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F.A.Z. exklusiv : Versäumnisse der Behörden in Missbrauchsfall in Südbaden

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Vom südbadischen Staufen aus bot Christian L. den Sohn seiner Lebensgefährtin mehreren Freiern an. Bild: dpa

Ermittler nehmen einen Pädophilen-Ring um einen vorbestraften Sexualstraftäter hoch. Er hatte den neunjährigen Sohn seiner Freundin an Freier vermietet. Nun gibt es Hinweise auf grobe Fehler der Behörden.

          Nach der Aufdeckung des Freiburger Pädophilen-Rings gibt es nach Recherchen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Hinweise auf deutliche Versäumnisse der Behörden. 

          Die Familiengerichte bestellten für das Kind keinen Verfahrensbeistand und hörten es bei der Entscheidung, es wieder in die Familie zurückzugeben, nicht an. Ein Verfahrensbeistand muss zur Wahrnehmung der Interessen des Kindes bestellt werden, es sei denn, die Interessen des Sorgeberechtigten decken sich mit den Interessen des damals sieben Jahre alten Jungen. Das Oberlandesgericht sah nach eigenen Angaben einen Interessengegensatz zwischen Mutter und Kind „nicht ansatzweise“. Von einer Gefährdung des Kindeswohls waren die Richter nach Angaben der Gerichtssprecherin deshalb nicht ausgegangen, weil sich Christian L. zuvor nur an Mädchen vergangen hatte. Nach Informationen dieser Zeitung hat der Anwalt des Hauptbeschuldigten in dem familienrechtlichen Verfahren in erster Instanz mit einem psychiatrischen Gutachten versucht nachzuweisen, dass er als Pädophiler an Jungen kein sexuelles Interesse hat.

          Vor einer Woche hatten Ermittler aus Frankfurt, Freiburg sowie Kiel acht Verdächtige festnehmen lassen, die Mitglieder eines Pädophilen-Rings gewesen sein sollen. Der 39 Jahre alte Hauptverdächtige Christian L. und dessen 47 Jahre alte Lebensgefährtin sollen den neun Jahre alten Sohn der Frau an Freier vermietet und selbst sexuell missbraucht haben. Familienrichter am Landgericht Freiburg und am Oberlandesgericht Karlsruhe hatten gegen eine Inobhutnahme des Kindes entschieden, weil sie keine Anhaltspunkte für einen sexuellen Missbrauch erkennen konnten und auf die Mutter vertraut hatten. Sie hätte das für ihren einschlägig vorbestraften Lebensgefährten verhängte Kontaktverbot kontrollieren müssen; es stellte sich später heraus, dass die Frau sich aktiv am Missbrauch ihres Sohnes beteiligt hatte.

          Der baden-württembergische Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) sagte der F.A.Z., es dürfe keine pauschalen Urteile geben, die Vorgänge müssten nun „gründlich, transparent und zügig“ untersucht werden. „Jugendhilfe ist zwar eine weisungsfreie Pflichtaufgabe der Kommunen, dennoch müssen wir jetzt alle genau hinschauen, ob wir Nachbesserungsbedarf haben.“ Lucha forderte, Kinderrechte im Grundgesetz zu verankern.

          Ein Sprecher des zuständigen Landratsamtes Breisgau-Hochschwarzwald kündigte eine „inhaltliche Aufarbeitung“ des Falls an, die gemeinsam mit den Gerichten vorbereitet werde. „Die Aufarbeitung soll auch die Frage der Kontrolle gerichtlicher Auflagen mit umfassen. Die gemeinsame Besprechung und Analyse wird zeitnah stattfinden“, heißt es in einer Mitteilung des Landratsamtes und der in den Fall involvierten Gerichte.

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