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AfD : Affront National

Blick ins gar nicht so Ungewisse: die Bundesvorstandsmitglieder Alexander Gauland, Frauke Petry, Jörg Meuthen and Beatrix von Storch Bild: Caro / Zensen

Entwickelt sich die Alternative für Deutschland nun zu einer deutschen Le-Pen-Partei? Alexander Gauland stellt dafür schon mal die Weichen.

          Wird Alexander Gauland bald Marine Le Pen umarmen? „Ich habe es nicht vor“, sagt der 75 Jahre alte AfD-Mann lächelnd. Er verspüre keine besondere Neigung gegenüber der 28 Jahre jüngeren Führerin des Front National, Frankreichs erfolgreicher Partei vom rechten Rand.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Den Wunsch, sich auf Marine Le Pen einzulassen, hat Gauland allerdings selbst ins Spiel gebracht. Und es ging dabei sogar um Liebe. Man müsse den Front National ja nicht gleich lieben, hatte er gesagt. „Aber es kann der Moment kommen, in dem man sagen muss, wir können mit dem Front National zusammenwirken, auch wenn wir nicht mit allem einverstanden sind, wofür er steht.“ So der AfD-Vizechef vor einer Woche zur F.A.Z.

          Im Gespräch in seinem lichten Arbeitszimmer im Potsdamer Landtag, der im wieder aufgebauten Schloss der preußischen Könige residiert, rudert Gauland für einen Moment zurück. Es gehe ihm um die Zusammenarbeit mit dem Front National im Europaparlament, nicht um die enge Beziehung beider Parteien.

          Schließlich werde derzeit in Brüssel und Straßburg überlegt, ob nicht in Zukunft die Europakritiker sich in einer Fraktion vereinen. Da müsse die AfD dabei sein. Und sie stehe ja genau wie der Front National gegen die Idee einer immer enger werdenden Europäischen Union.

          Doch dann geht Gauland noch weiter als zuvor. Aus früheren Zeiten habe er zwar Berührungsängste mit dem Front National, sagt er. Denn unter Jean-Marie Le Pen, dem Vater der heutigen Chefin, sei die Partei klar antisemitisch gewesen. „Das geht in Deutschland gar nicht.“ Zudem gelte der Front National als hypernationalistisch. „Wenn das aber nicht mehr so ist, dann spricht nichts gegen eine Zusammenarbeit.“

          Dass Marine Le Pen seit ihrer Machtübernahme im Jahre 2011 entschieden gegen den Antisemitismus im Front National vorgegangen ist und ihren Vater aus der Partei ausgeschlossen hat, weiß Gauland natürlich. Und er macht keinen Hehl daraus, dass die AfD zur Internationale der Rechtspopulisten gehören soll. Mit der österreichischen Rechtspartei FPÖ hat die AfD längst ihren Frieden gemacht. „Das ist jetzt eine ganz normale Partei“, sagt Gauland.

          Die Art, wie der frühere, 2008 tödlich verunglückte FPÖ-Chef Jörg Haider „verfolgt“ worden sei, habe er „schon immer für albern“ gehalten. Doch nun sei die FPÖ viel weniger schrill. Für Gauland ist es kein Problem, dass er sich jüngst mit dem Generalsekretär der FPÖ getroffen hat. Schließlich haben Parteichefin Frauke Petry und deren Lebensgefährte, der nordrhein-westfälische Landeschef und Europaabgeordnete Marcus Pretzell, schon im Februar einen großen Kongress in Düsseldorf abgehalten, bei dem FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache der Starredner war.

          Damals noch die Stimme einer Minderheit

          Gauland bereitet so Stück für Stück den Weg, auf dem sich die AfD den radikaleren europäischen Rechtsparteien annähert. Der nationalkonservative Flügel, für den Gauland steht, liebäugelt schon länger mit einem Schulterschluss mit der Le-Pen-Partei.

          Nach dem Sieg des Front National in der ersten Runde der Regionalwahlen im Dezember schrieb der thüringische Fraktionschef Björn Höcke: „Wir gratulieren Marine Le Pen zu ihrem überragenden Wahlerfolg. Frankreich und Europa dürfen noch hoffen!“ Damals galt das als Stimme einer radikalen Minderheit in der AfD. Gauland sorgt dafür, dass diese Position mehrheitsfähig wird.

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