01.06.2004 · Bundesfamilienministerin Schmidt hat ihr Projekt „Allianz für die Familie“ ein Jahr nach Beginn als „sehr erfolgreich“ beurteilt. Familienförderung bringe Unternehmen ökonomische Vorteile, sagt auch die Wirtschaft.
Bundesfamilienministerin Renate Schmidt (SPD) hat ihr familienpolitisches Projekt „Allianz für die Familie“ ein Jahr nach deren Beginn als „sehr erfolgreich“ beurteilt. Frau Schmidt sagte, sie verfolge seit ihrem Amtsantritt eine Familienpolitik, die ihr Heil nicht in unbezahlbaren und wenig wirksamen Finanzmaßnahmen für die Familien suche, sondern in einer Bewußtseinsänderung, die eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf über wirtschaftliche Argumente ermöglichen solle.
Die Ministerin sagte, sowohl die Gemeinden, als auch Unternehmensverbände und einzelne Firmen, die über ihre Initative angesprochen werden und zu Aktionen für mehr Familienfreundlichkeit bewegt werden sollten, hätten lebhafter reagiert als erwartet. Nach wenigen Monaten schon sei das Ministerium in 150 Städten und Gemeinden beratend tätig, um „lokale Netzwerke“ für mehr Familienfreundlichkeit aufzubauen, deren Zweck unter anderem sei, die Vorstellungen der ansässigen Unternehmen mit den Angeboten von Gemeinden und Freien Trägern zu verbinden. Eine Beratungsbroschüre über familienfreundliche Maßnahmen in Betrieben sei von 6000 Unternehmen bestellt worden, ebenso viele hätten Interesse an einer zweiten Auflage gezeigt.
„Masterplan“ für ein gesellschaftliches Anliegen
Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Braun, dessen Verband zu den Trägern der „Allianz für die Familie“ zählt, lobte die Aktion als Beispiel dafür, wie es gelingen könne, mit einem „Masterplan“ eine große Öffentlichkeit für ein gesellschaftliches Anliegen zu mobilisieren, ohne deswegen zu gesetzlichen Vorschriften zu greifen, die ein bestimmtes Verhalten vorschrieben. Braun illustrierte die von Frau Schmidt vorgetragene Bilanz mit Beispielen: Die Industrie- und Handelskammer Fulda betreibe jetzt nicht nur die Vermittlung von Tagesmüttern an die Beschäftigten der Kammerunternehmen, sondern habe selber auch Schulungskurse für Tagesmütter eingerichtet. In Oberbayern habe die IHK Gesprächsrunden mit den Bürgermeistern der Gemeinden veranstaltet, um sich über Änderungen in der Kinderbetreuung und andere Unterstützungen für Familien zu konsultieren.
Die Ministerin sagte, es habe sich ausgezahlt, daß mit Studien der Nachweis gelungen sei, daß Familienförderung den Unternehmen wirtschaftliche Vorteile biete, weil sie die Kosten des Personalaustausches und der Einarbeitung und Schulung neuer Mitarbeiter verringere. Eine weitere Studie, die den ökonomischen Nutzen für Großunternehmen nachweisen soll, werde von acht deutschen Konzernen mit dem Familienministerium aufgelegt und finanziert. Frau Schmidt sagte, sie sei überzeugt, daß ihr Ansatz, der die ökonomischen Vorteile einer familienfreundlichen Umgebung hervorhebe, einen „breiten gesellschaftlichen Schub erzeugen“ könne. Deutschland sei eine zwar nicht kinderfeindliche, aber kinderentwöhnte Gesellschaft; es sei sehr schwierig, „das aufzubrechen“.