17.01.2009 · Die Spekulationen um Ungereimtheiten im „Fall Mannichl“ nehmen zu: Nach dem Mordanschlag auf den Passauer Polizeidirektor sei zu einseitig in der rechten Szene ermittelt worden, sagen Kritiker. Die NPD frohlockt schon, doch die Ermittler schweigen.
Von Friedrich SchmidtGinge es nach Bayerns Innenminister Herrmann (CSU), dann würden sich alle an der Aufklärung des Angriffs auf den Leiter der Passauer Polizeidirektion Alois Mannichl vor fünf Wochen beteiligten Kräfte zurückhalten. Mit „ständigem Geschwätz in der Öffentlichkeit“ werde die Arbeit der Ermittler nicht leichter, sagte er dieser Tage. Man mag das einen Ratschlag nennen. Das Bayerische Landeskriminalamt, das mittlerweile die Federführung der 50 Ermittler starken „Sonderkommission Fürstenzell“ übernommen hat, hält sich getreulich daran; ein Sprecher sagte der F.A.Z., man habe sich „selbst auferlegt“, nichts weiter zu der Sache zu sagen. Ohnehin gebe es „nichts Neues, was Relevanz hätte“. Man schweige „ganz bewusst“, um die Arbeit der Sonderkommission nicht zu behindern.
Anlass für den Appell des Ministers waren Aussagen von mancherlei Seite zu dem Fall. So sagte etwa der Präsident des Bundesamt für Verfassungsschutz, Heinz Fromm, seine Behörde habe keinerlei Erkenntnisse dafür, dass der Angriff auf Mannichl einen rechtsradikalen Hintergrund habe, mögliche Hinweise würde man „sofort weiterleiten“. Auch ein früherer sächsischer Innenminister meldete sich zu Wort und beklagte eine „vorschnelle Konzentration“ der Ermittlungen auf die rechtsextreme Szene.
Nach dem Angriff am frühen Abend des 13. Dezember war Mannichl zunächst von Staatsanwaltschaft und Politik unisono als Opfer neonazistischer Gewalt dargestellt worden, worauf auch etliche einschlägige Drohungen gegen Mannichl hindeuteten. Aus Ermittlerkreisen ist zu erfahren, dass zunächst auch nur in diese Richtung ermittelt wurde, obgleich üblicherweise alle möglichen Tathypothesen überprüft würden, schon um das Opfer vor Spekulationen zu schützen.
„Merkwürdigkeiten“ und Spekulationen
Das geschieht nun: Es gibt Stimmen, die es nach dem, was über die Tat bekanntgeworden ist, für möglich halten, dass Mannichl Opfer eines Familiendramas geworden ist - einer sogenannten Beziehungstat.
Dafür spreche, dass die Tatwaffe ein Messer aus Mannichls Haushalt ist; dass sie am Tatort im niederbayerischen Fürstenzell zurückgelassen wurde; dass Mannichl keine für einen Messerangriff typischen Abwehrspuren vorweise und auch keine fremden DNA-Spuren an seiner Kleidung gefunden worden seien; und dass solche Spuren auch am Messer nicht gefunden worden seien, obgleich nichts auf den Gebrauch von Handschuhen hindeute.
Die „Süddeutsche Zeitung“ zitierte den Passauer Oberstaatsanwalt Walch diesbezüglich mit dem Wort „Merkwürdigkeiten“; mittlerweile schweigt auch Walch. Derweil wurden wiederholt Mannichls Beobachtungen in Zweifel gezogen, weil er als erfahrener Ermittler Täter und Tathergang nicht genauer beschrieben habe.
Und auch die Aussagen einer Fürstenzellerin, die am Tattag ein Münchner Ehepaar aus der rechtsextremen Szene sowie zwei Männer mit Kreuz- und Schlangentätowierungen gesehen haben will, werden bezweifelt, da das Paar Alibis vorweisen konnte.
Die NPD frohlockt schon
Mannichl verteidigte sich daraufhin. Wenn es ums blanke Überleben gehe, denke man nicht darüber nach, welche Schuhgröße der Täter habe. Dunkel sei es gewesen, „da war nur die Beleuchtung von einem Busch“. Zudem sagte er, nur weil der Polizeidirektor das Angriffsziel ist, bestehe für den Täter keine Veranlassung, die Visitenkarte an der Haustür zu hinterlassen.
Und schließlich bestätigte er, dass er nach der Tat anonyme Briefe erhalten habe, in denen bedauert werde, dass er bei dem Angriff nicht ums Leben gekommen sei.
Innenminister Herrmann erstreckte, obgleich er nach Auskunft eines Sprechers durchaus Verständnis für die Situation des Opfers habe, seine Aufforderung ausdrücklich auch auf Mannichl: Dieser sei „gut beraten, die Ermittlungsarbeit seiner Kollegen nicht durch öffentliche Interview-Aussagen zu erschweren“. Offen frohlockt derweil der Passauer NPD-Vorsitzende, er könne „ausschließen, dass der Täter aus unseren Reihen stammt“.