Dresden ist vorbereitet und erwartet mit offenen Armen seine Gäste zum 33. Deutschen Evangelischen Kirchentag. 13.000 Betten in Privatquartieren sind gerichtet. Zehntausende Besucher werden auf Matratzen und Isomatten in Schulen und Turnhallen nächtigen. Alle Hotels und Pensionen sind für die nächsten Tage ausgebucht. Auf den freien Plätzen in der Innenstadt und an der Elbe leuchten den Besuchern weiße Zeltburgen und Bühnen entgegen. Dort werden Vorträge gehalten, Diskussionen geführt, Essen ausgegeben, Helfer organisiert. Die ganze Stadt scheint für die zweite Wochenhälfte fest im Griff des Kirchentages zu sein, der zum ersten Mal in Dresden zu Gast sein wird. Selbst das Wetter soll mitspielen. Der Deutsche Wetterdienst sagt trockenes Wetter voraus. „Nicht zu heiß und nicht zu kalt“ soll es werden.
Mehr als 110.000 Dauerteilnehmer haben sich angemeldet. Für diesen Mittwochabend, dem traditionellen Abend der Begegnung, werden 300.000 Besucher erwartet. Dann sind viele Dresdner mit dabei und viele Sachsen, die wie überhaupt die Ostdeutschen aus dem Mutterland der Reformation einen großen Teil der Besucher ausmachen. Dem Abend der Begegnung kommt in Dresden eine besondere Bedeutung zu. Unterschiedliche, teils sogar gegensätzliche Weltsichten sollen nicht aufeinanderprallen, sondern miteinander in Kontakt kommen. Nur jeder fünfte Sachse gehört der evangelischen Kirche an, so hat das Institut für Marktforschung in Leipzig im Auftrag der Wochenzeitung „Zeit“ unter tausend repräsentativ ausgewählten Sachsen erfragt. Sechzig Prozent der Befragten geben an, nie zu beten. Nur ein Drittel glaubt an Gott. Jeder Zweite meint, dass ein Kruzifix nichts an einem öffentlichen Ort zu suchen habe. Deshalb dürfte die Begegnung von Nichtchristen und Christen zum eigentlichen Thema des Kirchentages werden.
„Aufwachen aus einer Lethargie“
Dennoch werde der Kirchentag nicht zu einer großen Missionsveranstaltung werden, sagte die Präsidentin des Kirchentages, Katrin Göring-Eckardt, kürzlich. Jedenfalls werde es „nicht so sein, dass Passanten auf der Straße angesprochen werden, mit einer Eintrittserklärung zur evangelischen Kirche in der Hand wie bei der Werbung um ein Zeitschriften-Abo“. Wenn aber Christen unterwegs seien, sagte Frau Göring-Eckardt, hofften sie immer, andere Menschen mit ihrer Begeisterung anstecken zu können. Einen Impuls für den Glauben erhofft sich der lutherische Landesbischof von Sachsen, Jochen Bohl, und mit den evangelischen Christen freut sich auch der katholische Bischof Joachim Reinelt auf das große Fest, „denn dieses Land braucht Signale, um aufzuwachen aus einer Lethargie“. Zur katholischen Kirche bekennen sich in Sachsen gerade einmal vier Prozent.
Die großen Themen, die die politischen Diskussionen bestimmen, werden auch den Kirchentag beherrschen. „Wir wollen den großen Zusammenhang von Klima und Wirtschaftswachstum aufzeigen und die Frage stellen, wo wollen wir eigentlich Wachstum und wo nicht?“, sagt Frau Göring-Eckardt. „Das sind die Krisen, die nach dem Empfinden vieler Menschen Schlag auf Schlag kommen und kaum Zeit zum Luftholen lassen.“ So werden die Finanz- und Wirtschaftskrise, die Krise des Euro und das Atomunglück in Fukushima in mehr als 2000 Veranstaltungen, Andachten und vielfältigen Darstellungen erörtert werden.
Die üblichen Empörungsthemen
Derartige Themen und eine solch große Versammlung von Menschen locken auch zahlreiche Politiker aus dem nahen Berlin an die Elbe. So werden der Bundespräsident und die Bundeskanzlerin zu und mit den Kirchentagsbesuchern sprechen. Die Sächsische Landesregierung so wie die politischen Parteien laden zu Empfängen aus Anlass des Kirchentages. Für die Fraktion der Linkspartei im Sächsischen Landtag war der Kirchentag auch Grund, die Frage zu stellen, ob Die Linke ein neues Verhältnis zur Religion brauche. Die politische Linke tut sich schwer mit diesem Thema.
Die Diskussion kam kaum über die Finanzfragen hinaus. Ausführlich erörtert und nachgerechnet wurde, wie viel Geld die Kirchen aus öffentlichen Kassen erhielten, dass etwa der Kirchentag zu mehr als 50 Prozent aus öffentlichen Mitteln und Zuschüssen finanziert werde und dass die Schuld aus den Enteignungen der Kirchen schon 1963 abbezahlt worden sei. Das sind die üblichen Empörungsthemen. Über die kulturellen Leistungen der Kirchen für den Staat, über mögliche Berührungspunkte oder gar Gemeinsamkeiten wurde kaum gesprochen. Auch dafür wird der Kirchentag viele Gelegenheiten bieten.
Mir fallen diese naiven Betschwestern wie die Goehring
karin stutz (strohausen)
- 31.05.2011, 23:29 Uhr
Die Evangelische Kirche macht sich überflüssig
Ulrich Mayer (Bayer01)
- 01.06.2011, 00:59 Uhr
Verkommen
Dieter Weitzel (DieterWeitzel)
- 01.06.2011, 09:15 Uhr
Religionsfreiheit
Dirk Ludigs (derfrontmann)
- 01.06.2011, 09:47 Uhr
Militante Athesiten
A K (AlfaKilo)
- 01.06.2011, 10:47 Uhr