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Flüchtlinge sprechen über Köln : „Es war wie auf dem Viehmarkt“

Die Gruppe um Noori wollte zum Rhein, der Platz vor dem Dom war ihnen nicht mehr geheuer. Sie nahmen den Weg durch den Bahnhof. „Es war wie auf dem Viehmarkt. Die Männer, die vorher getrunken haben, griffen den Frauen an den Po“, sagt Noori. Frauen hätten sich mit Schlägen gewehrt. Die Polizisten gingen in der Menschenmenge unter. Die Gruppe quetschten sich durch die Menge. „Wir wollten nur rauskommen“, sagt Noori. Auf der Rückseite des Bahnhofs sahen sie junge Männer aus Syrien, aus dem Irak und Marokko, die sich prügelten. „Die wissen nicht, wie man mit Alkohol umgeht“, sagt Noori. „Deutschland muss etwas an den Gesetzen machen“, meint sein Bruder. „Man sollte Alkohol und Feuerwerkskörper nur Menschen geben, die damit auch umgehen können.“ Flüchtlinge gehören aus seiner Sicht nicht dazu.

Vier Flüchtlinge, die in der Silvesternacht unterwegs waren. Asad Noori (2. v. links) und sein Bruder Shafi (1. v. rechts) sind in Afghanistan geboren und aus dem Iran geflohen.
Vier Flüchtlinge, die in der Silvesternacht unterwegs waren. Asad Noori (2. v. links) und sein Bruder Shafi (1. v. rechts) sind in Afghanistan geboren und aus dem Iran geflohen. : Bild: Timo Steppat

Mohamed, ein anderer Flüchtling, war zu dieser Zeit auch am Kölner Hauptbahnhof, auch an der Rückseite. Im Herbst kam der zweiundzwanzigjährige Syrer allein in Deutschland an und lebt jetzt in einer Notunterkunft in Köln. An dem Abend hatte er Alkohol getrunken, das zweite Mal überhaupt. „Bier vor allem“, sagt er. Er war betrunken und legte sich mit anderen an. Sie prügelten sich. Die blauen Flecken an seinem Arm sind noch immer sichtbar. Die Polizei ging einmal dazwischen, gab ihnen Platzverweise. Aber die jungen Männer kamen zurück, sie tranken weiter, sie prügelten sich abermals. Dann soll ein Polizist zu Mohamed gesagt haben: „Noch einmal und ihr müsst ins Gefängnis.“

Mohamed sah, wie Frauen angegriffen wurden, machte Videos. Mitgemacht habe er nicht. „Wenn ich nicht betrunken gewesen wäre, hätte ich geholfen“, behauptet er. Ein anderer Syrer wurde von der Polizei auf den Boden gedrückt und mit Kabelbindern fixiert. Später wurde er wieder freigelassen. „Die hatten keinen Platz mehr für mich im Gefängnis, hat er zu mir gesagt“, behauptet Mohamed.

„Ich war undankbar zu Deutschland“

Es wirkte auf ihn, als seien die Gesetze nicht in Kraft gewesen. „Wir wurden nicht aufgehalten, nicht gestoppt“, sagt er. Als mehr Polizisten hinzukamen, als sie stärker durchgriffen, bekam Mohamed Angst. Da war es erst kurz nach 23 Uhr. Er sei zu diesem Zeitpunkt in die Flüchtlingsunterkunft zurückgefahren, sagt er. Am nächsten Morgen hatte er einen Kater. Beim Frühstück habe er erfahren, was passiert war. Dass Frauen bedrängt und bestohlen wurden, dass es massive Übergriffe und später viele Anzeigen gab. „Ich hatte nichts damit zu tun“, sagt Mohamed nun. „Es tut mir nur so leid“, er schaut betroffen zu Boden. In etwas schiefem Englisch sagt er: „Ich war undankbar zu Deutschland.“

Es gibt keine Belege für Mohammeds Erzählung. Sein Handy soll ihm in der Nacht gestohlen worden sein, das Video sei weg, sagt er. Er hat von einem anderen gehört, der in der Nacht auch am Hauptbahnhof war. „Einer von denen, die die Frauen angefasst haben.“ Die Polizei soll ihn aus der Unterkunft geholt haben, eine andere als seine. Es gibt viele Gerüchte unter Flüchtlingen darüber, dass die Täter aus anderen Städten wie Duisburg kommen, dass die Polizei Unterkünfte durchsucht haben soll.

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