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Ernährung : Kabinett billigt Programm „Fit statt fett“

  • Aktualisiert am

Vorbildlich: Das gesunde Pausenbrot Bild: dpa

Mit einem Nationalen Aktionsplan will die Bundesregierung vor allem den Trend zum Übergewicht bei Kindern stoppen. Die Deutschen sollen sich ausgewogen ernähren und mehr bewegen. Ob der Appell ausreicht, ist umstritten.

          Das Bundeskabinett hat am Mittwoch das Regierungsprogramm „Fit statt fett“ beraten und Eckpunkte verabschiedet. Mit dem Nationalen Aktionsplan sollen Ernährung und Bewegungsverhalten der Deutschen bis zum Jahr 2020 verbessert werden. Die Regierung will vor allem den Trend zum Übergewicht bei Kindern stoppen.

          Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) und Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU) wollen an die Bundesbürger appellieren, sich gesünder zu ernähren und mehr zu bewegen. Aus den Eckpunkten des Programms geht hervor, dass zwei Drittel der Männer und 53 Prozent der Frauen in Deutschland als zu dick angesehen werden. Am Donnerstag soll sich der Bundestag mit dem Thema befassen.

          „Sport genauso wichtig wie Mathe“

          Kinder und Jugendliche sollen möglichst früh über gesündere Ernährung und Bewegung aufgeklärt werden, auch um Folgekosten von Krankheiten zu vermeiden. Die Bundesbürger werden dazu angehalten, sich mehr zu bewegen. Das Essen in Schulen, Firmenkantinen und Seniorenheimen soll ausgewogener sein. Neue Vorschriften oder Verbote sind dagegen nicht vorgesehen. (Siehe auch: Fettleibigkeit: Turnen mit „Kalorienbomben“)

          Verführerisch: Pommes Frites
          Verführerisch: Pommes Frites : Bild: ddp

          Frau Schmidt setzte sich im ZDF dafür ein, dass Ernährung in Schulen einen größeren Stellenwert bekommt. Auf die Frage, ob Ernährung ein eigenes Unterrichtsfach werden sollte, antwortete sie: „Ich würde das begrüßen.“ Ernährung und Gesunderhaltung in einer alternden Gesellschaft müssten „unbedingt auch in den Schulen gelehrt werden“. „Wir müssen in den Schulen wieder dafür sorgen, dass Sportunterricht genauso wichtig ist wie Mathematik und Deutsch“, sagte die Ministerin.

          „Was steckt in dem Produkt wirklich drin?“

          Zugleich forderte sie von der Lebensmittelindustrie eine verbesserte Kennzeichnung der Inhaltstoffe. Verantwortung für seine Ernährung könne der Einzelne nur übernehmen, „wenn ich weiß, was steckt in dem Produkt wirklich drin“. Es gehe nicht um Askese, sondern um Ausgewogenheit. „Wenn man gesunde Ernährung zusammenbringt mit Bewegung und wenn man dann nicht raucht, hat man eigentlich schon alles getan, was man zur Gesundheitsversorgung tun kann.“

          Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hält das Aktionsprogramm nicht für ausreichend. „Es fehlen alle konkreten Aussagen“, sagte die Verbandsvorsitzende Edda Müller. Eine Ausnahme davon sei lediglich der Plan, sich auf EU-Ebene für eine verständliche Nährwertkennzeichnung einzusetzen.

          Industrie: Mehr Kennzeichnung „bringt nichts“

          Die Lebensmittelindustrie wies jede Verantwortung für den Trend zum Übergewicht in Deutschland zurück und wehrt sich gegen neue Vorschriften zur Kennzeichnung ihrer Produkte. „Warum soll die Industrie schuld sein, wenn jemand zu viel isst?“, fragte der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), Jürgen Abraham, am Mittwoch in Berlin. Jeder sei für seine Ernährung selbst verantwortlich.

          Eine einfache Kennzeichnung von Lebensmitteln nach dem „Ampel-Prinzip“ mit den Farben rot, gelb und grün wie in Großbritannien lehnt der Verband kategorisch ab. „Das ist zu simpel, das bringt nichts“, sagte BVE-Hauptgeschäftsführer Matthias Horst. „Das führt zu einer Diskriminierung.“

          Horst unterstütze aber das Programm „Fit statt fett“. Die „Epidemie“ der Fettleibigkeit sei nicht so sehr darin begründet, dass die Kalorienaufnahme zugenommen habe. „Wir bewegen uns zu wenig“, betonte Horst. „Es liegt nicht an den Lebensmitteln.“

          Übergewicht in Daten

          - 75,4 Prozent der erwachsenen Männer und 58,9 Prozent der erwachsenen Frauen in Deutschland sind übergewichtig oder fettleibig.

          - Die Deutschen sind die dicksten Europäer. Platz zwei bei den Männern nimmt die Tschechische Republik ein, Platz drei geht an die Griechenland. Bei den Frauen belegt Großbritannien den zweiten Platz, gefolgt von Zypern.

          - Die Angaben der Studie beruhen auf den Standards der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für den sogenannten Body-Mass-Index (BMI). Der BMI ergibt sich aus dem Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch das Quadrat der Körpergröße in Meter. Ein BMI größer als 25 gilt laut Weltgesundheitsorganisation als Übergewicht. Liegt der BMI über 30, sprechen Ärzte von krankhafter Fettleibigkeit.

          - Übergewicht resultiert aus falscher Ernährung und zu wenig Bewegung.

          - 60 Prozent der Bevölkerung bewegen sich nicht ausreichend.

          - Die Ausgaben für durch Übergewicht verursachte Erkrankungen lagen im vergangenen Jahr in Deutschland zwischen zehn und zwanzig Milliarden Euro.

          - Folgeerkrankungen von Fettleibigkeit sind Diabetes, Herz-Kreislaufschäden, Schlaganfall, Krebs, hormonelle Störungen, Gelenkschäden oder Depressionen.

          - Fettleibigkeit und ihre Folgeerkrankungen gehören laut WHO in den Industrienationen zu den häufigsten Todesursachen.

          (Quelle: ddp/Studie der International Association for Study of Obesity)

          Quelle: FAZ.NET

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