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FAZ.NET-Countdown : Das Merkel-Mantra

Die CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kommt in Nürnberg (Bayern) in Begleitung des CSU-Vorsitzenden und bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer zum Parteitag der CSU. Bild: dpa

Ähnlich wie vor dem Scheitern der Jamaika-Sondierungen sagt Merkel über die Groko-Gespräche: „Ich glaube, es kann gelingen.“ Behält sie dieses Mal Recht? Im Weißen Haus scheint hingegen nicht allzu viel zu gelingen.

          Haben Sie am Sonntagmorgen auch voller Spannung den Start der Sondierungsgespräche zwischen Union und SPD verfolgt? Haben Sie gesehen, mit welchem Tatendrang und Ideenreichtum sich Angela Merkel, Horst Seehofer und Martin Schulz in die mögliche Zukunft einer dritten großen Koalition in dreizehn Jahren stürzen? Nein? Okay, so ist das Ganze nämlich auch nicht wirklich abgelaufen.

          Generell hat man bei der sich abermals anbahnenden Groko ja ständig das Gefühl, sich auf der siebten Familienfeier des Jahres zu befinden: Alle kennen die Geschichten der anderen, keiner hat wirklich Lust, man geht sich ein bisschen auf die Nerven, aber um den Schein zu wahren, zieht man die nette Enkel/Schwiegersohn/Großmutter-Masche durch. Und hinterher wird im kleinen Kreis über den Rest gelästert.

          Am Sonntag bestach CSU-Chef Seehofer jedenfalls durch den motivierenden Satz, er werde versuchen, „die Dinge zu einem guten Ende zu bringen“. Der SPD-Vorsitzende Schulz betete wieder einmal die Predigt der „ergebnisoffenen Gespräche“ herunter – und die Kanzlerin?

          Nun, der Satz „Ich glaube, es kann gelingen“, war das Zuversichtlichste, was Angela Merkel an diesem Morgen im Berliner Willy-Brandt-Haus von sich gab. Dass sie genau die gleichen Worte bereits Mitte November vor den letzten Tagen der Jamaika-Sondierungen gewählt hatte, ist dann fast schon wieder lustig. Wie die Geschichte mit Lindner, Göring-Eckart und Co. ausging, ist bekannt.

          Ob das Merkel-Mantra auch dieses Mal Pech bringt, wird sich in den kommenden Tagen zeigen. Der Zeitplan ist jedenfalls straff (am Donnerstag soll schon über die Fortsetzung der Gespräche entschieden werden), es soll von den Verhandlungsteilnehmern zwischendurch nichts getwittert werden und die Pausen werden auf dreißig Minuten begrenzt.

          Und einen kleinen Erfolg gab es am Ende des ersten Sondierungstages sogar auch schon: CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt kamen weder die Wörter „Schwachsinnsidee“ oder „Schmollecke“ noch irgendwelche konfusen Visionen von konservativen Revolutionen über die Lippen. Das ist doch ein Anfang!

          Was sonst noch wichtig ist

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          Quelle: FAZ.NET

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