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Familie Das Dilemma der Männer

03.03.2010 ·  Auch Väter haben Schwierigkeiten, Beruf und Familie zu vereinbaren. „Erfolg im Leben“ bezieht sich für sie nicht mehr nur auf berufliche Belange. Der Wandel der Rollenbilder hat die Männer erfasst. Welche Lösungen sie dafür finden, wird für ihre Kolleginnen und ihre Partnerinnen von Interesse sein.

Von Uta Rasche
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Väter sind in den vergangenen Jahren ein beliebter Gegenstand soziologischer Forschung geworden. Familienministerin Kristina Schröder (CDU) ist mit ihrer Ankündigung, die Vätermonate zu verlängern und Männern auf weiteren, noch nicht konkretisierten Wegen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern, auf einen fahrenden Zug aufgesprungen: Etwa 18 Prozent der jungen Väter nahmen 2009 Elternzeit; wegen ihrer im Schnitt höheren Gehälter sind sie die „Kostentreiber“ beim Elterngeld, für das im Jahr 2010 4,48 Milliarden Euro bereitstehen. Vor der Einführung des Elterngelds im Jahr 2007 blieben nur 3,5 Prozent der Väter eine Zeitlang zu Hause. Doch drei Viertel der „Elterngeld“-Väter nehmen auch heute nur die zwei „Partnermonate“; acht Prozent von ihnen setzen für einen längeren Zeitraum aus.

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im schleswig-holsteinischen Landtag, der Schriftsteller und vierfache Vater Robert Habeck, verwies in seinem Buch „Verwirrte Väter“ darauf, dass Männer zunehmend verunsichert seien durch den Anspruch, Ernährer der Familie und zugleich aktive Erzieher sein zu sollen (und zu wollen). Die Vätermonate stellte er als falschen Anreiz dar, der an der Misere der Männer, ihr ganzes Arbeitsleben lang zu wenig Zeit für ihre Kinder zu haben, nichts ändere. Er plädierte dafür, dass Eltern sich Familien- und Erwerbsarbeit dauerhaft gleichmäßig teilen sollten, um nicht permanente Überforderung auf einem der Gebiete zu erleben.

Auch Väter haben ein schlechtes Gewissen

Die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus: Eine Studie im Auftrag der „Hessenstiftung - Familie hat Zukunft“ hatte 2008 ergeben, dass Väter negative Konsequenzen fürchten, wenn sie in ihrem Unternehmen familienfreundliche Angebote nutzen, also zum Beispiel Teilzeit beantragen oder eine längere Elternzeit nehmen. 54 Prozent der Befragten waren überzeugt, dass dies ihre Karriere behindere, 39 Prozent befürchteten ablehnende Reaktionen des Vorgesetzten, ebenso viele das Unverständnis der Kollegen, knapp sieben Prozent rechneten fast damit, dass sie ihren Arbeitsplatz verlieren würden. Nur 28 Prozent waren der Meinung, dass ihnen dieses Ansinnen im Betrieb nicht schaden werde.

Die Väter erleben in dieser Hinsicht einen nicht geringen Konflikt: Denn zugleich waren etwa 95 Prozent der Ansicht, dass unter ihren beruflichen Anforderungen die Beziehung zu ihrer Partnerin häufig oder manchmal leide; mehr als 80 Prozent gaben an, dass sie ihren eigenen Ansprüchen an die Vaterrolle nicht gerecht würden, weil sie so stark eingespannt seien. Diejenigen, denen es nicht ausreicht, nur am späten Abend und am Wochenende Väter zu sein, sind deutlich in der Mehrheit. Nicht nur Mütter, auch Väter haben - und das fand bisher wenig Beachtung - ein schlechtes Gewissen. Sie nehmen dabei die Bedürfnisse ihres Nachwuchses deutlich wahr: Denn auch 84 Prozent der Kinder wünschen sich nach Angaben einer neuen Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) mehr Zeit mit ihren Vätern.

Männer reagieren auf dieses Dilemma oftmals so, wie sie es auch im Beruf tun: Die KAS-Studie „Väter zwischen Karriere und Familie“ beschreibt, dass diese immer häufiger Kosten und Nutzen ihres beruflichen Fortkommens gegeneinander abwägen, anstatt um jeden Preis Karriere zu machen. So hätten 31 Prozent der befragten Väter angegeben, bereits einmal auf Karriereschritte zugunsten der Familie verzichtet zu haben, 17 Prozent berichteten, dies mehrmals getan zu haben. Das Elterngeld diene hierbei als „Türöffner“ und Legitimation für die Inanspruchnahme von Auszeiten oder Teilzeitmodellen.

Der Wandel der Rollenbilder hat auch die Männer erfasst

Doch kämen familienfreundliche Regelungen in Unternehmen oftmals nur Müttern, selten jedoch Vätern zugute. Denn Männer, die der Familie eine Zeitlang den Vorrang geben, hätten nach wie vor in vielen Unternehmen ein schlechtes Image. Ändern lasse sich das nur durch eine gelebte Unternehmenskultur, in der nicht nur der Vater, der zweimal im Jahr früher geht, weil er eine Schulaufführung seiner Kinder besuchen will, als sozial kompetent gilt, sondern auch derjenige, der regelmäßig familiäre Pflichten teilt. Familienfreundlichkeit sei daher noch lange nicht mit „Väterfreundlichkeit“ gleichzusetzen, heißt es in der KAS-Studie. Oftmals werde von Angestellten auch berichtet, dass Familienfreundlichkeit eher als Werbethema eines Unternehmens wahrgenommen werde, die Verwirklichung im Betrieb aber mit den Ankündigungen nicht Schritt halte.

Für Männer bezieht sich „Erfolg im Leben“ offenbar zunehmend nicht nur auf berufliche Belange. Das hat unter anderem das breit angelegte Forschungsprojekt „Männer in Bewegung“ der beiden christlichen Kirchen gezeigt, das vom Bundesfamilienministerium mitfinanziert wurde. Darin wurde deutlich, dass sich zwischen 1998 und 2008 die Rangordnung der Lebensbereiche verändert hat. Die Bedeutung der Arbeit als wichtiger Lebensbereich für Männer nahm in diesem Zeitraum ab, bei Frauen nahm sie zu. Die Bedeutung von Freunden und Freizeit holte bei den Männern auf, die Familie blieb bei beiden Geschlechtern an erster Stelle.

Diese Veränderungen haben auch Auswirkungen auf die Wünsche der Gestaltung von Arbeitszeitarrangements: So hielten nach einer Untersuchung des Meinungsforschungsinstituts Sinus Sociovision 35 Prozent von 3000 befragten Männern und Frauen (kinderlose wie solche mit Kindern) es für ideal, dass in einer Familie sich Mann und Frau etwa zu gleichen Teilen um häusliche Aufgaben kümmern und etwa gleich viel arbeiten, 34 Prozent hielten es für am wünschenswertesten, dass der Mann arbeite und die Frau hinzuverdiene, während sie sich hauptsächlich um die Kinder kümmere. Nur 16 Prozent nannten die Alleinverdienerehe als bevorzugtes Lebensmodell, sechs Prozent eine Partnerschaft, in der beide hauptsächlich für ihren Beruf lebten. Der Wandel der Rollenbilder hat auch die Männer erfasst; das Vereinbarkeitsdilemma, über das bisher vor allem als Problem von Frauen diskutiert wurde, spüren auch Väter. Welche Lösungen sie dafür finden, wird für ihre Kolleginnen und ihre Partnerinnen von Interesse sein.

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Jahrgang 1971, Redakteurin in der Politik.

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