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FAZ.NET-Countdown : Mitleid, Macht und Mordphantasien

Sigmar Gabriel wirft Martin Schulz Wortbruch und Respektlosigkeit vor. Bild: dpa

Manch einer hat Mitleid mit Sigmar Gabriel. Er ist der große Verlierer in der SPD – und er teilt jetzt gewaltig aus. In Korea dagegen geht es von heute an hoffentlich versöhnlich zu.

          Hätten Sie gedacht, dass an dieser Stelle einmal Mitleid mit Sigmar Gabriel aufkommen könnte? Wir auch nicht. Aber sagen wir, wie es ist: Der frühere SPD-Chef und Noch-Außenminister kann einem in diesen Tagen wirklich leid tun. Zuletzt gar zum beliebtesten Politiker des Landes aufgestiegen, musste Gabriel in den vergangenen Wochen mitansehen, wie sich die Sozialdemokraten ganz nah an den Abgrund herantasteten, den totalen Absturz auf dem Parteitag in Bonn nur knapp abwendeten, nun – trotz einiger Erfolge in den Koalitionsverhandlungen mit der Union – immer noch keine gute Figur abgeben – und ihm jetzt nicht einmal mehr einen Platz im neuen Groko-Kabinett anbieten. Noch-SPD-Chef Martin Schulz will und soll das Amt von seinem langjährigen Parteifreund übernehmen – und Gabriel damit in die parteipolitische Bedeutungslosigkeit drängen. Weil Andrea Nahles künftig die Ämter der Partei- und Fraktionsvorsitzenden innehaben soll und auch sonst alle wichtigen Posten im Bundestag bereits vergeben sind, bleibt für Gabriel nur ein Platz als Hinterbänkler. Dass man da enttäuscht ist, zu einer Abrechnung ausholt und sogar persönlich wird, ist zwar nicht professionell, aber menschlich.

          In diesem Zusammenhang von einem „perfekten Mord“ an Gabriel zu sprechen, wie es „Handelsblatt“-Herausgeber Gabor Steingart in einem seiner letzten Texte getan hat, ist mit Sicherheit übertrieben und unangebracht. Schulz einen gewissen Mix aus Rücksichtslosigkeit, Egoismus und Machtversessenheit nachzusagen, ist es aber nicht – auch wenn diese Eigenschaften bei einem Spitzenpolitiker wahrscheinlich vonnöten sind und längst nicht ausgemacht ist, dass Gabriel nicht ähnlich gehandelt hätte, wenn er in Schulz‘ Situation gewesen wäre. Wie man den Machtkampf zwischen den beiden ganz ohne Mordphantasien aufdröselt, können Sie jedenfalls in der Analyse meines Kollegen Oliver Georgi nachlesen. Gabor Steingart soll wegen seiner Ausführungen im Übrigen kurz vor seiner Ablösung stehen.

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          Und wer über das mögliche Beenden politischer Karrieren spricht, kommt zurzeit nicht an Kevin Kühnert vorbei. Der Juso-Chef und oberste „NoGroko“-Aktivist startet an diesem Freitag in Leipzig seine Deutschland-Tour, auf der er die Genossinnen und Genossen davon überzeugen will, beim Votum der SPD-Basis gegen den Koalitionsvertrag zu stimmen. Kommt Kühnert damit durch, dürfte das nicht nur Andrea Nahles und Martin Schulz, sondern auch Angela Merkel zum Rücktritt zwingen.

          Auf Moritz Enninger, einen Studenten aus Duisburg, der erst in der vergangenen Woche in die SPD eingetreten ist, kann Kühnert dabei wohl nicht mehr bauen. In einem Interview auf FAZ.NET hatte Enninger noch in der vergangenen Woche seine Beweggründe für den Parteieintritt erläutert und gesagt, dass auf ein „Nein“ beim Mitgliederentscheid hoffe. Nach Lektüre des Koalitionsvertrags twitterte Enninger nun am Donnerstag, dass die Inhalte zu überzeugend seien, um gegen die Groko zu stimmen. Am 4. März werden wir wissen, wer ähnlich denkt.

          Worauf die Welt jetzt wieder blickt

          Wer in seinem Kollegen- oder Freundeskreis dagegen einen wahren Wintersportfan hat, wird das schon in der nächsten Woche erkennen können – und zwar an den (fünf) Ringen unter den Augen. Mit der Eröffnungsfeier beginnen an diesem Freitag die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang. Aufgrund der Zeitverschiebung von acht Stunden beginnen die frühen Wettbewerbe in Deutschland um kurz nach Mitternacht und ziehen sich dann bis in den frühen Nachmittag. Wer die Jagd auf die Medaillen nicht verpassen will, muss also sehr früh aufstehen.

          In Südkorea herrschen derzeit eisige Minusgrade. Doch nicht nur deswegen droht Sportlern, Fans und Funktionären das kälteste Olympia, das es je gab: Seit mehr als zwei Jahren ist bekannt, dass Russland seine Dopingaktivitäten vertuscht hat – und es möglicherweise immer noch tut. Dass die zugelassenen Sportler aus Russland lediglich auf ihre Trainingsanzüge und die Hymne verzichten müssen und bis zuletzt unklar geblieben ist, welche russischen Athleten überhaupt zum Olympiastart berechtigt sind, gleicht einer Farce. In ihrem Leitartikel beschreibt die F.A.Z.-Olympiaexpertin Evi Simeoni, wie sehr IOC-Präsident Thomas Bach sich und die Spiele von Russlands Präsident Putin instrumentalisieren lässt – und sich gleichzeitig darin sonnt, dass Olympia dazu genutzt wird, den politischen Dialog zwischen Nord- und Südkorea wieder aufzunehmen.

          Bei der Zeremonie im Olympiastadion werden übrigens auch meine beiden Kollegen Achim Dreis und Christoph Becker live vor Ort sein und ab 12 Uhr deutscher Zeit ihre Eindrücke in unserem FAZ.NET-Blog mitteilen und die Eröffnungsfeier begleiten. Aktuelle Berichte zu Siegern und Verlierern, Einordnungen der politischen und sportpolitischen Entwicklungen sowie Highlights, Analysen und Kommentare finden Sie dann ab der Nacht zum Samstag in den kommenden zwei Wochen natürlich in gewohnter Qualität auf den Seiten von FAZ.NET.

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