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Enoch zu Guttenberg : Ein Freiherr kämpft gegen den „Windkraft-Wahn“

Am schlimmsten sei für ihn gewesen, dass „unsere zwanzig Ackerpferde innerhalb eines Jahres alle einen Kopf kürzer gemacht und von fünf Traktoren ersetzt wurden“. Als Kind habe er das nicht in Worte fassen können, aber ihm sei klar gewesen, „dass wir begonnen hatten, einen ganz furchtbaren Weg zu gehen, der uns trennt vom einigermaßen symbiotischen Leben mit der Natur“.

Unruhiger Dirigent und Umweltschützer

1975 gehörte Guttenberg – damals noch keine dreißig Jahre alt – zu den Gründern des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Herrlich, wenn er aus den Anfangsjahren der Organisation schildert, wie er 1978 zusammen mit Bernhard Grzimek und Hubert Weinzierl beim Kurienkardinal Joseph Ratzinger versucht habe, die Kirche als Mitstreiterin für die Bewahrung der Schöpfung zu gewinnen. Ratzinger habe ihnen freundlich beschieden, Rom sei gerade erst mit dem Fall Galilei fertig, da wolle man nicht schon wieder mit etwas Neuem anfangen.

Guttenberg war nicht nachtragend: 2010 reiste er mit der Chorgemeinschaft Neubeuern und dem Orchester „KlangVerwaltung“ – den beiden Zentralgestirnen seines musikalischen Kosmos – in den Vatikan und führte zu Ehren Ratzingers, nun Papst Benedikt XVI., Verdis Requiem auf. In seinen Dankesworten zitierte Benedikt den Kirchenvater Augustinus, dass das Herz unruhig sei, bis es Ruhe finde in Gott. Wer wollte, konnte es auch als ein Psychoprogramm aus päpstlichem Mund verstehen – ein unruhiges Herz ist Guttenberg, als Dirigent und als Umweltschützer.

Mit 69 kein Ruhestand

2012 verließ er den Bund für Umwelt und Naturschutz. Bis in die Führung des Verbands werde die weitgehende Zerstörung der Landschaftsschutzgebiete und Naturparks durch Windkraft- und Photovoltaikanlagen nicht nur geduldet, sondern sogar unterstützt, zürnte er. Es war mehr als die Kündigung einer Mitgliedschaft, es war der Abschied von einer zweiten Heimat.

Guttenberg ist unerbittlich in dem, was er für richtig hält – das bekommen auch Standesgenossen zu spüren: Gegen das Fürstenhaus Hohenlohe-Langenburg, das seine Besitzungen nicht mehr länger als Sperrgebiet für die Windkraft betrachtet, hat er im vergangenen Monat eine veritable Brandrede gehalten – nicht irgendwo, sondern im Herzen des Hohenloher Lands, in Langenburg.

Im Juli wird Guttenberg 69 Jahre alt. Er könnte es sich bequem machen, seine Besitztümer und den Ruhm als Dirigent und als Intendant der Festspiele auf Herrenchiemsee genießen. Er könnte sich auf die Freuden mit seiner Familie beschränken, mit den beiden noch jungen Söhnen aus seiner zweiten Ehe und seinen fünf Enkelkindern. Er könnte sich von einem gesundheitlichen Schlag erholen, der ihn im vergangenen Jahr heimgesucht hat.

Salzsäure über Landschaften

Doch Guttenberg ist landauf, landab unterwegs, um gegen die Windkraft zu streiten. Auf die Frage, was ihn antreibe, gibt er eine einfache Antwort: Er sei doch seine Pflicht, sich für die Bewahrung der „letzten erhaltenen Kulturlandschaften“, die dem „Windkraft-Wahn“ geopfert werden sollten, einzusetzen.

Enoch zu Guttenberg ist kein Politiker – anders als sein Sohn Karl-Theodor, der frühere Bundesverteidigungsminister, anders als sein Vater Karl Theodor, der ein Wegbereiter der Großen Koalition unter der Kanzlerschaft von Kurt Georg Kiesinger war. In seiner Unbedingtheit könnte er auch nicht Politiker sein. Er nimmt sich die Freiheit, an Grenzen politischer Korrektheit zu rühren.

Wer in der Alten Pinakothek in München Salzsäure über ein Gemälde von Albrecht Altdorfer gösse, käme in eine psychiatrische Klinik oder ins Gefängnis, sagt er; lebende Landschaften durch monströse Windkraftanlagen zu zerstören, gelte aber als fortschrittlich und zeitgerecht. Es sind Worte eines unruhigen Herzens, über die sich streiten lässt. Über ihre subjektive Wahrhaftigkeit lässt sich nicht streiten.

Quelle: F.A.Z.

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