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Geheimnisverrat an Islamisten : Der merkwürdige Maulwurf Roque M.

„Das war ein Spiel“: Der frühere Banker und Verfassungsschützer erklärt sich dem Gericht. Bild: dpa

Roque M. kam als Quereinsteiger zum Verfassungsschutz, um Dschihadisten zu observieren. Dann gab er einem vermeintlichen Islamisten Interna preis – angeblich aus Langeweile.

          Geheimdienste geben nur äußerst ungern Interna preis. Ende November aber rief das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) mit einer Nachricht in eigener Sache erhebliches Aufsehen hervor. Man habe einen mutmaßlichen Islamisten enttarnt, hieß es damals. Der Mann, der erst seit April 2016 als verdeckter Aufklärer in der gewaltbereiten Salafistenszene gearbeitet hatte, habe unter falschem Namen einem Internetchatpartner Amtsgeheimnisse verraten und vorgeschlagen, Dschihadisten für einen Anschlag „in Allahs Sinne“ Zugang zum BfV-Gebäude in Köln-Chorweiler zu verschaffen. Vom ersten islamistischen Maulwurf im deutschen Geheimdienst war im vergangenen Herbst die Rede.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) zeigte sich alarmiert und doch auch erfreut. Denn der mutmaßliche Islamisten-Spion war beim Internetchat einem Kollegen aus dem eigenen Haus auf den Leim gegangen. Die Sicherungssysteme des BfV schienen also zu funktionieren. Höchst beunruhigend war freilich die Einschätzung, der Deutsch-Spanier Roque M. sei vom Verfassungsschutz unbemerkt zum Islam konvertiert und habe sich in rasender Geschwindigkeit radikalisiert. Auch zur Ausreise nach Syrien sei er bereit gewesen, glaubten die Sicherheitsbehörden damals. Jedenfalls war von allerlei „mystischen Andeutungen“ des Mannes die Rede.

          Seit Dienstag muss sich der 1965 im spanischen Almería geborene, aber in Deutschland aufgewachsene Roque M. nun vor dem Landgericht Düsseldorf verantworten – allerdings „nur“ wegen versuchten Geheimnisverrats. Anders als die Staatsanwaltschaft Düsseldorf sieht das Gericht keinen hinreichenden Tatverdacht, dass M. tatsächlich dazu bereit war, sich an einem Anschlag auf die Verfassungsschutzzentrale zu beteiligen oder sich einer dschihadistischen Gruppierung in Syrien anzuschließen. Deshalb hat das Gericht die Anklage nur teilweise zugelassen.

          Roque M. selbst gibt gleich zu Prozessbeginn zwar zu, in dem Chat Informationen etwa zu seinen geheimen Einsatzorten verraten zu haben. Doch das sei alles nur ein Spiel aus Langeweile gewesen. Nie im Leben hätte er sich mit einem Islamisten getroffen. „Das Ganze hat sich zu Hause auf dem Sofa abgespielt, während ich auf meinen schwerbehinderten Sohn aufgepasst habe.“ Auch sein Angebot zu einem konspirativen Treffen in einem Krefelder Fitnessstudio (unter der Dusche, damit man nicht abgehört werden könne, wie er im Chat schrieb) sei nur ein Spaß gewesen, eine „Flucht aus der Realität“.

          Pornofilme, Klöster – Roque M. interessiert sich für Vieles

          Aus Langeweile will sich Roque M. auch dem Verfassungsschutz zugewandt haben. Mehr als 30 Jahre lang war M. bei einer Volksbank am Niederrhein angestellt. Vom Lehrling arbeitete er sich zum Leiter der Marketingabteilung hoch. Doch der gutbezahlte Job und sein geregeltes Leben mit Frau und vier Kindern füllte ihn nicht aus. Wenn man auf die 50 zusteuere, frage man sich, ob das so weitergehen solle bis zur Rente, sagt M. Da sei er auf 2014 eine Zeitungsanzeige gestoßen, mit der das BfV Seiteneinsteiger suchte.

          Eineinhalb Jahre lang zog sich sein Bewerbungsverfahren hin. Mehrfach musste sich M. Tests unterziehen, auch sein Umfeld wurde intensiv durchleuchtet, doch den Spezialisten fiel nichts auf. Die Tätigkeit beim BfV „war spannend, was Neues, ein super Arbeitgeber zudem und nette Kollegen“, sagt M. Doch an den Wochenenden sei es wie immer gewesen, weil er zu Hause auf seinen behinderten Sohn habe aufpassen müssen. „Da sitzt man mit seinem Handy, kann nichts machen und ist wieder im Internet auf der Flucht in irgendwelche Welten.“

          Auf Vorhalt des vorsitzenden Richters gibt M. zu, dass er vor zehn Jahren im Netz mit der obskuren „Nordic Brotherhood“ in Kontakt stand und sogar anbot, eine regionale Filiale der Odin-Jünger zu eröffnen. Wie die Sache mit den Islamisten sei auch das nicht ernst gemeint gewesen. „Ich habe mich schon für vieles interessiert“, sagt M. „Es gibt so Sachen, die interessieren einen. Dann steigert man sich rein, dann ist es wieder langweilig.“

          Auch die Welt der Klöster erschloss sich M. zunächst über das Internet. In einem Kloster mietete er sich für zwei Wochen ein, hielt es dort dann aber nur ein paar Tage aus. Auch bei einer anderen, ihn faszinierenden Sache beließ es M. bei nicht virtuellen Rollenspielen. Als Ermittler nach seiner Festnahme seine Wohnung durchsuchten, stießen sie auf Porno-Filme, in denen er als Darsteller agiert.

          Quelle: F.A.Z.

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