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AfD : Affront National

Gauland weiß allerdings, dass er seinen Kurs nicht mit der Brechstange durchsetzen kann. „Wir brauchen auch einen wirtschaftsliberalen Flügel“, sagt er. Obwohl er in vielen Punkten mit Meuthen, dem Wirtschaftsprofessor, nicht übereinstimmt, lobt er ihn in höchsten Tönen, nennt ihn „meinen Freund Meuthen“. Der habe durch seinen Wahlerfolg in Baden-Württemberg an Statur gewonnen, trete nun mit großem Selbstbewusstsein auf und könne die AfD nach außen gut vertreten. Und auch Meuthen ist voll des Lobs über Gauland, nicht nur, weil der sich im Wahlkampf im Südwesten stark engagierte.

Zu Gaulands 75. Geburtstag, der am 20. Februar im Krongut Bornstedt in Potsdam gefeiert wurde, hielt Meuthen die Laudatio, pries Gauland als „Pontifex maximus der Alternative für Deutschland“. Gauland, der „liebe Kollege“, habe das „fruchtbare Zusammenspiel von Liberalen und Konservativen“ erst ermöglicht, er sei ein „intellektueller Brückenbauer“.

Wenig Sympathien für „Schmuse“-Interview

Das Zusammenspiel des Duos scheint vielen in der AfD angesichts der anhaltenden Machtkämpfe in der Führung als besonders wichtig. Denn Parteichefin Frauke Petry, so heißt es, habe sich in eine Selbstisolierung verrannt. Von Parteisprecher Christian Lüth will sie sich als Einzige aus dem dreizehnköpfigen Vorstand nicht mehr vertreten lassen.

Schlecht kam in der Parteispitze an, dass sie sich immer wieder mit den Medien stritt, Klagen androhte und die ZDF-Moderatorin Dunja Hayali als voreingenommene „Aktivistin“ angriff, nachdem Petry selbst einen vereinbarten Interviewtermin mit ihr vergessen hatte. Auch ihr „Schmuse“-Interview mit dem Lebensgefährten Pretzell in der Boulevardpresse hat ihr wenig Sympathien eingetragen. Sie habe so etwas „dämonenhaft Schönes“, hatte Pretzell geschwärmt. In den letzten Vorstandssitzungen ist Petry, so heißt es in der Partei, mit ihren Anträgen gescheitert.

Zum Thema Front National hat sich Petry öffentlich nicht geäußert. Pretzell hat nach seinem Ausschluss aus der früheren Fraktion im Europaparlament entschieden, vorläufig fraktionslos zu bleiben. Geht es nach ihm, soll der Bundesparteitag in zwei Wochen in Stuttgart entscheiden, welcher Fraktion er zukünftig angehören soll – es könnte jene des Front National sein. Im Bundesvorstand sorgt Pretzells Vorgehen für Unmut, Gauland fürchtet sogar eine „Schlammschlacht“ auf dem Parteitag. In dieser Woche hat Pretzell wieder für Aufregung gesorgt, weil er in einer Geheimaktion auf die Krim gereist ist.

„Der Protest ist der Kitt“

Petry, so heißt es, lasse sich nur noch von Pretzell beraten. Sie wiederum fürchtet, dass sie aus dem Amt der Parteichefin gedrängt werden soll. Das Misstrauen ihr gegenüber im Vorstand ist derzeit so groß, dass viele glauben, dass Petry auf kurz oder lang die Führung abgeben wird.

Statt von einer jungen Frau würde die AfD dann möglicherweise von zwei Männern geleitet. Solange Gauland und Meuthen sich gut verstehen und absprechen, wird die AfD mit zwei Flügeln fliegen können. Doch Meuthen ist kein Populist. Ob er für das harte Politikgeschäft geeignet ist, bezweifeln manche.

Die AfD wird nach ihren Wahlerfolgen, darüber herrscht wohl Einigkeit, weiter auf Fundamentalopposition setzen. Nur so kann sie noch mehr Gewicht bekommen. „Sie ist eine rechtspopulistische Protestpartei, und der Protest ist der Kitt“, sagt Gauland. So spricht alles dafür, dass die AfD in Zukunft keine zweite konservativ-liberale Partei in Deutschland sein wird, sondern eine radikale Partei nach dem Vorbild des Front National. Gauland, der den Weitblick für Entwicklungen hat, sagt: „Für eine Weile fahren wir weiter auf Sicht.“

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