas. Seit die Eröffnung des Flughafens in Schönefeld bei Berlin im Frühsommer 2012 auf unbestimmte Zeit verschoben werden musste, halten es die meisten mit der von Delius vorgetragenen Regel: „Bei diesem Bauprojekt muss man davon ausgehen, dass eigentlich alles passieren kann.“ Woidke dagegen demonstrierte robusten Optimismus: „Und ich bin fest davon überzeugt, dass der Eröffnungstermin gehalten wird.“

          Da war die neuerliche Panne noch nicht bekannt: Zwei Arbeiter stehen im März auf dem Dach des Terminalgebäudes am neuen Hauptstadtflughafen BER.

          Eröffnet werden soll der BER, den die FBB-Gesellschafter Brandenburg, Berlin und der Bund gemeinsam bauen, Ende 2017. Ein Jahr zuvor sollten die Bauarbeiten abgeschlossen sein. Einige Verzögerungen sind bislang schon eingetreten. Die Aufgabe, im fertigen Bau Fehler beim Brandschutz zu analysieren und zu beseitigen, ist komplex und überaus zeitraubend. Hinzu kam die Insolvenz der Firma Imtech, die im Flughafen die technische Gebäudeausstattung einbaute. Woidke, der bei Übernahme seines Amtes ausdrücklich nicht in den Aufsichtsrat der FBB ging, warnte davor, „politischen Druck“ für einen bestimmten Eröffnungstermin auszuüben.

          Geschäftsführer der Flughafengesellschaft erwartet „Unfassbares“

          Die Geschäftsführung ließ nach Bekanntwerden der Lastenüberschreitung an der Decke alle Arbeiten im Gebäude anhalten und meldete die Sache der Genehmigungsbehörde im Landkreis Dahme-Spreewald. Die verhängte einen Baustopp, bis neue Berechnungen zur Statik vorgelegt werden können.

          „Politischen Druck“ werden die – allesamt neuen – Verantwortlichen in der Flughafengesellschaft, mehr aber noch der Aufsichtsratsvorsitzende Michael Müller, empfinden. Denn seinen Vorgänger Wowereit haben die ständigen schlechten Nachrichten vom BER schließlich das Amt gekostet. Müller entschied sich dennoch, den Aufsichtsratsvorsitz zu übernehmen. In Berlin wird im nächsten Jahr gewählt.

          „Ich bin mir sicher, dass wir auch künftig auf Vorgänge aus der Vergangenheit stoßen, die auf den ersten Blick unfassbar erscheinen“, sagte der Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, Karsten Mühlenfeld, vor der Aufsichtsratssitzung. Es sei wichtig, vor der Eröffnung „planerische und bauliche Fehler“ zu beseitigen sowie „persönliche Verfehlungen Einzelner“ zu ahnden.

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