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Familiäre Schweinemast? : NRW-Agrarministerin wird Tierquälerei vorgeworfen

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Schweinetransport in Weinsberg (Landkreis Heilbronn), Archivbild aus dem September 2010 Bild: dpa

Gibt es im Familienbetrieb der neuen NRW-Agrarministerin Christina Schulze Föcking Verstöße gegen den Tierschutz? Heimliche Aufnahmen von Tierschützern legen den Verdacht nahe. Der Staatsanwalt prüft.

          Es ist die erste Krise für die Regierung des neuen nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU): Zwei Wochen nach ihrer Ernennung zur Landwirtschaftsministerin steht die CDU-Politikerin Christina Schulze Föcking bereits heftig in der Kritik. Die RTL-Sendung „stern TV“ hatte am Mittwochabend heimlich von Tierschützern gefilmte Bilder vom Schweinemastbetrieb der Familie ausgestrahlt. Sie zeigen zum Teil stark verletzte Tiere mit angefressenen, entzündeten Schwänzen oder geschwollenen Gelenken in einem verdreckten Stall.

          Nach Angaben des Vereins „Tierretter“ waren die Aufnahmen Anfang März und Mitte Juni dieses Jahres gedreht worden. Die Ministerin äußerte sich auf Anfrage in einer knappen Mitteilung: „Der Betrieb hat eine umfassende Stellungnahme abgegeben, sehr offen und im Detail. Alle Vorgänge sind dokumentiert. Zudem hat sich mit dem Landkreis Steinfurt die für den Tierschutz zuständige Behörde klar geäußert.“

          Ihr Ehemann und Geschäftsführer des Betriebs, Frank Schulze Föcking, gestand in einer sechsseitigen Stellungnahme ein: „In einem kurzen Zeitraum des ersten Halbjahres 2017 kam es innerhalb der Mast des Betriebes zu außergewöhnlichen Krankheitsverläufen, die umfangreiche Handlungen zum Wohle der Tiere erfordert haben.“ Von 940 Ferkeln, die dem Betrieb im März geliefert worden und die „von Anfang an deutlich verhaltensauffälliger“ gewesen seien, seien 31 Tiere notgetötet worden oder verendet. Alle Kontrollen des Kreisveterinäramts und der Bestandstierärztin seien aber ohne Beanstandungen verlaufen.

          Grüne fordern indirekt Rücktritt

          Seinen Angaben zufolge ist seine Frau seit Anfang Juli nicht mehr an den Betrieben beteiligt. Die Staatsanwaltschaft Münster prüfe, ob ein Anfangsverdacht für einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vorliege, sagte Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf. Dies sei noch kein offizielles Ermittlungsverfahren. Anzeigen seien noch nicht bei der Staatsanwaltschaft eingegangen – weder von Tierschützern noch vonseiten der Familie Schulze Föcking wegen Hausfriedensbruchs.

          Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet überreicht am 30. Juni der Umwelt- und Landwirtschaftsministerin Christina Schulze Föcking (beide CDU) ihre Ernennungsurkunde

          Die im Tierschutz engagierte Albert Schweitzer Stiftung bereitet nach eigenen Angaben eine Strafanzeige vor und forderte in einer Mitteilung, die Ministerin zu entlassen. Die Grünen – die in der rot-grünen Vorgängerregierung den Minister für Landwirtschaft und Umwelt gestellt hatten – forderten die 40 Jahre alte staatlich geprüfte Landwirtin indirekt zum Rücktritt auf. „Als Landwirtschaftsministerin kann Frau Schulze Föcking nicht mehr glaubwürdig auftreten, als Tierschutzministerin ist sie völlig fehl am Platz“, betonte Landtagsfraktionschef Arndt Klocke in einer Mitteilung.

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