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Fall Mannichl : Für die NPD ist der Polizeichef ein Feind

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Sicher ist: Alois Mannichl wollte das Treiben der Rechtsextremisten nicht hinnehmen. Nicht in Passau, wo sich NPD und DVU bis zum Abriss der Nibelungenhalle vor vier Jahren jahrzehntelang zu ihren Parteitagen getroffen hatten und die Polizei in den neunziger Jahren Straßenschlachten mit den linken Autonomen verhindern musste. Und nicht in seinem Heimatort Fürstenzell. Er macht den Kampf gegen die rechte Szene zu seiner persönlichen Sache. Für die NPD wird dieser Polizeichef zum Feindbild. „Er hat immer maßlos überzogen, hat Straßensperren errichtet und eine Hundertschaft in Gang gesetzt, wenn wir 15 Leute waren“, beschwert sich NPD-Mann Gabling. Die Internet-Seite der NPD Passau, die Gabling verantwortet, greift Mannichl immer wieder an.

Zuletzt geraten Gabling und der Polizeidirektor am 16. November, dem Volkstrauertag, aneinander. Die NPD marschiert auf einer Gedenkveranstaltung für die Gefallenen der Weltkriege auf dem Passauer Innstadtfriedhof auf, Mannichl ist mit seinen Leuten da, postiert sich genau vor Gabling, der stellt sich dann wieder vor den Polizeichef. Gabling behauptet am nächsten Tag auf der Internetseite: „Sichtlich verärgert, stellte sich nun Mannichl auf eine Grabplatte gefallener Soldaten und trampelt mit seinen Schuhen auf einem Gedenkgesteck herum.“ Mannichl erwirkt dagegen eine einstweilige Verfügung.

„Reichsgründungsfeier“ im „Bayrisch Venedig“

Vorausgegangen war im Sommer eine heftige Auseinandersetzung zwischen Mannichl und der rechtsextremen Szene. Am 26. Juli kommen etwa 90 Personen, darunter NPD-Chef Voigt, zur „Totenleite“, sprich Beerdigung von Friedhelm Busse nach Passau. Busse war ein Veteran der rechtsextremistischen Szene. Mit 16 hatte er sich freiwillig zur SS gemeldet. Er wird wegen seiner Radikalität in den siebziger Jahren aus der NPD ausgeschlossen, sitzt wegen Beihilfe bei einem Banküberfall und wegen Volksverhetzung im Gefängnis. Busse hatte vor wenigen Jahren die Mutter seiner Passauer Anwältin geheiratet. Die Beziehung dauert nur wenige Wochen, doch Busse bleibt in Passau.

Dort gerät Mannichl mit ihm aneinander, als Busse am 20. Januar 2007 eine „Reichsgründungsfeier“ der NPD im Lokal „Bayrisch Venedig“ besuchen will. Weil er eine Polizeisperre missachtet, lässt Mannichl ihn nicht in das Lokal, befördert ihn zurück ins Auto. Busse klagt gegen Mannichl. Das Treffen zur Reichsgründung soll der Immobilienmakler Günther Resch Senior, der seit langem in Passau bei DVU, NPD und nationalistischen Burschenschaften mitmischt, als „Geburtstagsfeier“ angemeldet haben.

NPD-Chef Voigt hält also an Busses Grab eine Rede, und der Hamburger Neonazi Thomas Wulff, der sich „Steiner“ nennt, legt eine verbotene SS-Reichskriegsflagge mit Hakenkreuz auf den Sarg. Mannichl nimmt ihn fest. Die Staatsanwaltschaft lässt die Flagge zwei Tage nach der Beerdigung als Beweisstück für ein Strafverfahren gegen Wulff „exhumieren“. Als ein Mann, der die Teilnehmer der Beerdigung fotografiert, von den Rechtsextremisten angegriffen wird, nimmt Mannichl mehrere Leute in Gewahrsam. Daraufhin ziehen etwa 30 Rechtsextremisten vor die Polizeiwache und als „Spontandemonstration“ durch die Passauer Innenstadt. Dabei wird eine asiatisch aussehende Frau von einem Rechtsextremisten ins Gesicht geschlagen.

Stiller Protest

An der Spitze des Demonstrationszuges läuft der 33 Jahre alte Manuel H. mit. Er und seine 22 Jahre alte Frau Sabrina H. werden am Dienstag in Münchner Stadtteil Sendling als mögliche Tatbeteiligte festgenommen, einen Tag später wird Haftbefehl gegen sie erlassen. Sabrina H. soll am Tattag in Fürstenzell gesehen worden sein. Das Pärchen gehört zu den „Autonomen Nationalisten“, jungen Rechtsextremen, die sich wie die linken Autonomen kleiden, denen die NPD eher zu lasch ist und die als besonders gewaltbereit gelten. Sie haben in jüngster Zeit Zulauf.

Alois Mannichl ist seit Freitag wieder zuhause in der Ringstraße. Er werde, so hat er beim Verlassen des Krankenhauses gesagt, weiter gegen Rechtsextremisten vorgehen. An diesem Montag wollen die Fürstenzeller mit einer Lichterkette stillen Protest gegen Gewalt üben.

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