02.06.2006 · Fast sieben Wochen nach dem Überfall auf einen Deutsch-Äthiopier in Potsdam ist jetzt auch der zweite Tatverdächtige wieder auf freiem Fuß. Über eine Beschwerde der Staatsanwaltschaft soll erst nach Pfingsten entschieden werden.
Fast sieben Wochen nach dem Überfall auf einen Deutsch-Äthiopier in Potsdam ist jetzt auch der zweite Tatverdächtige, Björn L., wieder auf freiem Fuß.
Das Amtsgericht Potsdam habe den Haftbefehl wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung ausgesetzt, teilte die Staatsanwaltschaft Potsdam am Freitag mit. Der 29 Jahre alte Mann müsse sich aber täglich bei der Polizei melden.
„Kein Anreiz zur Flucht“
Die Staatsanwaltschaft legte Beschwerde gegen die Entscheidung ein. Darüber werde das Landgericht aber erst nach Pfingsten entscheiden.
Eine Tötungsabsicht könne den beiden Verdächtigen im Fall des lebensgefährlich verletzten Deutsch-Afrikaners nicht mit der erforderlichen Sicherheit nachgewiesen werden, lautet die Begründung. Daher entfalle die Zuständigkeit der Bundesbehörde.
Nach Angaben des Anwalts des Verdächtigen handelt es sich aus Sicht der Ermittlungsrichterin bei dem Angriff vom Ostersonntag nicht um eine ausländerfeindliche Tat. „Sie setzte den Haftbefehl außer Vollzug, da die Straferwartung nicht so hoch sei, daß diese einen Fluchtanreiz bieten könnte“, sagte der Anwalt von Björn L., Veikko Bartel. Sein Mandant bestreite nach wie vor jegliche Tatbeteiligung.
Die Staatsanwaltschaft geht laut einem Sprecher nach wie vor davon aus, daß Fremdenfeindlichkeit bei dem Übergriff zumindest eine Rolle spielte. Ein zweiter, 30 Jahre alter Verdächtiger, ist bereits seit dem 23. Mai auf freiem Fuß. Das 37 Jahre alte Opfer, der deutsche Ingenieur äthiopischer Abstammung Ermyas M. war bei dem Übergriff an Ostern lebensgefährlich verletzt worden.
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