Home
http://www.faz.net/-gpf-7balz
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Fall Gustl Mollath Gericht ordnet abermalige Begutachtung an

Ein externer Sachverständiger soll den gegen seinen Willen in der Psychiatrie untergebrachten Gustl Mollath beurteilen. Das entschied das Oberlandesgericht Bamberg.

© dpa Vergrößern Gustl Mollath im Juni vor seiner Vernehmung im Untersuchungsausschuss des Bayerischen Landtags

Im Fall des Gustl Mollath, der gegen seinen Willen in der Psychiatrie untergebracht ist, hat das Oberlandesgericht Bamberg am Dienstag eine neue Begutachtung durch einen externen Sachverständigen angeordnet. Der 1. Strafsenat des Oberlandesgerichts hob einen Beschluss des Landgerichts Bayreuth auf, das im Juni die Fortdauer der Unterbringung für notwendig gehalten hatte. Das Landgericht habe „die gebotene Sachaufklärung“ unterlassen. Eine sofortige Entlassung Mollaths lehnte der 1. Strafsenat allerdings ab, da noch die rechtliche Bindungswirkung des Urteils des Landgerichts Nürnberg-Fürth aus dem Jahre 2006 bestehe. Beim Landgericht Regensburg sind sowohl von der Staatsanwaltschaft als auch von Mollaths Verteidiger Anträge auf Wiederaufnahme des Verfahrens anhängig.

Albert Schäffer Folgen:    

Mollath war 2006 nach Vorwürfen, er habe seine Frau misshandelt und Reifen zerstochen, in die Psychiatrie eingewiesen worden. Er leide unter der Wahnvorstellung, „Schwarzgeldkreise“, in die seine damalige Frau verstrickt sei, hätten sich gegen ihn verschworen. Später stellte sich heraus, dass die Bank, bei der Frau Mollath beschäftigt war, bei einer internen Überprüfung schon 2003 zu dem Ergebnis gekommen war, alle „nachprüfbaren“ Behauptungen Mollaths träfen zu. In der Psychiatrie verweigerte sich Mollath einer Behandlung, weil er nicht verrückt sei. Das Landgericht Bayreuth stellte in seinem Beschluss im Juni diese Weigerung in den Mittelpunkt. Es führte auch noch aus, die Einholung einer Stellungnahme des Sachverständigen, der Mollath 2011 begutachtet hatte, sei nicht möglich; der Psychiater wolle sich nicht mehr äußern, da er mittlerweile Beschimpfungen ausgesetzt sei.

Das Oberlandesgericht Bamberg ist der Auffassung, dass das Landgericht Bayreuth nicht ausreichend berücksichtigt habe, dass der Sachverständige 2011 mit Blick auf Wahnvorstellungen Mollaths möglicherweise von Tatsachen ausgegangen sei, die nicht zuträfen. Mollath sei zudem durch die umfangreiche Berichterstattung in den Medien über seinen Fall zu einer öffentlichen Person geworden; auch deshalb sei die Einholung eines neuen Gutachtens erforderlich.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Bamberger Chefarzt Bin nicht Dr. Pervers

Ein ehemaliger Chefarzt soll zwölf junge Frauen am Bamberger Klinikum missbraucht haben. Vor Gericht bestreitet er die Vorwürfe. Er spricht von Forschungsarbeit. Mehr

14.04.2015, 20:08 Uhr | Gesellschaft
Düsseldorf Mehrjährige Haftstrafen für Düsseldorfer Zelle

Das Oberlandesgericht in Düsseldorf hat am Donnerstag sein Urteil im Al-Quaida-Prozess gesprochen. Die vier Angeklagten wurden zu Freiheitsstrafen zwischen viereinhalb und neun Jahren verurteilt. Mehr

13.11.2014, 18:00 Uhr | Politik
Großfahndung Zwei Straftäter fliehen aus Psychiatrie

Sie nahmen zwei Mitarbeiter als Geiseln und drohten ihnen Gewalt an: Zwei Männer sind aus einer Psychiatrie in Hessen entkommen. Die Polizei warnt davor, Anhalter mitzunehmen und sucht mit einem Hubschrauber. Mehr

26.04.2015, 20:10 Uhr | Rhein-Main
Drei Jahren und neun Monate Deutscher IS-Kämpfer zu Haftstrafe verurteilt

Das Frankfurter Oberlandesgericht hat einen Kämpfer der Extremistenmiliz Islamischer Staat wegen der Beteiligung am syrischen Bürgerkrieg zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Die Richter blieben damit nur knapp unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Mehr

05.12.2014, 15:19 Uhr | Politik
Prozess gegen Bushido Hast du Töne?

Der Rapper Bushido muss sich gegen den Vorwurf wehren, er habe bei einigen seiner Lieder abgekupfert. Vor dem Bundesgerichtshof hat er nun einen Sieg errungen. Ist er damit aus dem Schneider? Mehr

16.04.2015, 19:49 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 16.07.2013, 16:37 Uhr

Entscheidung mit Beigeschmack

Von Reinhard Veser

Polen lässt die „Nachtwölfe“ nicht ein- beziehungsweise durchreisen. Ihre Fahrt nach Berlin zum „Gedenken an das Weltkriegsende“ ist damit schneller zu Ende als gedacht. Ein kleiner Nachgeschmack bleibt, aber die Entscheidung ist richtig so. Mehr 8 15