17.07.2010 · Die Bischöfin der evangelischen Nordelbischen Kirche, Maria Jepsen, hat in Hamburg ihren Rücktritt erklärt. Ihr war vorgeworfen worden, Missbrauchsvorwürfen gegen einen Ahrensburger Pastor nicht energisch genug nachgegangen zu sein.
Von Reinhard Bingener und Uta RascheDie Hamburger Bischöfin Maria Jepsen ist am Freitag von ihrem Amt zurückgetreten. „Meine Glaubwürdigkeit wird angezweifelt. Von daher sehe ich mich nicht in der Lage, die frohe Botschaft so weiterzusagen, wie ich es bei meiner Ordination und bei meiner Bischofseinführung vor Gott und der Gemeinde versprochen habe“, begründete sie ihren Entschluss auf einer Pressekonferenz in Hamburg. Als neben Gerhard Ulrich zweite Bischöfin der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche stand Frau Jepsen dem Sprengel Hamburg und Lübeck vor.
Gegen die 65 Jahre alte Bischöfin war der Vorwurf erhoben worden, sie sei Hinweisen auf sexuellen Missbrauch von Jugendlichen durch einen Pastor aus Ahrensburg nicht energisch genug nachgegangen. Drei der fünf Stiefsöhne des Mannes sowie eine Frau, ein früheres Mitglied einer Jugendgruppe, warfen dem Pfarrer vor, er habe in den späten siebziger und frühen achtziger Jahren gegen ihren Willen sexuellen Kontakt zu ihnen gehabt. Bischöfin Jepsen wurde laut Medienberichten im Jahr 1999 aufmerksam gemacht auf die Verfehlungen des Pastors, der sich mittlerweile im Ruhestand befindet.
Kirchenleitung bedauert Jepsens „persönliche Entscheidung“
Bischof Ulrich äußerte im Namen der Kirchenleitung, man bedaure die „persönliche Entscheidung“. Es sei eine „besondere Tragik“, dass Maria Jepsen mit ihrem Rücktritt Verantwortung für etwas übernehme, „das ihr in keiner Weise als persönliche Schuld angelastet werden kann und darf“. Die Bischöfin habe im Rahmen ihrer Verantwortung getan, was nötig war. Ulrich gestand ein, dass die Kirche im Fall des beschuldigten Pastors nicht angemessen mit Informationen umgegangen sei.
Im Skandal um sexuellen Missbrauch ist erstmals eine ranghohe Vertreterin der evangelischen Kirche zurückgetreten: Maria Jepsen gab am Freitag ihr Amt als Bischöfin der Nordelbischen Kirche auf.
Maria Jepsen wurde im Jahr 1992 als erste Frau der Welt zu einer lutherischen Bischöfin gewählt. Sie galt als progressive Vertreterin einer politisch engagierten Kirche, die sich für die Belange Benachteiligter einsetzt. Der amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, würdigte am Freitag die Verdienste Maria Jepsens und verwies besonders auf ihr Engagement für eine „neue Sicht auf Menschen mit homosexueller Prägung“.