Home
http://www.faz.net/-gpf-75ujq
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Erika Steinbach Schwund der Vertriebenen?

Erika Steinbach gilt als eine der letzten verbliebenen Konservativen in der CDU. Nun droht ihr der Verlust ihres Frankfurter Wahlkreises. Starker Ersatz stünde jedenfalls bereit.

© Wonge Bergmann Vergrößern Will bleiben: Erika Steinbach

Vielleicht bekommt Erika Steinbach an diesem Samstag wieder eine SMS von der Kanzlerin. Das kommt zuweilen vor und zeigt, dass die CDU-Bundesvorsitzende Angela Merkel ihre konservative Parteifreundin aus Frankfurt für wichtig hält. In welche Richtung die Kurzmitteilung formuliert werden könnte, entscheidet sich gegen zwölf Uhr mittags in einem recht unscheinbaren Saal eines Kulturzentrums im Frankfurter Westen. Dort bestimmen die Delegierten des CDU-Stadtverbands, ob sie die langjährige Bundestagsabgeordnete und Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV) ein weiteres Mal für einen der beiden Frankfurter Bundestagswahlkreise nominieren wollen.

Tobias Rösmann Folgen:

Sicher ist das keineswegs, denn die 69 Jahre alte Politikerin muss sich gegen zwei Konkurrenten behaupten. Ginge es allein nach dem Namen, hätten die beiden relativ unerfahrenen Stadtverordneten Ulf Homeyer, 30 Jahre alt, und Thomas Dürbeck, 54 Jahre alt, keine Chance gegen Frau Steinbach, die als eine der wenigen verbliebenen CDU-Spitzenkräfte mit klar konservativem Profil bekannt ist. Kürzlich erst sorgte sie mit dafür, dass sich in der Bundespartei keine Mehrheit dafür fand, Homosexuelle steuerlich gleichzustellen - zum Unmut vieler Parteifreunde, denen daran gelegen ist, die CDU vor allem in den Großstädten für eine neue Wählerklientel zu öffnen. Mit ihrem Einsatz für die Belange der Vertriebenen bindet Frau Steinbach außerdem eine Klientel an die CDU, die sonst rechts der Mitte kaum eine demokratische Heimat fände. Wenn sie im Stadtverband scheitert, steht ihre politische Karriere vor dem Aus. Die Folgen dürften weit über Frankfurt hinaus zu spüren sein.

Sommerfeste, Adventstreffen, Ausflüge

Die Strategen der Partei wissen das. Für die Frankfurter Delegierten hingegen ist etwas anderes mindestens genauso wichtig, und darin beurteilen sie Frau Steinbach äußerst negativ. Der Vorwurf lautet, die BdV-Präsidentin sei zu selten in der Stadt präsent, ihre Wirkung für Frankfurt in Berlin sei überdies kaum messbar. Den Kritikern, deren Zahl in den 35 Stadtbezirksverbänden groß ist, geht es dabei weniger um offizielle Termine im Römer und in der Paulskirche, an denen Frau Steinbach durchaus teilnimmt. Sie verübeln ihrer Bundestagsabgeordneten vielmehr, dass sie nicht oft zu jenen Treffen kommt, die Herz und Seele einer Volkspartei ausmachen: Sommerfeste, Adventstreffen, Ausflüge.

Mehr zum Thema

Der Vorwurf, unnahbar zu sein, ist für Frau Steinbach nicht neu. Die Politikerin, die seit 1990 für Frankfurt im Bundestag sitzt, hat vermutlich schon zu viele persönliche Angriffe abwehren müssen, als dass sie überall mit Herzenswärme auftreten könnte. Im Frankfurter Stadtverband sind aber manche der Meinung, ihr Auftreten sei in den vergangenen Jahren noch eine Spur kälter geworden, von „Desinteresse“ ist auch die Rede. Hinzu kommt, dass Frau Steinbach auf Kritik aus den eigenen Reihen und von außen zuweilen unangenehm reagiert.

Starker Ersatz stünde bereit

Dennoch geht sie für viele im Frankfurter Stadtverband als Favoritin ins Rennen. „Die Demographie der Delegierten spricht für Frau Steinbach“, sagt einer aus der Frankfurter Führungsriege. Manche erinnern aber auch daran, dass die Bewerberin vor vier Jahren angekündigt habe, zum letzten Mal anzutreten - was Frau Steinbach bestreitet.

Es wird in jedem Fall knapp werden, da sind sich alle einig. Das liegt auch daran, dass die Frankfurter CDU in den beiden anderen Bewerbern, Homeyer und Dürbeck, starken Ersatz finden könnte. Dass einer der drei im September tatsächlich in den Bundestag einzieht, gilt aber ohnehin als fraglich. Denn der Wahlkreis umfasst außer dem Osten, in dem ohnehin viele Anhänger von SPD und Grünen leben, auch den Süden der Stadt. Und dort sind viele Bürger immer noch zornig über den Ausbau des Frankfurter Flughafens und die deutlich größere Lärmbelastung. Verantwortlich dafür machen sie die CDU-geführte hessische Landesregierung.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Homo-Ehe Die nächste Wende der CDU

Atomkraft, Wehrpflicht, Homo-Ehe? Manche fürchten die nächste radikale Kehrtwende in der Union. In der CDU bröckelt der Widerstand gegen die Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare. Mehr Von Günter Bannas, Berlin

28.05.2015, 07:45 Uhr | Politik
Bundesparteitag CDU debattiert über Burka-Verbot

Der Kreisverband Frankfurt am Main hat ein Verbot der Vollverschleierung gefordert, was bei Delegierten und Parteiführung auf Sympathien stieß. Bundesinnenminister De Maiziere warnte vor einfachen Lösungen. Mehr

11.12.2014, 12:13 Uhr | Politik
Konferenz für Wiederaufbau Kobane in Trümmern

Der Islamische Staat ist vertrieben, aber nach fünf Monaten Schlacht gleicht die Kurden-Stadt Kobane einer großen Ruine. Nun wird der Wiederaufbau organisiert. Die Türkei zögert bei einer zentralen Frage. Mehr Von Rainer Hermann

17.05.2015, 17:13 Uhr | Politik
Notstand ausgerufen Hochwasser bedroht Zehntausende in Brasilien

Hochwasser hat im Westen Brasiliens Tausende Menschen aus ihren Häusern vertrieben. Mehr als 18.000 Gebäude stehen unter Wasser. Der Strom in vielen Stadteilen ist abgeschaltet. Mehr

03.03.2015, 16:41 Uhr | Gesellschaft
FDP-Parteitag Mit German Mut zurück in den Bundestag

Die FDP tatstet mit kleinen Erfolgen voran. Auch beim Parteitag geht für Christian Lindner alles gut. Nur ein Bayer tanzt mit einem Freud’schen Versprecher aus der harmonischen Reihe. Mehr Von Eckart Lohse, Berlin

16.05.2015, 16:35 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 18.01.2013, 18:56 Uhr

Gabriels Kampagnentest

Von Majid Sattar, Berlin

BND, NSA, Pegida: Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hat eindrucksvoll bewiesen, dass er immer noch gut für eine heiße Kampagne ist – und das auch als staatestragender Vizekanzler. Aber wozu das Ganze? Mehr 11 4