26.02.2007 · Die SPD hat einen Vorschlag zur Finanzierung des Ausbaus der Kinderbetreuung vorgelegt. Demnach sollen die nächste Erhöhung des Kindergeldes ausgesetzt und Steuervergünstigungen für Ehepaare verringert werden.
Die SPD will für den Ausbau der Kinderbetreuung rund vier Milliarden Euro umschichten. Sie will dazu auf die nächste Kindergelderhöhung verzichten und Steuervergünstigungen für Ehepaare verringern. Damit könne ab dem Jahr 2010 ein Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung nach Vollendung des ersten Lebensjahres an finanziert werden, sagte der SPD-Vorsitzende Kurt Beck am Montag in Berlin.
Der Verzicht auf die nächste Kindergelderhöhung bringt laut Beck etwa 1,88 Milliarden Euro. Durch eine Verringerung der Steuervorteile beim Ehegattensplitting würden rund 1,9 Milliarden Euro gespart. Hinzu kämen 630 Millionen Euro, die bei der Anpassung der staatlichen Transferleistungen an Kinder eingespart und in den Betreuungsausbau gelenkt werden sollen. „Wir machen Angebote“, sagte Beck. „Wir wollen keine Vorgaben, wie die Eltern ihre Kinder erziehen.“
„Schöne Wünsche, keine Finanzierungsvorschläge“
Der Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) warf die SPD vor, sie habe für ihre Pläne zum Ausbau der Kinderbetreuung keine Finanzierungsvorschläge. „Schöne Wünsche aneinanderzureihen, die keine Finanzierungsgrundlage haben, ist das Gegenteil von Politik“, sagte Beck. Die Pläne seiner Partei könnten über einen Staatsvertrag von Bund, Ländern und Kommunen verwirklicht werden.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Montag die Forderung nach einer sachlichen Debatte über die Familienpolitik erhoben. „Ich glaube, dass wir uns jetzt nicht im Kleinklein der Finanzierung sofort verlieren sollten“, sagte Angela Merkel am Montag in Berlin. Die CDU-Vorsitzende schlug vor, „dass die Familienministerin mit den Ländern erst einmal Kontakt aufnimmt, welche Ziele sich die Länder gesetzt haben, und dass man dann in Ruhe darüber spricht, wie wir die Lage für die Eltern in Deutschland verbessern.“
Mixa fühlt sich missverstanden
Merkel sagte, sie freue sich darüber, dass „jetzt parteiübergreifend auch ein Konsens da ist, die Familienministerin unterstützt wird darin, dass wir mehr Betreuungsmöglichkeiten für Kinder unter drei Jahren brauchen, vor allem in den alten Bundesländern“. In den neuen Bundesländern sei das Problem hingegen bedarfsgerecht gelöst.
Unterdessen hat der katholische Bischof von Augsburg Walter Mixa kundgetan, er fühle sich mit seinen Äußerungen zur Familienpolitik missverstanden. „Das Wort 'Gebärmaschine' ist ganz eindeutig aus dem Zusammenhang meiner Stellungnahme herausgerissen“, sagte Mixa am Sonntagabend in der ARD. Er habe vielmehr für die Wahlmöglichkeit der Frau eintreten wollen, nach der Geburt eines Kindes eben auch zu Hause bleiben zu können, statt so schnell wie möglich wieder berufstätig werden zu müssen. „Ich bin der festen Überzeugung, das muss der Frau persönlich viel stärker überlassen werden“, sagte Mixa.
Seiner Ansicht nach müsste „auch eine alleinerziehende Mutter, eine finanziell schlechtergestellte Mutter“ die Wahl haben, „ob sie das Kind in die Krippe gibt oder ob sie die ersten drei Lebensjahre für ihr Kind zu Hause bleibt“, sagte Mixa. Er forderte, das Erziehungsgeld für die betroffenen Frauen stark zu erhöhen und Erziehungsleistungen auf die Rente der Frauen anzurechnen.
Beck will Witz nicht auf Mixa bezogen haben
Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck sagte am Sonntag im ZDF, er wolle seinen umstrittenen Witz über einen kastrierten Kater nicht auf Bischof Mixa bezogen haben. Gemeint gewesen seien vielmehr alle, die Ratschläge erteilten, ohne gefragt zu sein oder ohne selbst Erfahrungen mit der Kinderbetreuung zu haben.
Beck hatte den Witz bei einer SPD-Veranstaltung am Samstag in Berlin erzählt; er war von vielen als Anspielung auf die Äußerung von Bischof Mixa gewertet worden. (Siehe auch: Kinderbetreuung: Merkel gibt Mixa Kontra) CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla warf Beck daraufhin völlige Stillosigkeit vor. CSU-Generalsekretär Markus Söder verlangte eine Entschuldigung.
Die familienpolitischen Leistungen des Staates
Mit fast 185 Milliarden Euro pro Jahr werden Familien und Eheleute vom Staat unterstützt. Im Vergleich zu anderen EU-Mitgliedstaaten sind die deutschen Aufwendungen damit recht hoch. Gleichwohl setzen Staaten mit geringeren Gesamtsummen politisch andere Schwerpunkte und investieren unter anderem deutlich mehr in die Betreuung von Kleinkindern oder in die direkte Förderung von Familien. Als Beispiele dafür gelten vor allem Frankreich und die skandinavischen Länder.
Laut einer Prognos-Studie listet der deutsche Leistungskatalog von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialversicherung 154 Maßnahmen der Familien- und Eheförderung auf: Von der Witwenrente und dem Ehegattensplitting bis hin zum Kindergeld und der Finanzierung von Kindergärten.
Ehebezogene Maßnahmen bilden mit 73,7 Milliarden Euro den größten Ausgabenblock. Dazu gehören Witwen- und Witwerrenten (34 Milliarden), das Ehegattensplitting (19 Milliarden) und die beitragsfreie Mitversicherung von Ehegatten in der Gesetzlichen Krankenkasse und der Pflegeversicherung (knapp 10,5 Milliarden).
Steuernachlässe und Kindergeld machen insgesamt 42 Milliarden aus. Der Hauptteil davon entfällt auf das Kindergeld (35 Milliarden). Fast zwei Drittel davon sind wegen der verfassungsrechtlich gebotenen Steuerfreistellung des Existenzminimums nicht disponibel.
Direkte Geldleistungen des Staates werden mit 25 Milliarden beziffert. Ein wesentlicher Teil (fast 12 Milliarden) entfällt auf die Beiträge des Bundes für Kindererziehungszeiten bei der Rente. Das bisherige Bundeserziehungsgeld schlägt mit 2,9 Milliarden zu Buche.
Leistungen der Sozialversicherung: Unter den insgesamt aufgelisteten 25 Milliarden Euro macht hier die beitragsfreie Mitversicherung von Kindern in der gesetzlichen Krankenversicherung den größten Anteil aus (knapp 15 Milliarden).
Kinderbetreuung/Jugendhilfe: Aufgelistet werden hier insgesamt 18,3 Milliarden. Etwa 10 Milliarden davon fließen in die Tagesbetreuung von Kindern.
Die Bildungsausgaben für Schulen und Hochschulen wurden in dieser im Auftrag des Bundesfamilienministeriums erstellten Auflistung nicht berücksichtigt. Im Vergleich mit 30 OECD-Industrienationen belegt Deutschland mit seinen Familienausgaben gemessen am Bruttoinlandsprodukt den 8. Platz.
Angebote statt Vorgaben???
Axel Leonhardt (ALeonhardt)
- 26.02.2007, 12:45 Uhr
Ist die SPD lernfähig..?
wolf haupricht (emilgilels)
- 26.02.2007, 13:02 Uhr
Verkehrte Welt
Andreas Seidl (ASeidl)
- 26.02.2007, 13:11 Uhr
und wieder einmal sind sich alle einig
Sven Orban (svorb)
- 26.02.2007, 13:13 Uhr
Zynismus der gleichgeschlechtlichen Kinderkümmerer
gus holler (gus.holler)
- 26.02.2007, 13:40 Uhr