Home
http://www.faz.net/-gpg-yhfh
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Flughafen-Anschlag Täter tötete Amerikaner durch Kopfschuss

04.03.2011 ·  Der Anschlag am Frankfurter Flughafen war eine regelrechte Hinrichtung. Arid U. tötete die amerikanischen Soldaten mit Kopfschüssen. Das berichtete der stellvertretende Generalbundesanwalt Rainer Griesbaum. Er fordert nun, islamistische Propaganda im Internet stärker zu bekämpfen.

Artikel Bilder (4) Video (2) Lesermeinungen (18)

Die Bundesanwaltschaft hat eine stärkere Bekämpfung der islamistischen Propaganda im Internet gefordert. Der Anschlag am Frankfurter Flughafen habe gezeigt, dass sich junge Menschen sehr stark davon beeinflussen lassen, sagte der stellvertretende Generalbundesanwalt Rainer Griesbaum am Freitag in Karlsruhe. Die gute Nachricht sei, dass hinter dem Attentäter keine terroristischen Strukturen stehen. „Die Sicherheitslage ist deshalb unverändert.“

Griesbaum, ständiger Vertreter für die im Urlaub weilende Bundesstaatsanwältin Monika Harms, berichtete über den aktuellen Stand der Ermittlungen. Er sagte, dass der Täter seine Tat alleine geplant habe. Es gebe keine Hinweise darauf, dass er einer terroristischen Vereinigung angehöre. Allerdings sei der 21 Jahre alte Täter von islamistischen Strömungen beeinflusst worden und habe entsprechende Internetseiten besucht.

Youtube-Video als Auslöser

Auslöser für die Radikalisierung des islamistischen Attentäters von Frankfurt ist offenbar ein Video auf der Internetplattform „Youtube“ gewesen. Der 21 Jahre alte Arid U. habe angegeben, dass ihn ein Film über angebliche Gräueltaten von amerikanischen Soldaten in Afghanistan zu seiner Tat motiviert hätten, teilte Griesbaum mit. Er wertete diese Aussage als Beleg dafür, welche Wirkung islamistische Propaganda im Internet entfalten könne.

Arid U. ist angeklagt des vollendeten Mordes in zwei Fällen und des mehrfach versuchten Mordes. Der Verdächtige räumte laut Griesbaum die Tat in einer ersten Vernehmung in Frankfurt ein. Arid U. gab an, mit seiner Tat den Einsatz der Vereinigten Staaten in Afghanistan vergelten zu wollen. Die Aussagen müssten aber noch ausgewertet werden. Es sei daher verfrüht, „von einem voll umfänglichen Geständnis zu sprechen“, sagte der Bundesanwalt.

Arid U. tötete die Soldaten durch Kopfschüsse

Nach Angaben der Bundesanwaltschaft hat sich die Tat folgendermaßen abgespielt: Arid U. fuhr bewaffnet mit einer Pistole der Marke FN nebst 14 Patronen und zwei Messern zum Flughafen und schaute sich dort nach amerikanischen Soldaten um. Als er eine Gruppe erkannte, fragte er nach einer Zigarette und wollte sich vergewissern, dass die Soldaten tatsächlich auf dem Weg nach Afghanistan waren. Als ein Soldat dies bestätigte und sich in Richtung Bus verabschiedete, schoss ihm Arid U. von hinten in den Kopf. Dann sei er in den Bus gegangen, der die Soldaten zum Luftwaffenstützpunkt Ramstein bringen sollte. Dort richtete er erst den 21 Jahre alten Busfahrer hin, dann ging er weiter und schoss auf einen 25 Jahre und auf einen 21 Jahre alten Soldaten, die beide schwer verletzt überlebten. Während seiner Tat habe Arid U. laut „Allahu Akbar“ (Gott ist groß) gerufen.

Dann habe er einem weiteren Soldaten die Waffe an den Kopf gehalten und drückte zweimal ab. Die Kugeln lösten sich jedoch nicht, da sich eine Hülse im Lauf verklemmt hatte, teilte die Bundesanwaltschaft am Freitag in Karlsruhe mit. Arid U. flüchtete daraufhin. Der 22 Jahre alte Soldat hatte die Verfolgung aufgenommen. Am Flughafen kamen dem Soldaten dann Polizisten zu Hilfe. Griesbaum sprach von einer „schweren staatsgefährdende Gewalttat“.

Frühere Schulleiterin: Ein ganz normaler Schüler

Claudia Hemmling, die frühere Schulleiterin von Arid U., beschreibt den Täter „zurückhaltend wirkenden jungen Mann“. Er habe im Jahr 2010 das Friedrich-Dessauer-Gymnasium in Frankfurt ohne Abitur verlassen - wegen „Fehlzeiten und daraus folgender schlechter schulischer Leistungen“. Das sagte Hemmling am Freitag der Nachrichtenagentur dpa. Er habe 2007 seinen Realschulabschluss an der Eduard-Spranger-Schule in Frankfurt Sossenheim gemacht. Im selben Jahr sei er auf das Gymnasium im Stadtteil Höchst gewechselt.

Wegen zu häufigen Schwänzens habe er die elfte Klasse wiederholen müssen. In der zwölften Klasse seien seine Leistungen trotz mehrerer Beratungsgespräche mit der Rektorin nicht besser geworden und U. sei von der Schule ohne Abitur oder Fachhochschulreife abgegangen. Der junge Mann aus Serbien-Montenegro, der in Frankfurt aufwuchs, war nach Angaben von Hemmling ein „ganz normaler Schüler“. Auch einige ihrer Kollegen, die ihn aus dem Unterricht kennen, hätten ihn als „normal und zurückhaltend“ beschrieben. Er habe sich nach dem Schulabbruch bei einem ambulanten Pflegedienst in Frankfurt um einen Ausbildungsplatz beworben, sei aber abgelehnt worden, sagte Hemmling.

Bosbach: Religionsfreiheit heißt nicht Narrenfreiheit

Derweil hat der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU) vor Alarmismus gewarnt. „Trotz der dramatischen Ereignisse von Frankfurt sehe ich derzeit keine Notwendigkeit, eine neue Terrorwarnung wie im vergangenen November auszusprechen“, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Nach allem, was die Behörden bisher wüssten, habe sich die Sicherheitslage nicht entscheidend geändert, sagte Bosbach. Auch der neue Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hatte am Donnerstag erklärt, es gebe keine Anzeichen dafür, dass die Sicherheitsmaßnahmen in Deutschland hochgefahren werden müssten.

Der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz bezeichnete den Anschlag als ein „sehr bestürzendes Ereignis“. „Es wird jetzt sehr darauf ankommen, die Hintergründe der Tat möglichst vollständig zu ermitteln“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Noch sei es zu früh, irgendwelche Konsequenzen aus dem Anschlag zu fordern. Erst müssten die Ermittlungen ein komplettes Bild der Umstände zeichnen.

Bosbach forderte hingegen ein konsequentes Durchgreifen gegen radikale Imame. „Religionsfreiheit heißt nicht Narrenfreiheit. Wer in Deutschland Hass predigt, der muss das Land verlassen.“ Wenn es trotz des verschärften Ausländerrechts noch rechtliche Hürden für die Behörden gebe, müsse der Gesetzgeber sie sofort aus dem Weg räumen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen