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Fall Mollath : Jetzt soll es auch einmal gut sein

Gustl Mollath: Glaubt das Gericht ihm oder seiner Frau? Bild: dpa

Sicher ist: Der Prozess gegen Gustl Mollath wird mit einem Freispruch enden. Und dieses Mal wird er auch in die Freiheit entlassen. Aber Mollath will mehr: einen Freispruch erster Klasse.

          „Freigesprochen bin ich schon“, sagt Gustl Mollath vor Beginn der Verhandlung am Freitag. Doch der Freispruch im ersten Strafprozess vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth hatte ihn noch für siebeneinhalb Jahre in die Psychiatrie gebracht. Ein Freispruch wird nun auch das Ergebnis des Wiederaufnahmeverfahrens vor dem Landgericht Regensburg sein. Dieses Mal wird Mollath auch in die Freiheit entlassen und bekommt eine Entschädigung.

          Helene Bubrowski

          Politische Korrespondentin in Berlin.

          So lauteten übereinstimmend die Plädoyers von Verteidigung und Staatsanwaltschaft. Doch wichtig für Mollath ist, welcher Begründung sich das Gericht anschließt: Sprechen die Regensburger Richter ihn frei, weil sie den Vorwurf, er habe seine Frau verletzt, eingesperrt und Reifen zerstochen, für nicht bewiesen halten? Oder erfolgt der Freispruch allein aus Rechtsgründen? Das sogenannte Verschlechterungsverbot verbietet es, dass das Urteil aus dem ersten Prozess zum Nachteil des Angeklagten geändert wird.

          Oberstaatsanwalt Wolfhard Meindl hält es für nachweisbar, dass Gustl Mollath seine Frau mit Fäusten geschlagen, ihr in den Arm gebissen und sie gewürgt und an einem anderen Tag eingesperrt habe. Zwar handele es sich um eine „klassische Situation von Aussage gegen Aussage“: Gustl Mollath bestreitet die Taten. Seine Frau Petra hat ihn in dem ersten Prozess schwer belastet; jetzt machte sie zwar von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Doch ihre früheren Aussagen dürfen verwertet werden – und der Oberstaatsanwalt hält die Frau für glaubwürdig. Zeugen für die Taten gibt es zwar nicht. Allerdings rekonstruiert der Ankläger in seinem mehr als vier Stunden dauernden Plädoyer das Tatgeschehen anhand der Aussagen zahlreicher Personen, die die Folgen der Taten belegen könnten: Die Lebensgefährtin von Petra Mollaths Bruder etwa habe vor der Haustür der Mollaths gestanden, als der Angeklagte seine Frau misshandelt habe.

          Kein „Vernichtungsfeldzug“

          Der Oberstaatsanwalt fordert das Gericht auf, sich bei der Urteilsfindung nicht von „Strömungen oder Meinungen“ leiten zu lassen. Der Angeklagte sei für seine Taten schuldig. Petra Mollath habe keinen „Vernichtungsfeldzug“ gegen ihren Mann geführt; ansonsten hätte sie die Taten deutlich drastischer dargestellt. „Kein Komplott“, die damaligen Ehepartner seien vielmehr an einen Punkt gelangt, „an dem sie einfach nicht mehr miteinander konnten“. Mollaths Unterstützer, die wieder zahlreich zur Verhandlung erschienen sind, hängen nach Auffassung Meindls Verschwörungstheorien an. „Solchen Hypothesen darf ich nicht folgen“, sagt Meindl – und verbessert sich sofort: „kann ich als Jurist nicht folgen“. Gelächter bei den Zuschauern. Sie glauben, es sei „von ganz oben angeordnet“, dass Meindl versuchen soll, die Reputation der Nürnberger Richter zu retten. Ein Urteil, so der Staatsanwalt weiter, müsse im Namen des Volkes gefällt werden. „Wer ist das Volk? Nur die Unterstützer von Herrn Mollath? Oder soll auch der Wunsch der Bevölkerung berücksichtigt werden?“

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