http://www.faz.net/-gpf-8voxx

F.A.Z. exklusiv : Kirchhof: „Erdogan muss sich an die Regeln halten“

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan während einer Wahlkampfveranstaltung in Ankara Bild: AFP

Die Entscheidung über ein Einreiseverbot für Erdogan liegt bei der Bundesregierung, sagt der Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts. Berlin könne Auftritte türkischer Politiker durchaus verhindern.

          Der Vizepräsident des Bundesverfassungsgericht, Ferdinand Kirchhof, hat hervorgehoben, dass ein Einreiseverbot für den türkischen Staatspräsidenten Erdogan „in der Hand der deutschen Regierung“ liegt und „erst danach im konkreten Verbotsfall von Gerichten zu überprüfen“ wäre. Kirchhof sagte im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.) vom Donnerstag: „Wenn er als Staatspräsident, also als einer der höchsten Repräsentanten der Türkei, auftritt, kann er sich zumindest nicht auf Grundrechte berufen.“ Und er fügte hinzu: „Er muss sich dann an die diplomatischen Regeln des Völkerrechts halten. Das internationale Recht erlaubt die Beschränkung der politischen Tätigkeit von Vertretern fremder Staaten“, sagte Kirchhof der F.A.Z.

          Reinhard Müller

          In der politischen Redaktion verantwortlich für „Zeitgeschehen“ und für „Staat und Recht“.

          Auf die Frage, ob er auf den Fall der früheren Bundesverfassungsrichterin und des späteren Daimler- und VW-Vorstandsmitglieds Christine Hohmann-Dennhardt angesprochen werde, sagte der Verfassungsrichter und Tübinger Staatsrechtslehrer: „Ja, er bewegt zweifellos die Gemüter. Immense Abfindungen bei kurzen Zeiten im Dienst regen die Menschen auf und stellen Fragen, die auch mich erreichen.“ Im geplanten Verhaltenskodex des Bundesverfassungsgerichts soll es nach Kirchhofs Worten darum gehen, „dass man etwa nicht kurz nach dem Ausscheiden zu aktuellen Fällen des Gerichts Stellung nimmt oder vor dem eigenen Gericht später als Bevollmächtigter auftritt oder dass man nicht darüber öffentlich philosophiert, wie wohl Entscheidungen des Gerichts ausgehen werden“.

          Zum Föderalismus in Deutschland und in Europa sagte Kirchhof der F.A.Z: „Europa treibt alles auseinander und besinnt sich auf seine nationale Identität. In Deutschland dagegen gibt es – vor allem wenn man auf die geplanten Verfassungsänderungen blickt – eine Bewegung zum Zentralismus. Hier hat der Bund das Geld und den Gestaltungswillen. Wir bewegen uns auf einem Pfad, der zum Gegenteil von dem führt, was die Föderalismuskommission wollte.“

          Kirchhof beklagt zudem, dass im demokratischen Diskurs in Deutschland zu viel moralisiert werde: „Hier weist der Diskurs in der deutschen Demokratie eine Schräglage auf.“ Man kämpfe „nicht mehr um die eigenen Interessen sondern um das angeblich allein ethisch Gebotene“. Ein Beispiel zeige Stuttgart 21: „Die Wutbürger hören nicht auf, den Beschluss zu bekämpfen, obwohl das Verfahren der Abstimmung beendet ist, weil sie sich dennoch ‚im Recht‘ fühlen. Sie erkennen demokratische Mehrheitsentscheidungen nicht mehr an“, so Vizepräsident Kirchhof in der F.A.Z.

          Referendum in der Türkei : Der Kampf um Stimmen in Deutschland

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Das bringt der Mittwoch

          Der Tag : Das bringt der Mittwoch

          Der Bundespräsident ist weiter auf Regierungssuche. Das BAG verhandelt heute zu Überstunden bei Leiharbeit. Der BGH nimmt den Paypal-Käuferschutz unter die Lupe.

          Mahnmal-Kopie neben Höckes Wohnhaus Video-Seite öffnen

          Aktionskunstwerk : Mahnmal-Kopie neben Höckes Wohnhaus

          Aktionskünstler der Gruppe „Zentrum für Politische Schönheit“ haben auf dem Nachbargrundstück des AfD-Politikers Björn Höcke eine Kopie des Berliner Holocaust-Mahnmals errichtet. Höcke hatte das Original zuvor als „Denkmal der Schande“ bezeichnet.

          Topmeldungen

          Marcel H. schlachtete seine Opfer regelrecht ab. Anschließend prahlte er damit im Internet.

          Gerichtsmedizin : Was geht in diesem Kopf vor?

          Ein Zwanzigjähriger steht wegen Doppelmordes vor Gericht. Jetzt soll sein Hirn durchleuchtet werden. Hilft das weiter?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.