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Erwin Huber Bienenfleißig an die Parteispitze

29.09.2007 ·  Der neue CSU-Vorsitzende hat einen beschwerlichen Lebensweg zurückgelegt und musste sich alles hart erarbeiten. Auch Erwin Hubers neues Amt wird kein leichtes: Mit solch einer Doppelspitze hat die CSU in ihrer jüngeren Geschichte keine Erfahrung. Von Albert Schäffer.

Von Albert Schäffer, München
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Ein langer Emanzipationsprozess hat mit der Wahl Erwin Hubers zum CSU-Vorsitzenden seinen Abschluss gefunden. Viele Jahre war Huber ein getreuer Gefolgsmann Edmund Stoibers. Es war Huber, der als Leiter der Staatskanzlei die rigorose Verwaltungsreform exekutierte, für die Stoiber bei seinem Kreuther Sturz die Quittung präsentiert bekam. Es war Huber, der den harschen Sparkurs stützte, mit dem Stoiber einen ausgeglichenen Haushalt erreichen wollte. Es war Huber, der die Speerspitze Stoibers in Berlin bildete - stets darauf bedacht, das Gewicht Bayerns zu mehren.

Die große Zäsur kam im Herbst 2005 nach der Bundestagswahl, als Stoiber zunächst als Minister für Wirtschaft und Technologie ins Kabinett Merkel nach Berlin wechseln wollte, dann aber verkündete, in München zu bleiben. Huber hatte in der Zeit des Interregnums sich einen erbitterten Kampf mit seinem Rivalen Günther Beckstein um das Amt des Ministerpräsidenten geliefert und musste nun feststellen, dass es sich nur um eine virtuelle Auseinandersetzung gehandelt hatte. Weder er noch Beckstein brachten den Mut auf, dem Rückkehrer Stoiber zu bedeuten, er solle sich mit ihnen einer Abstimmung in der CSU-Landtagsfraktion stellen. Auch die Sorge, die CSU in ein Schisma zu treiben, mag eine Rolle gespielt haben. Huber wechselte von der Staatskanzlei in das bayerische Wirtschaftsministerium - und wartete.

Die Gefahr, die Stoiber nicht erkannte

Seine Stunde schlug im Januar in Kreuth, als er mit Beckstein die Ämter Stoibers aufteilte, getragen vom Unmut, der sich in der CSU-Landtagsfraktion angestaut hatte. Spätere Historikergenerationen mögen einmal erkunden, warum Stoiber die Gefahr nicht erkannt hatte, die es bedeutete, gleich zwei von ihm Düpierte in seiner Nähe zu belassen. Nicht die Härte aufgebracht zu haben, nach seiner Rückkehr Beckstein und Huber unter der unverfänglichen Überschrift „Verjüngung der CSU“ aus den Sphären der Macht verbannt zu haben, brachte Stoiber zu Fall; das Geplänkel um die Fürther Landrätin Gabriele Pauli und ihre Vorwürfe, ihr Privatleben sei von der Staatskanzlei ausgeforscht worden, waren nur der Anlass, auf den die Kreuther Putschisten gewartet hatten.

Huber fiel unter ihnen der weit weniger dankbare Teil zu. Während Beckstein ein neuer Kunstgriff in der Demokratiegeschichte gelang, indem er medial als „designierter“ Ministerpräsident gefeiert wurde, ohne dass ein Gremien- oder Fraktionsbeschluss gefallen war, musste sich Huber gegen Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer durchsetzen.

Beharrlicher Werber

Es hätte ein ungleicher Kampf werden können - denn parteitaktisch sprach viel dafür, dem Landespolitiker Beckstein einen eloquenten Bundespolitiker an die Seite zu stellen. Doch Seehofers Verstrickungen in private Schwierigkeiten veränderten die innerparteilichen Waagschalen - und Huber machte, was sein ganzes Leben auszeichnete; bienenfleißig kam er seinen Aufgaben als Wirtschaftsminister nach und warb gleichzeitig in den CSU-Gliederungen für sich.

Anders als Beckstein, dessen Sozialisation für einen Berufspolitiker nicht ungewöhnlich ist - Lehrersohn, promovierte Jurist, Rechtsanwalt - hat Huber einen beschwerlichen Lebensweg hinter sich. Er ist in Positionen vorgerückt, von denen er in seiner kargen Kindheit auf einem Bauernhof in Niederbayern nicht einmal träumen konnte. Alles musste er sich hart erarbeiten: Jahrgangsbester während der Ausbildung in der bayerischen Finanzverwaltung, Absolvent eines Abendgymnasiums, Student der Volkswirtschaft - keine seiner frühen biographischen Stationen waren selbstverständlich.

Kein leichtes Amt

Huber ist ein konservativer Pragmatiker, der in seinen politischen Ämtern - als CSU-Generalsekretär, bayerische Finanzminister, Leiter der Staatskanzlei - gelernt hat, wann das gröbere Vokabular des Parteipolitikers und wann das abgewogene Urteil des Fachmanns gefragt ist. Zuweilen schoss er über das rhetorische Ziel hinaus, etwa wenn er der SPD bei der Debatte über die Vermögenssteuer vorwarf, eine „Pogromstimmung“ gegen Bürger zu erzeugen, die mit ehrlicher Arbeit zu Wohlstand gekommen seien.

Huber wird darauf bedacht sein müssen, den Ruf, er sei im Grunde ein neoliberaler Wolf im CSU-Pelz, rasch zu entkräften. Gerecht war dieses Etikett nie, auch wenn Huber manche Strategiepapiere verfasst hat, in denen überlegt wurde, wie der Staat auf das „Notwendige und Unerlässliche“ beschränkt werden könnte. Seine Gegner werden aber bemüht sein, den Verdacht zu schüren, mit Huber drohe die CSU zu einer FDP im XXL-Format zu werden, mit der Gefahr, auf Westerwelle-Größe zu schrumpfen.

Der 61 Jahre alte Huber tritt kein leichtes Amt an; mit einer Doppelspitze, bei der sowohl der Ministerpräsident als auch der Parteivorsitzende in der Landespolitik verankert sind, hat die CSU in ihrer jüngeren Geschichte keine Erfahrung. Bis zur Bundestagswahl, wenn es beim regulären Ende der Wahlperiode 2009 bleibt, muss Huber gleich zwei Bewährungsproben bestehen - die Kommunalwahlen und die Landtagswahl im nächsten Jahr.

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Jahrgang 1957, politischer Korrespondent in München.

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