http://www.faz.net/-gpf-7947n
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 14.05.2013, 17:00 Uhr

„Euro Hawk“ Hohe Kosten trotz gescheiterten Kaufs

Die Bundeswehr wird die Drohne „Euro Hawk“ nicht anschaffen. Der Abbruch des Beschaffungsvorhabens kostet den Steuerzahler 250 Millionen Euro.

© dpa Wird nicht mehr für die Bundeswehr fliegen: Der „Euro Hawk“, hier 2011 auf dem Stützpunkt Manching

Der Abbruch des Beschaffungsvorhabens Euro Hawk wird die Bundeswehr rund 250 Millionen Euro kosten. Aus der Leitung des Verteidigungsministeriums hieß es am Dienstag in Berlin, insgesamt habe das Kostenvolumen für die Aufklärungsdrohnen mit großer Reichweite mehr als eine Milliarde Euro betragen sollen.

Da sich jetzt aber herausgestellt habe, dass die von einem amerikanischen Hersteller bestellten unbemannten Flugzeuge nur unter hohem finanziellen Aufwand und nicht mit Sicherheit für den deutschen Luftraum zugelassen worden wären, habe man „die Reißleine gezogen“. Es hieß, die amerikanischen Vertragspartner hätten Zusicherungen nicht erfüllen können, die in den Lieferverträgen gemacht worden seien.

Das Aufklärungsradar, dass in den Fluggeräten eingebaut war, will die Luftwaffe aber behalten und auf andere fliegende Plattformen montieren. Auch für diese Elektronik wurden rund 250 Millionen Euro investiert, die nun aber nicht als verloren gebucht werden. Nach den abgeschlossenen Verträgen hatte das Verteidigungsministerium vier weitere dieser Fluggeräte zu einem Preis von weiteren 519 Millionen Euro beschaffen wollen, diese Ausgaben würden nun nicht mehr getätigt. Zur Begründung für den Abbruch der Beschaffung hieß es unter anderem, dass die Luftwaffe von der amerikanischen Seite nicht mit allen Unterlagen über das Fluggerät ausgestattet worden sei. Unter anderem seien die Steuerungsgeräte für die Drohnen, die in Amerika verwendet wurden, nicht exportfähig gewesen. Die deutschen Testflüge für den Euro Hawk hätten deswegen noch vor kurzem von den Vereinigten Staaten aus vorbereitet werden müssen.

Der Beschaffungsstopp für den Euro Hawk wird auch Auswirkungen auf das andere Drohnen-Beschaffungsprojekt der Bundeswehr haben. Der geplante Kauf von bewaffnungsfähigen Drohnen mittlerer Reichweite, die gegenwärtig von einem israelischen und einem amerikanischen Hersteller angeboten werden, könne erst vollzogen werden, wenn Klarheit darüber herrsche, dass diese Fluggeräte auch für den deutschen Luftraum zugelassen werden könnten, hieß es aus dem Verteidigungsministerium. Gegenwärtig nutzt die Bundeswehr unbewaffnete Drohnen des israelischen Typs Heron ausschließlich im afghanischen Luftraum.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z./Lt.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Nach den Anschlägen Wie gut ist Deutschland gegen den Terror gerüstet?

Nach den Anschlägen in Bayern wird über eine Verschärfung der Sicherheitsgesetze diskutiert. Auch der Einsatz der Bundeswehr im Inneren steht zur Debatte. Dabei ist vieles jetzt schon möglich, um Terror zu bekämpfen. Eine Analyse. Mehr Von Reinhard Müller

28.07.2016, 15:41 Uhr | Politik
Achtung Spion! Satellit zur Überwachung ins All geschickt

Eine amerikanische Trägerrakete hat einen Satelliten zur geheimdienstlichen Überwachung über der Erde positioniert. Die Atlas-V-Rakete startete von Cape Canaveral in Florida aus. Der Satellit soll Daten für das Nationale Aufklärungsamt der Vereinigten Staaten sammeln. Das ist eine von mehreren Geheimdienstbehörden in Amerika und versorgt auch das Verteidigungsministerium mit Informationen. Mehr

29.07.2016, 13:57 Uhr | Wissen
Borussia Dortmund in China Fußball Made in Germany auf Tour

Mehr als eine Übungseinheit Tai-Chi und Vermittlung chinesischer Schriftzeichen: Borussia Dortmund eröffnen sich bei der Reise nach China beste Perspektiven. Mehr Von Marvin Binz, Schanghai

27.07.2016, 09:39 Uhr | Sport
Barack Obama Möglich, dass Russland sich in Wahlkampf einmischt

Präsident Barack Obama hat in einem Fernsehinterview erklärt, dass er den Versuch einer Einmischung Russlands in den amerikanischen Wahlkampf nicht ausschließe. Hintergrund ist die Hacker-Affäre um Tausende E-Mails aus der Führungsspitze der Demokraten. Experten vermuten Russland hinter der Veröffentlichung. Mehr

27.07.2016, 08:19 Uhr | Politik
Studie Ein Fünftel der Deutschen bereut Elternschaft

Nach einer neuen Studie des Meinungsforschungsinstituts YouGov bereut es jedes fünfte Elternpaar, ein Kind bekommen zu haben. Der Liebe für den Nachwuchs tut das aber offenbar keinen Abbruch. Mehr

28.07.2016, 12:28 Uhr | Gesellschaft

Den Terror heroisieren?

Von Reinhard Müller

Die Medien müssen darüber informieren, wie sich die Terroristen sehen. Ihre Bildersprache und Selbststilisierung muss deshalb niemand übernehmen. Mehr 9 17