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Unterkunft für Flüchtlinge : Bauen zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Notunterkünfte: Zelte für Flüchtlinge auf einem Parkplatz in Köln Bild: dpa

Das Erzbistum Köln würde in einem früheren Kloster gerne Wohnungen für Flüchtlinge errichten. Doch so einfach ist das nicht.

          Die vier letzten Ordensfrauen hatten das Kloster im Kölner Stadtteil Kalk zu Beginn des Jahres verlassen, die Verwaltung suchte nach Unterbringungsmöglichkeiten für die 200 Flüchtlinge, die Monat für Monat nach Köln kommen, die katholische Kirche wollte nicht abseitsstehen. Im Dezember 2013 wurden sich Stadtverwaltung, Bezirksvertretung und das Erzbistum Köln einig: Auf dem Areal des ehemaligen Klarissenklosters sollte eine Wohnanlage entstehen, in der Flüchtlinge ebenso willkommen sind wie alteingesessene Kölner und alle anderen, die es werden wollen.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Ende Mai 2014 lud das Erzbistum nach Kalk ein, um den Finanzplan 2014 samt dem erstmals bilanzierten Immobilienvermögen vorzustellen. Die Außenanlagen des ehemaligen Klosters sind verwildert, die baufälligen Räumlichkeiten notdürftig hergerichtet. Wieder ist davon die Rede, dass das Ensemble einer integrativen Flüchtlingswohnanlage weichen solle, zumal die Stadt dem Zustrom der Flüchtlinge noch weniger Herr wird als im Winter.

          Doch gebaut worden war in Kalk nicht. Das in den 1920er Jahren errichtete Ensemble war 1982 als Baudenkmal eingetragen worden, der Abriss der einzigen Klosteranlage im rechtsrheinischen Köln war am Veto der staatlichen Denkmalpflege und des Stadtkonservators gescheitert. Dass die ehemalige Schwesternwohnanlage mit ihren fünf Quadratmeter großen Zellen für andere als klösterliche Lebensformen unbrauchbar ist, tat nichts zur Sache. Schließlich trat auch noch der Baudezernent auf den Plan: Gleich ob Abriss oder ein aufwendiger Umbau, nichts dürfe ohne qualifizierte Ausschreibung mit Entwürfen von mehreren Büros passieren.

          Symptom des Immobilienmarkts

          Werner Dacol steht die Fassungslosigkeit ins Gesicht geschrieben. Denn was wie eine Lokalposse anmutet, ist Symptom einer Entwicklung auf dem Immobilienmarkt, die das Zeug hat, die Sympathie und Hilfsbereitschaft zu brechen, die den Flüchtlingen vielerorts entgegenschlägt: Was eine fast autistisch agierende Verwaltung nicht verhindert, scheitert fast zwangsläufig an politischen Vorgaben.

          Dacol ist Geschäftsführer der Aachener Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft, mit rund 25.000 Wohnungen das größte kirchliche Immobilienunternehmen in Deutschland. Anteilseigner sind mehrere westdeutsche Bistümer, allen voran das Erzbistum Köln. Und kaum eine Woche vergeht, in der der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki nicht zur Solidarität mit Flüchtlingen aufruft.

          Doch zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft eine Lücke, die von Tag zu Tag größer wird, und das, obwohl die „Aachener“ wie so viele kircheneigene Siedlungswerke nach dem Zweiten Weltkrieg auch deswegen gegründet wurde, um Flüchtlingen und Vertriebenen zu erschwinglichem Wohnraum zu verhelfen.

          Was die Politik beschließt, treibt die Preise

          „Der Satzungszweck wird nach wie vor erfüllt“, sagt Dacol. Fast drei Viertel der Wohnungen befinden sich in den Ballungsräumen Köln, Düsseldorf und Berlin, trotzdem zahlen die Mieter im Durchschnitt einen Mietzins pro Quadratmeter, der fünf Euro leicht übersteigt und damit die ortsüblichen Mieten um etwa die Hälfte unterbietet.

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